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Tired Pony: Promi-Gipfel des Indiepop

Von Werner Herpell, 23.07.10, 08:06h

Berlin ­ Eine solche Liste bekannter Namen des Indiepop hat man lange nicht gesehen - fast könnte man von einer der berühmt-berüchtigten Supergruppen sprechen.

Tired Pony
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Gar nicht müde.
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Gar nicht müde.

Berlin ­ Eine solche Liste bekannter Namen des Indiepop hat man lange nicht gesehen - fast könnte man von einer der berühmt-berüchtigten Supergruppen sprechen.

Für sein Herzenswunsch-Projekt namens Tired Pony hat der Sänger der britischen Hit-Band Snow Patrol, Gary Lightbody, viele renommierte Musiker um sich versammelt: Gitarrist Peter Buck und Scott McCaughey von R.E.M., Tom Smith von den Düsterrockern Editors, die bekannte US-Schauspielerin und Sängerin Zooey Deschanel mit ihrem Partner Matt Ward, Multi-Instrumentalist Iain Archer und Top-Produzent Jacknife Lee.

Das Tired-Pony-Debüt «The Place We Ran From» ist zwar nicht das große Meisterwerk geworden, das dieser Promi-Gipfel erhoffen ließ ­ ein sehr schönes Rockalbum ist es aber allemal. Vor allem verschafft es Lightbody, der sich mit Snow Patrol in der Sackgasse des melancholischen Stadionpop verlaufen hatte, einen interessanten Ausweg.

Zuletzt hatte die Hauptband des Sängers als Anheizer für U2 auf der «360-Grad»-Bühne gestanden und schien trotz dreier Top-10-Alben in Großbritannien auf dem absteigenden Ast zu sein. Die Rockkritik stempelte Snow Patrol als «Coldplay für Arme» ab und konnte den hübschen, aber teilweise banalen Melodien der Band nicht mehr viel abgewinnen. Einen radikalen Stilwechsel riskiert Gary Lightbody mit Tired Pony indes nicht. Noch immer sind die Songs hochmelodisch, meist traurig und selten experimentell ­ gut gemachter Indiepop eben.

Während einer Snow-Patrol-Tournee schrieb Lightbody amerikanisch angehauchte Songs für eine imaginäre Folkrock-Band. «Das Album wurde inspiriert durch meine Liebe zu Wilco, Calexico, Lambchop, Palace, Smog ­ all diese Bands, die auf die dunkle Seite Amerikas blicken», erzählt Lightbody im Interview. Große Vorbilder und eine riskant hohe Messlatte ­ aber zum Glück hatte Lightbody genügend versierte Freunde, um seine Vision in die Tat umzusetzen.

«Es fühlte sich wirklich kraftvoll und emotional an. Am Ende der ersten Woche war das eine echte Band», berichtet R.E.M.-Gitarrist Peter Buck über die Studio-Sessions in Portland/Oregon und Kalifornien. Alle Songs wurden im ersten oder zweiten Anlauf eingespielt. Die Frische und Herzlichkeit von Aufnahmen wie «I Am A Landslide» mit charmantem Banjo-Motiv oder dem monumentalen Rocker «Pieces» mit rauem Gitarren-Feedback à la Wilco oder Neil Young ist ein großes Plus des Albums.

Zudem erweist sich Gary Lightbody auch mit Tired Pony als sensibler, eindringlicher Sänger, der gleichwohl selbstbewusst genug ist, das Mikro je einmal an Archer und Smith abzugeben. «The Place We Ran From» ist trotzdem seine Platte. Die amerikanischen Vorbilder bleiben unangetastet - eine erfreuliche Überraschung ist dem Briten dennoch gelungen.

www.tiredpony.com

www.myspace.com/tiredpony

(dpa)


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