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Kunsthochschule

Der Betrachter als Störenfried

Von Simone Minet, 14.07.10, 18:25h, aktualisiert 14.07.10, 18:53h

Kunst sträubt sich nicht mehr gegen Technik, Kunst nutzt die Technik. Das zeigt ein kurzweiliger Rundgang durch die Kunsthochschule für Medien, wo bis Sonntag Arbeiten von Dozenten und Studierenden ausgestellt sind.

Love Land Invaders
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„Love Land Invaders“ von Ralph Lagoi und Kate Lace. (Bild: Grönert)
Love Land Invaders
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„Love Land Invaders“ von Ralph Lagoi und Kate Lace. (Bild: Grönert)
Köln - Es ist dunkel im Raum, nur ein schwacher Lichtschein geht von dem Tisch in der Ecke aus, auf dem zwei Schreibtischlampen befestigt sind. Sie bewegen sich, als wären sie in ein Gespräch vertieft. Nähert man sich, so stört man das Gespräch. Die Lampen unterbrechen ihre vermeintliche Unterhaltung und fixieren den Besucher mit ihrem großen, leuchtenden Auge. Verhöratmosphäre - der Betrachter als Störenfried. Eine neue Konzeption von Kunst, die im Kommen ist, wie Klaus Jung, Rektor der Kunsthochschule für Medien (KHM), betont. „Die eigentliche Arbeit spielt sich ab, wenn das Publikum nicht da ist“, sagt Jung.

Die Lampen-Installation von Jasper Diekamp, die im Rahmen des aktuellen KHM-Rundgangs im Experimentallabor „Minus-Eins“ zu sehen ist, funktioniert mit Hilfe von Sensoren, die genau erfassen, wer sich wo im Raum bewegt. Damit benutzt sie moderne Technologie, die eigentlich zu ganz anderen Zwecken entwickelt wurde. Dies ist bei aller Vielfalt eine Gemeinsamkeit der Arbeiten. Es heißt heute nicht mehr Kunst versus Technik, sondern Kunst hat multimedialen Charakter.

Mit dem Übergang von einem Medium zu einem anderen experimentiert Oliver Salkic. Wieso muss man Musik eigentlich immer hören? Man kann sie auch fühlen - an zwei schlanken, schwarzen Säulen in der Trinitatiskirche. Salkic lässt Klaviersonaten von Beethoven allein durch Vibrationen ertasten und zeigt so, wie sich der taube Komponist gefühlt haben muss, als er die Vibrationen des Pianos erspürte.

Gleich nebenan ist ein anderes musikalisches Projekt: Auf einem Bildschirm werden in etwa 15-minütigen Abständen Filmszenen eingeblendet, die von der Toccata und Fuge von Bach begleitet werden. Mit seiner Filmcollage thematisiert Jens Pecho die inflationäre Verwendung dieses Stücks als Soundtrack in diversen Horror- und Liebesfilmen. Und er bringt das Orgelwerk zurück in die Kirche - dazu noch in jene Kirche, deren neue Orgel der erst im Januar eingeweiht wurde.

Der kurzweilige Rundgang umfasst Werke und Diplomarbeiten von 110 Studierenden der KHM. Die Arbeiten sind nicht nach Klassen oder Jahrgängen angeordnet, denn die KHM verzichtet auf eine solche Strukturierung. „Die Studenten entwickeln eigene Projekte mit einem Betreuer, der passt“, berichtet Jung, für den der Rundgang der erste in seinem noch neuen Amt ist. Traditionelle Grenzen zwischen Medien und Genres spielen keine Rolle.

Kunst und Film zugleich

Dass an der KHM zugleich Kunst und Film gelehrt wird, sieht Jung als einzigartiges Prinzip. Indem Film und Ausstellungskunst so nah beieinander produziert würden, änderten sich nicht nur die Produktionsbedingungen, sondern auch die Konzeption beider. Während in den meisten Filmen eine erzählte Geschichte im Vordergrund stehe, könne in den von Ausstellungskunst inspirierten Filmen die Geschichte zugunsten des reinen Bildes vergessen gemacht werden.

Filme sind Bilder in Bewegung - aber lässt sich auch Bewegung als Skulptur darstellen? Dies ist die Grundidee von Jens Standkes Skulptur aus Schaumstoffplatten. Nach einer virtuellen Aufzeichnung einer sich drehenden Person hat Standke eine Figur entworfen, die eine Person in mehreren Momenten gleichzeitig abbildet und so die Frage des Zusammenhangs zwischen Zeit, Raum und Körper auf eine ganz eigene Weise stellt.

Zwischen Dokumentarfilm und Installation steht das Videoprojekt von Lea Hartlaub, die an einem Pfingstsonntag eine Baustelle zur Landgewinnung an der holländischen Küste beobachtet und gefilmt hat. Die dreiteilige Videoarbeit konfrontiert Mensch, Maschine und Umwelt. Ihr geht es vor allem darum, die Verschiebung von Grenzen zu demonstrieren. Und genau das tun wahrscheinlich alle Exponenten der KHM: Sie zeigen die Verschiebung von Grenzen zwischen Medien, Techniken, Materialien und Genres.



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