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Bundespräsident

Bitterer Start für Christian Wulff

Erstellt 30.06.10, 22:11h, aktualisiert 01.07.10, 14:06h

Ende gut, alles gut. Zwar wurde Christian Wulff am Mittwochabend gewählt - doch der Schaden ist angerichtet. Für die Kanzlerin ist das eine weitere Niederlage - der Ansehensverlust ihrer Regierung schreitet voran. Ein Leitartikel von Peter Pauls.

Christian Wulff
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Neun Stunden, drei Wahlgänge, am Ende ein Blumenstrauß: Christian Wulff ist jetzt Bundespräsident. (Bild: ddp)
Christian Wulff
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Neun Stunden, drei Wahlgänge, am Ende ein Blumenstrauß: Christian Wulff ist jetzt Bundespräsident. (Bild: ddp)
Für Christian Wulff ist das ein bitterer Start als Bundespräsident. Erst im dritten Anlauf gewählt zu werden - damit hatte niemand gerechnet. Dass der Kandidat schließlich sogar die gar nicht mehr notwendige absolute Mehrheit erzielte belegt, wie fern vom Bürger und unernst sich der politische Betrieb derzeit in Szene setzt. Wulff gewählt - doch der Schaden ist angerichtet. Für die Kanzlerin ist das Zitterspiel eine weitere Niederlage. Und der Ansehensverlust ihrer Regierung schreitet voran. Markiert er gar eine Götterdämmerung?

Noch ein Verlierer ist schnell ausgemacht. Es ist die Linkspartei. Sie brachte nicht die Kraft auf, Joachim Gauck zu wählen. Stattdessen gab sie dem in der eigenen unbewältigten Vergangenheit wurzelnden Sektierertum den Vorzug. Letztlich müssen Wulff und die CDU sich bei Oskar Lafontaine für diese innere Gefangenschaft bedanken.

Verlierer werden zurzeit über Nacht geboren, an Helden mangelt es - obwohl der Wunsch zu greifen ist, auf einen zu stoßen. Auch das erklärt die ungestüme Heroisierung, die der Gegenkandidat Gauck erfahren hat. Eigentlich war er ja schon stiller Vergessenheit anheim gefallen.

Es sind gar nicht die internationalen Krisen, die Deutschland zu schaffen machen. Das Land steht im Vergleich blendend da. Die Indikatoren zeigen nach oben. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Bräche die Eurozone entzwei und käme die D-Mark zurück - Deutschland profitierte sogar davon. Nach der Papierform geht es diesem Land bei aller Krise gut und das liegt natürlich auch an seiner Regierung. Doch die Stimmung ist schlecht.

Das liegt daran, dass Schwarz-Gelb Ferne vom Wahlvolk demonstriert und seine eigene öffentliche Wirkung nicht einzuschätzen vermag. Dazu gehören politische Botschaften wie die demonstrative Sparpolitik ausgerechnet im Bereich Hartz IV und schriller Streit in der Regierung bis zum klamaukhaften Auftritt. All das verstört in einer Zeit, in der Führung Entschlossenheit spiegeln und Orientierung geben sollte, und es addiert sich auf zu politischem Treibsand. Den einen oder anderen verschlingt er wie Jürgen Rüttgers oder Horst Köhler. Andere suchen das Weite wie Roland Koch. Und wieder andere geraten gefährlich in seine Nähe: Gestern waren das Angela Merkel und Christian Wulff.

Letzterer musste vor laufenden Kameras erste Demütigungen hinnehmen, die er auch noch tapfer lächelnd zu parieren hatte. Spätestens seit gestern wird ihm klar sein, was auf ihn zukommt. Er mag sich damit trösten, dass sowohl Gustav Heinemann als auch Roman Herzog ebenfalls drei Wahlgänge benötigten, indes unter anderen Umständen.

Theoretisch ist es gut, wenn Wahlmänner ihre Freiheit demonstrieren. Praktisch ist solches Lob wohlfeil, denn es ist im Ernst kein Gewissensentscheid, zwischen Wulff oder Gauck zu wählen. Die ungefährdete Freiheit der Entscheidung wird am untauglichen Objekt demonstriert. Sie markiert die Schwäche Merkels und steht für eine gefährliche Stimmung in der Politik. Es wird geradezu schick, dieser Regierung ein Bein zu stellen. So verkommt das Hin und Her der Wahlgänge zum Muskelspiel im Plenarsaal, einer ebenso eitlen wie folgenlosen Demonstration der Macht Einzelner. Angesichts der Herausforderungen, die sich auftürmen, ist das erschreckend.



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