Von Thomas Kröter, 13.07.10, 23:13h
Die meisten Menschen haben in ihrem Leben zwei Mal mit der Schule zu tun: Als Schüler und als Eltern von Schülern. Diese doppelte Lebenserfahrung ist in der Regel nicht dazu angetan, staatlichen Bildungsreformbemühungen zu trauen. Wer erst selbst zur Pinselrolle greifen muss, damit die Klassenräume der Kinder halbwegs vernünftig ausschauen, dem fällt es schwer zu glauben, dass er in einer „Bildungsrepublik“ lebt. Auch die hektische Schulzeitverkürzung der letzten Jahre oder die nicht eben optimal vorbereitete Einführung des Zentralabiturs haben das Vertrauen in die staatliche Bildungspolitik kaum gestärkt.
Hinzu kommt: Die alte Gewissheit ist dahin, dass es dem Nachwuchs schon besser gehen wird, wenn er sich auf einer ordentlichen Schule nur ordentlich auf den Hosenboden setzt. Dieser Verlust von Statusgewissheit und Aufstiegsoptimismus verunsichert die von den Parteien umworbenen Mittelschichten. Deshalb reagieren viele Menschen so abwehrend auf eine bildungspolitische Debatte, die ihnen das Gefühl gibt, es gehe vor allem um die Förderung von Randgruppen und nicht um die Kinder aus der Mitte der Gesellschaft. Gegen diese Wahrnehmung lässt sich einiges einwenden, angefangen mit der Tatsache, dass die Gymnasien besonders von Kindern bevölkert sind, deren Eltern bereits Gymnasiasten waren. Aber sie lässt sich nicht hinweg dekretieren.
Die Politik muss sich ernsthaft mit dem Problem auseinander setzen, dass der sinnvolle Gedanke, Kinder aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten länger gemeinsam lernen zu lassen, von vielen als Angriff nicht bloß auf eine altehrwürdige Schulform, sondern auf die Interessen breiter Schichten interpretiert wird, die sich als Träger dieses Staates verstehen. Und noch etwas: In Europa werden gerade mühevoll die Studienabschlüsse vereinheitlicht. Da erschließt sich nicht jedem, warum es sinnvoll sei, die Unterschiede zwischen den Schulsystemen deutscher Bundesländer zu vergrößern. Warum knappe Finanzen und intellektuelle Ressourcen, auf neue Organisationsformen zu verwenden? Es ist sinnvoller, die Schulen besser auszustatten, die Klassen kleiner zu machen, den Lehrern mehr Gelegenheit zur Fortbildung zu geben!
Am besten aber wäre es, wenn Hannelore Kraft und ihre künftige Bildungsministerin Sylvia Löhrmann beim Blick auf Hamburg vor allem den „Schulfrieden“ beachteten, zu dem CDU, Grüne und die oppositionelle SPD sich verpflichtet haben: Unabhängig vom Ergebnis des Volksentscheids sollen Eltern und Kindern danach zehn Jahre lang Ruhe haben vor jeglicher Änderung des Schulsystems.
@ quatschkopf68
14.07.2010 | 16.41 Uhr | Jan P
Laut Bildungsmonitor2009 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat NRW unterm Strich in den entscheidenden Feldern der Schulqualität gegenüber…
@Jan P
14.07.2010 | 15.48 Uhr | Quatschkopf68
In der letzten Vergleichsstudie (im KStA veröffentlicht) hat sich NRW etwas nach vorne gearbeitet. Reformen brauchen eben Zeit, bis sie wirken.
Die…
„Friede den Schulen“ kommt 5 Jahre zu spät
14.07.2010 | 14.09 Uhr | Jan P
Bevor man dem konservativen Kröter für seinen Artikel mit dem arg schwülstigen Titel applaudiert, sollte man über ein paar Tatsachen…
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