Von Klaus Ehringfeld, 11.07.10, 20:43h
Dennoch ist die Ernüchterung sechs Monate nach der größten Naturkatastrophe der Neuzeit angesichts ausbleibender Fortschritte greifbar. Noch immer steht der tägliche Kampf ums Überleben im Vordergrund und nicht die Rekonstruktion des Landes und der Institutionen. Der Wiederaufbau der Zwei-Millionenstadt Port-au Prince ist kaum in Ansätzen zu erkennen.
Man habe manchmal den Eindruck, seit dem 12. Januar sei kaum etwas passiert, beklagen Helfer. Die Helfer sind erschöpft und beklagen die Behinderung ihrer Arbeit durch die Regierung. Hilfsorganisationen und Vereinte Nationen mahnen bei den internationalen Gebern die zugesagten Hilfsgelder an.
Bürokratische Hürden
Und inmitten dieses Chaos ringt die Politik um einen Termin für die Präsidentenwahl. Der Nachfolger von Staatschef René Préval wird am 28. November gewählt. Für Arnold Antonin, Filmemacher und Vertreter der haitianischen Zivilgesellschaft, wird gerade seine finsterste Vision Wirklichkeit: „Die Zeltstädte und Notunterkünfte entwickeln sich zu den neuen Armutsvierteln von Port-au-Prince. Zugleich verschwindet jeder öffentliche Raum wie Plätze und Sportarenen, weil dort die Menschen campieren“. Antonin beklagt das Fehlen jeglicher Stadtplanung, von Baunormen und Bodenuntersuchungen. „Es ist das maximal denkbare Chaos“.
Verantwortlich für diese düstere Bilanz ist zum einen die haitianische Regierung, die sich angesichts der Tausenden Nichtregierungsorganisationen im Land an den Rand gedrängt fühlt und jede bekannte bürokratische Hürde auspackt: Von hohen Einfuhrzöllen über die Verschleppung von Import-Genehmigungen bis zu polizeilichen Führungszeugnissen, die Helfer vorlegen müssen. „Destruktives Verhalten“, beklagt Jürgen Schübelin, Haiti-Koordinator der deutschen Kindernothilfe. „Die Regierung will den Nichtregierungsorganisationen die Zähne zeigen und lässt dabei so manche am langen Arm verhungern“ , so Schübelin. „Wir warten seit zehn Wochen auf Genehmigungen für den Import von lebenswichtigen hochkalorigen Spezial-Nahrungsmitteln.“
Die Geldgeber tragen ihren Teil zum Chaos bei, weil sie die zugesagten Gelder schuldig bleiben. 9,9 Milliarden US-Dollar wurden Ende März in New York auf einer Geberkonferenz versprochen. Aber den Worten sind bisher kaum Taten gefolgt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte vergangene Woche, dass selbst die direkte humanitäre Hilfe nur zu 60 Prozent finanziert sei. Auch der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, Wolfgang Jamann, mahnte die Einhaltung der Zusagen ein: „Die Vorbehalte gegenüber der haitianischen Regierung dürfen nicht dazu führen, dass dringend benötigte Hilfsgelder nicht ausgezahlt werden. Wir müssen unser Wort halten. Die Menschen glauben sonst, dass die Schecks nur für die Fernsehkameras ausgestellt worden sind.“
Helfer sind am Limit
Die Hilfsorganisationen verwalten derweil das Chaos. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und medizinischer Betreuung ist zumindest in denjenigen der 1.364 Camps gewährleistet, wo große Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam oder Ärzte ohne Grenzen arbeiten. „Aber“, so Julie Schindall von Oxfam, „wir sind am Limit.“
Wo sind die Spenden geblieben ?
12.07.2010 | 11.44 Uhr | Müller-Koppelberg
Es ist mittlerweile gängiger Standard, daß nach solchen Kata-
strophen zuerst die Spendengelder fließen und anschließdend
die Fragen kommen: Ja wo…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
![]() |
Mahjongg Fortuna » 2337 Spieler |
![]() |
Zuma » 1507 Spieler |
![]() |
Bookworm » 1263 Spieler |
![]() |
Bubble Shooter » 1034 Spieler |
![]() |
Bejeweled 2 » 956 Spieler |