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6 Monate nach Beben

Hoffnungslosigkeit in Haiti

Von Klaus Ehringfeld, 11.07.10, 20:43h

Ein halbes Jahr nach dem Erdbeben mit 220.000 Toten liegt das Land weiter in Trümmern. Noch immer steht der Kampf ums Überleben im Vordergrund, nicht der Wiederaufbau. Und zu allem Überfluss macht Haitis Regierung den Helfern das Leben schwer.

Haiti 6 Monate nach Erdbeben
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Viele Bewohner von Haiti leben in den Ruinen ihrer Häuser, weil sie Angst um ihre Grundstücke haben. (Bild: dpa)
Haiti 6 Monate nach Erdbeben
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Viele Bewohner von Haiti leben in den Ruinen ihrer Häuser, weil sie Angst um ihre Grundstücke haben. (Bild: dpa)
MEXIKO-STADT - Vermutlich ist es vermessen, nach dem Jahrhundertbeben von Haiti kurzfristige Erfolge zu erwarten. Die schieren Zahlen mit 220.000 Toten, mehr als einer Million Obdachlosen und einer zu 60 Prozent zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince hätten ganz andere Länder vor unlösbare Aufgaben gestellt als den ärmsten Staat der westlichen Hemisphäre.

Dennoch ist die Ernüchterung sechs Monate nach der größten Naturkatastrophe der Neuzeit angesichts ausbleibender Fortschritte greifbar. Noch immer steht der tägliche Kampf ums Überleben im Vordergrund und nicht die Rekonstruktion des Landes und der Institutionen. Der Wiederaufbau der Zwei-Millionenstadt Port-au Prince ist kaum in Ansätzen zu erkennen.

Man habe manchmal den Eindruck, seit dem 12. Januar sei kaum etwas passiert, beklagen Helfer. Die Helfer sind erschöpft und beklagen die Behinderung ihrer Arbeit durch die Regierung. Hilfsorganisationen und Vereinte Nationen mahnen bei den internationalen Gebern die zugesagten Hilfsgelder an.

Bürokratische Hürden

Und inmitten dieses Chaos ringt die Politik um einen Termin für die Präsidentenwahl. Der Nachfolger von Staatschef René Préval wird am 28. November gewählt. Für Arnold Antonin, Filmemacher und Vertreter der haitianischen Zivilgesellschaft, wird gerade seine finsterste Vision Wirklichkeit: „Die Zeltstädte und Notunterkünfte entwickeln sich zu den neuen Armutsvierteln von Port-au-Prince. Zugleich verschwindet jeder öffentliche Raum wie Plätze und Sportarenen, weil dort die Menschen campieren“. Antonin beklagt das Fehlen jeglicher Stadtplanung, von Baunormen und Bodenuntersuchungen. „Es ist das maximal denkbare Chaos“.

Verantwortlich für diese düstere Bilanz ist zum einen die haitianische Regierung, die sich angesichts der Tausenden Nichtregierungsorganisationen im Land an den Rand gedrängt fühlt und jede bekannte bürokratische Hürde auspackt: Von hohen Einfuhrzöllen über die Verschleppung von Import-Genehmigungen bis zu polizeilichen Führungszeugnissen, die Helfer vorlegen müssen. „Destruktives Verhalten“, beklagt Jürgen Schübelin, Haiti-Koordinator der deutschen Kindernothilfe. „Die Regierung will den Nichtregierungsorganisationen die Zähne zeigen und lässt dabei so manche am langen Arm verhungern“ , so Schübelin. „Wir warten seit zehn Wochen auf Genehmigungen für den Import von lebenswichtigen hochkalorigen Spezial-Nahrungsmitteln.“

Die Geldgeber tragen ihren Teil zum Chaos bei, weil sie die zugesagten Gelder schuldig bleiben. 9,9 Milliarden US-Dollar wurden Ende März in New York auf einer Geberkonferenz versprochen. Aber den Worten sind bisher kaum Taten gefolgt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte vergangene Woche, dass selbst die direkte humanitäre Hilfe nur zu 60 Prozent finanziert sei. Auch der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, Wolfgang Jamann, mahnte die Einhaltung der Zusagen ein: „Die Vorbehalte gegenüber der haitianischen Regierung dürfen nicht dazu führen, dass dringend benötigte Hilfsgelder nicht ausgezahlt werden. Wir müssen unser Wort halten. Die Menschen glauben sonst, dass die Schecks nur für die Fernsehkameras ausgestellt worden sind.“

Helfer sind am Limit

Die Hilfsorganisationen verwalten derweil das Chaos. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und medizinischer Betreuung ist zumindest in denjenigen der 1.364 Camps gewährleistet, wo große Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam oder Ärzte ohne Grenzen arbeiten. „Aber“, so Julie Schindall von Oxfam, „wir sind am Limit.“



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