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Scheel-Interview

„Die Erstellung eines Archivs im Internet“

Erstellt 24.06.10, 21:42h

Tilman Scheel über seine Internetfirma „Europe's Finest“ in Köln.

Herr Scheel, auf dem Filmkongress stellen Sie Ihr Internet-Projekt „Europe's Finest“ vor. Was verbirgt sich dahinter?

TILMAN SCHEEL: Dahinter verbirgt sich konkret die Internetseite www.Finest-Film.com. Diese bietet rund 60 digitale Filmkopien, die von Kinos oder auch von Festivals gebucht und dann vorgeführt werden können.

Also sind Sie ein Verleih im Netz?

SCHEEL: Nein. Im Unterschied zum Verleih verzichten wir auf das klassische Marketing. Außerdem ist es so, dass wir Filme zur Verfügung stellen, die in bestimmten Ländern keinen Verleih gefunden haben - ein Beispiel ist Michael Glawoggers „Das Vaterspiel“, der auf deutschen Festivals ein Erfolg war, aber durch „Europe's Finest“ nun auch die Chance bekommt, etwa in Großbritannien ins Kino zu kommen.

Sie bieten aber auch Filme aus der Kinohistorie an . . .

SCHEEL: So ist es. Unser Ziel ist die Erstellung eines Archivs im Internet. Filme von Polanski, Truffaut oder Kaurismäki schaffen es nur noch selten auf die Leinwand. Das ist Qualitätskino, das praktisch im Kino selbst unsichtbar geworden ist, auch weil es aufwendig ist, sich diese Klassiker zu besorgen.

Sie bearbeiten diese Filme dann digital?

SCHEEL: Wir stellen digital hochwertige Kopien zur Verfügung. Ich habe zum Beispiel eine Filmkopie von Wim Wenders „Paris Texas“ gesehen - also nicht irgendein Film -, die völlig schadhaft war. Das ergeht leider vielen analogen Kopien so, und so reparieren wir sozusagen diese Filme auf digitalem Weg.

Lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft des Kinos werfen - die Zeiten, dass schwere Filmrollen durch die Gegend transportiert werden müssen, sind wohl irgendwann vorbei.

SCHEEL: Mit der Digitalisierung der Kinos werden Festplatten eingesetzt, von denen aus projiziert wird. In Frankreich gibt es jedoch bereits geschlossene Netzwerke zu Senden von Filmen, und in Italien werden sogar Satelliten eingesetzt, welche die Daten übertragen. Unsere Erwartung und Hoffnung ist, dass die physischen Medien verschwinden, damit die Kosten sinken - für den Transport - und der Distributionsweg einfacher wird.

Das Gespräch führte Frank Olbert

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