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Ezzatollah Zarghami

Irans TV-Trojaner bei ARD und ZDF

Von Tobias Kaufmann, 14.07.10, 17:31h, aktualisiert 14.07.10, 17:33h

Der Chef des staatlichen Rundfunks des Iran, Ezzatollah Zarghami, hat SWR und ZDF besucht. Das Regime veröffentlichte Jubelmeldungen. Iranische Oppositionelle sind sauer, die deutschen Sender fühlen sich missverstanden.

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Sieht so das vielfältige Vollprogramm aus, das auf der Internetseite des Zweiten Deutschen Fernsehens angepriesen wird? Am 7. Juli war Ezzatollah Zarghami, der Chef des iranischen Staatssenders, zu Besuch in der ZDF-Zentrale in Mainz. Am Tag zuvor besuchte er den SWR. Zarghami verantwortet Programme, die reine Propaganda für ein diktatorisches Regime senden, das die Pressefreiheit gewaltsam unterdrückt. Dennoch wurde der Iraner bei seiner Deutschlandreise von den beiden ranghöchsten Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks empfangen: von ZDF-Intendant Markus Schächter und vom ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust. Beim Rundgang wollten sie bei ihrem Gast für die Pläne von ARD und ZDF werben: Der SWR hofft auf ein Hörfunkstudio im Iran, das ZDF auf ein Korrespondentenbüro.

Man hatte sich das vermutlich gedacht wie bei der Geschichte vom trojanischen Pferd: Zarghami sollte bei den Herrschenden ein gutes Wort für die deutschen Kollegen einlegen - und die könnten dann, wenn's die Studios erstmal gibt, regimekritisch berichten. Doch Zarghami rollte das Pferd zurück auf den Lerchenberg.

Er wurde von einem Kamerateam begleitet. Statt den Besuch im Verborgenen abwickeln zu können, gab's nun im Internet Bilder davon zu sehen und auf seiner deutschen Internetseite jubelte der Staatssender IRIB: „Sowohl der ZDF- wie auch der ARD-Verantwortliche brachten ihr Interesse zum Ausdruck, insbesondere auf dem Gebiet der Nachrichten enger mit Iran zu kooperieren. Ezzatollah Zarghami war auf Einladung dieser beiden Fernsehkanäle nach Deutschland gereist.“

Iranische Oppositionelle in Deutschland schäumen vor Wut über das Treffen, das für sie ein Propaganda-Coup des Regimes ist. Denn Zarghami ist nicht nur Chef des Staatsrundfunks, sondern auch Mitglied der Revolutionsgarden, der paramilitärischen Elitetruppe Teherans. Die Opposition wirft Zarghami vor, persönlich für die Verfolgung von Regimegegnern nach der Präsidentenwahl im Juni 2009 verantwortlich zu sein, indem er gefälschte Geständnisse und falsche Anschuldigungen veröffentlichen ließ.

ARD und ZDF weisen den Vorwurf, aus Naivität einem Feind der Pressefreiheit einen PR-Sieg gewährt zu haben, zurück. „SWR- Intendant Peter Boudgoust hat bei dem Termin sehr klar die Bedeutung der Pressefreiheit und die Staatsunabhängigkeit des Rundfunk sowie die Bedeutung eines staatsfernen Rundfunks für die Demokratie herausgestellt und das Interesse an einer freien Berichterstattung bekundet“, betont der stellvertretende Chefredakteur Hörfunk beim SWR, David Biesinger. Auch das ZDF teilt mit, der Termin sei von den Iranern ausgegangen. Man habe ihnen nichts versprochen. Ob IRIB sich korrigieren wird?.



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