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Aachener Weiher

„Kadaverslalom“ am Aachener Weiher

Von Tim Stinauer, 16.07.10, 20:37h, aktualisiert 19.07.10, 17:35h

Tote Fische an der Wasserobefläche, verendete Enten und ein bestialischer Gestank: Das Tiersterben am Aachener Weiher hört nicht auf. Am Montag will die Stadt mit einer Pumpe frisches Wasser einleiten.

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In Massen treiben tote Fische im Aachener Weiher. Schuld ist die Hitze - das Gewässer ist umgekippt. (Bild: Worring)
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In Massen treiben tote Fische im Aachener Weiher. Schuld ist die Hitze - das Gewässer ist umgekippt. (Bild: Worring)
Innenstadt - Das Tiersterben am Aachener Weiher geht weiter. Von ehemals knapp hundert Enten ziehen am Sonntagnachmittag nur noch etwa 25 ihre Kreise auf der trüben Brühe. Im Zehn-Minuten-Takt steigen tote Fische an die Wasseroberfläche, begleitet von einem letzten Platschen. In einer Ecke des Weihers treiben mehr als 30 Karpfen-Kadaver und eine tote Ente, dicht bedeckt mit Fliegen. Hundebesitzer leinen ihre Tiere an, Eltern halten die Kinder zurück. Es stinkt bestialisch. Am Ufer des Bassins vor dem Museum für Ostasiatische Kunst fotografieren Spaziergänger die grotesken Kopfbewegungen eines sterbenden Erpels. Beine und Flügel sind schon steif, gelähmt vom Nervengift Botulinumtoxin, das sich in der Hitze der vergangenen Tage im Schlamm am Seegrund entwickelt hat. Enten nehmen es beim Gründeln auf.

An einer Bank im Schatten schimpfen Anwohner auf die Politiker und die Beamten des Grünflächenamtes. Die sind ihrer Ansicht nach Schuld an dem Drama auf Kölns beliebtem Innenstadt-Weiher. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, bittet eine Rentnerin, sie wolle sich nicht öffentlich mit der Stadt anlegen. „Aber normalerweise müssten wir die ganzen Fischkadaver aufsammeln und vors Rathaus werfen.“ Der See sei deshalb gekippt, glaubt ein Fahrradfahrer, weil der Wasserstand seit Herbst zu niedrig gewesen sei. „Erst in den letzten Tagen haben die den Pegel wieder erhöht, da war es längst zu spät.“ Wer so einen künstlichen See anlege, argumentiert die Rentnerin, der müsse ihn auch pflegen.

Samstagnachmittag lagen tote Fische selbst auf dem Spazierweg vor dem Biergarten und faulten in der Sonne, angeschleppt von Hunden. „Das war wirklich toll, mein vierjähriger Sohn und ich haben stundenlang Kadaverslalom gespielt“, erzählt ein junger Vater zynisch. Wenigstens diese Tierleichen muss irgendjemand entsorgt haben. Die Feuerwehr war es nicht. „Wir sind nicht zuständig, das ist Sache des Grünflächenamtes“, klärt ein Mitarbeiter der Leitstelle auf.

Samstagabend hatten besorgte Spaziergänger eigenhändig den letzten verbliebenen Jungschwan mit einer Decke eingefangen und ihn nach Hattingen in eine Vogelpflegestation gebracht. Das Muttertier und ein weiteres Junges wurden vorige Woche verseucht eingeschläfert.

ksta.tv: „Entensterben am Aachener Weiher“

Um wenigstens die letzten Enten und Fische zu retten, will die Stadt am heutigen Montag wieder Frischwasser in den Weiher leiten. Seit Freitagmittag waren Pumpen und Schläuche abgestellt - aus Personalmangel, wie es hieß.

Auch Menschen können an Botulismus sterben, allerdings nur durch verseuchte Konserven. „Die Enten stellen keine Ansteckungsgefahr dar“, erklärte Jochen Bauer vom Grünflächenamt. Dennoch sollten Kadaver nicht angefasst werden.



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