Von Clemens Schminke, 27.06.10, 21:24h, aktualisiert 27.06.10, 22:27h
„Ich suche keine Schuldigen“, sagt Andrzejewski, die sich in den vergangenen Jahren gleichwohl mehr Unterstützung gewünscht hätte. Der städtische Zuschuss sei für das laufende Jahr um 15 Prozent gekürzt worden; dazu komme, dass das Zentrum etwa bei der Partyraumvermietung weniger Umsatz gemacht habe. „Wenn die Stadt meint, dass sie so ein Haus nicht braucht, muss es eben schließen.“ Die Geschäftsführerin möchte keinesfalls als Beispiel dafür herhalten, wie man ehrenamtlich und in Eigenregie eine solche Kulturstätte betreibt. Denn das sei stets nur möglich gewesen mit einem Höchstmaß dessen, was manche „Selbstausbeutung“ nennen. „Es ist Wahnsinn, so etwas zu machen. Aber ich wusste immer, wofür ich morgens aufstehe.“ Ihre Aufgaben, die sie ohne Mitarbeiter erfüllen muss, reichen von der Programmorganisation bis zur Pflege des Gartens.
Liliana Andrzejewski ist in Kirgisien geboren, sie hat hat viele Jahre ihrer Kindheit in Polen verbracht, das Abitur hat sie in Griechenland abgelegt, studiert wurde in Paris. Vor 40 Jahren kam sie nach Deutschland. Als Systementwicklerin verdiente sie ausgezeichnet, doch sie wurde zunehmend unzufrieden. Daher reichte sie die Kündigung ein und widmete sich von da an ganz dem Projekt „Ignis“. Rund 100 Leute, von Architekten und Statikern bis zu Bauingenieuren und Handwerkern, halfen mit, das Haus in der Elsa-Brändström-Straße zu sanieren, aus dem dann das Kulturzentrum wurde. Sein Zweck war, Zuwanderern aus den mittel-osteuropäischen Ländern und auch Deutschen einen Raum der Zusammenarbeit und des freundschaftlichen Austauschs zu bieten. In Kooperation mit Sozialarbeitern wurden Spätaussiedler und andere Neuankömmlingen beraten und betreut.
Klamm war das Zentrum meist. Im Jahr 2000 fielen die Bundeszuschüsse weg. Vier Jahre später führte die „katastrophale finanzielle Lage“, wie die Leiterin sie schon damals nannte, dazu, dass die erste Etage an eine Firma vermietet werden musste und nur noch das Erdgeschoss und der zweite Stock genutzt werden konnten. Zurzeit belaufe sich das Jahresbudget auf 50 000 Euro, sagt Andrzejewski. 2009 habe die Stadt etwa die Hälfte davon getragen; Hauptkostenfaktor sei mit 30 000 Euro die Miete. „Ich fahre schon auf einem Minimum“, betont die Geschäftsführerin. Weitere Zuschüsse seien dadurch verloren gegangen, dass Polen in diesem Jahr keine Unterstützung mehr gebe, weil das Geld wegen der dringenderen Hilfe für die Überschwemmungsopfer „geblockt“ worden sei.
So bleibt Liliana Andrzejewski zu sagen: „Ich möchte mich bei allen Freunden und Besuchern für faszinierende 26 Jahre meines Lebens bedanken.“
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