Von Christian Leinweber, 12.07.10, 17:33h
Solche homophoben Reaktionen auf ein Outing sollen bald der Vergangenheit angehören: Auf Initiative der Schülervertretung (SV) nimmt das Gymnasium an „Schule der Vielfalt - Schule ohne Homophobie“ teil. Die unter anderem vom Netzwerk „SchLAu“ (Schwul Lesbische Aufklärung NRW) initiierte Kampagne setzt sich für ein respektvolles Klima an Schulen in Nordrhein-Westfalen ein. Das Gymnasium Rodenkirchen ist bisher eine von sechs Lehranstalten, die mitmachen.
„Wir möchten zeigen, dass wir uns gegen Diskriminierung jeglicher Art richten, nicht nur in der Schule, in ganz Rodenkirchen“, so Schulleiterin Almuth Roselieb. Den ersten Schritt machten Mitglieder der Schülervertretung. Zusammen mit Stephanie Weber und Max Antoni von „SchLAu“ klebten sie die Schule-der-Vielfalt-Plakette auf die Eingangstür. Darauf ist zu lesen: „Come in: Wir sind offen - lesbisch, schwul, bi, hetero.“ Direkt hinter dem Eingang steht ein Schaukasten mit Info-Material über schwul-lesbisches Leben. Der Grundstein ist gelegt, nun müssen weitere Aktionen folgen.
Stephanie Weber erklärt: „Wir bieten den Schulen 35 verschiedenen Unterrichtseinheiten zum Thema für alle Schulfächer und Altersstufen.“ Zum Beispiel das Unterrichtsangebot „Berühmte Lesben und Schwule“ für alle Siebtklässler in Sozialkunde und Politik: Die Schüler erhalten ein Arbeitsblatt, auf dem die Namen vieler bekannter homo- und bisexueller Menschen stehen, darunter Judas Priest Frontmann Rob Halford und Schriftstellerin Selma Lagerlöf. Die Schüler sollen sich mit diesen Menschen beschäftigen. Die sexuelle Orientierung bestimmt nicht den Wert eines Menschen, und auch nicht seine Leistungen: Diese Erkenntnis können die Schüler aus der Unterrichtseinheit gewinnen.
Denn Homosexualität - das zeigt die Vielfalt schwul-lesbischen Lebens - ist nur ein Teil des komplexen Wesens einer Person, ob Künstler, Sportler oder Politiker. Des weiteren gibt es Unterrichtsmodule zu Themen wie Regenbogenfamilie, Homosexuellenverfolgung im Dritten Reich und Klischees und Vorurteile.
Homophobie, so erfährt man, ist „nicht die Angst vor Homosexuellen per se, sondern eine tiefsitzende, oft unbewusste Angst vor eigenen unterdrückten Persönlichkeitsanteilen“. Der offen lebende Schwule wird zur Projektionsfläche heterosexueller Panik. Gegen Homophobie vorzugehen bedeutet daher nicht nur, lesbische und schwule Schüler vor Ausgrenzung und Gewalt zu schützen, sondern auch homophoben Menschen ihre oft irrationale Angst zu nehmen. Die hat ihren Ursprung nicht selten im Elternhaus. SV-Schüler Jonathan Weinspach (15) würde es begrüßen, wenn auch Eltern bei der Erziehung diskriminierungsfrei mit dem Thema umgingen: „Man muss von früh an Menschen beibringen, dass Homosexualität etwas Normales ist, dass jeder für sich entscheiden können soll, wen er liebt.“
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