Von Tobias Kaufmann, 14.07.10, 17:31h, aktualisiert 14.07.10, 17:33h
Man hatte sich das vermutlich gedacht wie bei der Geschichte vom trojanischen Pferd: Zarghami sollte bei den Herrschenden ein gutes Wort für die deutschen Kollegen einlegen - und die könnten dann, wenn's die Studios erstmal gibt, regimekritisch berichten. Doch Zarghami rollte das Pferd zurück auf den Lerchenberg.
Er wurde von einem Kamerateam begleitet. Statt den Besuch im Verborgenen abwickeln zu können, gab's nun im Internet Bilder davon zu sehen und auf seiner deutschen Internetseite jubelte der Staatssender IRIB: „Sowohl der ZDF- wie auch der ARD-Verantwortliche brachten ihr Interesse zum Ausdruck, insbesondere auf dem Gebiet der Nachrichten enger mit Iran zu kooperieren. Ezzatollah Zarghami war auf Einladung dieser beiden Fernsehkanäle nach Deutschland gereist.“
Iranische Oppositionelle in Deutschland schäumen vor Wut über das Treffen, das für sie ein Propaganda-Coup des Regimes ist. Denn Zarghami ist nicht nur Chef des Staatsrundfunks, sondern auch Mitglied der Revolutionsgarden, der paramilitärischen Elitetruppe Teherans. Die Opposition wirft Zarghami vor, persönlich für die Verfolgung von Regimegegnern nach der Präsidentenwahl im Juni 2009 verantwortlich zu sein, indem er gefälschte Geständnisse und falsche Anschuldigungen veröffentlichen ließ.
ARD und ZDF weisen den Vorwurf, aus Naivität einem Feind der Pressefreiheit einen PR-Sieg gewährt zu haben, zurück. „SWR- Intendant Peter Boudgoust hat bei dem Termin sehr klar die Bedeutung der Pressefreiheit und die Staatsunabhängigkeit des Rundfunk sowie die Bedeutung eines staatsfernen Rundfunks für die Demokratie herausgestellt und das Interesse an einer freien Berichterstattung bekundet“, betont der stellvertretende Chefredakteur Hörfunk beim SWR, David Biesinger. Auch das ZDF teilt mit, der Termin sei von den Iranern ausgegangen. Man habe ihnen nichts versprochen. Ob IRIB sich korrigieren wird?.
Linktipp: Bericht zum Besuch bei "Spiegel Online"
Linktipp: Stellungnahme des SWR auf "Julias Blog"
@ Hausser
16.07.2010 | 10.25 Uhr | ego1
Man muß sich schon die richtigen Beispiele heraussuchen, um Stimmung zu machen. Der angeführte Fall taugt nicht dazu. Denn der Satz „Was passiert,…
Staatstreue?
16.07.2010 | 02.54 Uhr | Vorwahl0221
Der KSTA ist genau staats/EU/Israel/NATO usw. -treu. Also reine Heuchelei hier vom iranischen Gast eine staatskritische Haltung zu erwarten!
@ Alberto
15.07.2010 | 20.58 Uhr | Tobias Kaufmann
Was haben wir denn angeblich zensiert?
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