Von Norbert Ramme, 20.07.10, 14:52h
Die jungen Menschen kommen aus den Jugendgruppen, die Franziskaner-Pater Jürgen Neizert außer dem Vingster Treff anbietet, und aus dem „Westend“ einer Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt in Ossendorf. Nach mehreren Übungsrunden und einer theoretischen Prüfung, standen jetzt - unter den kritischen Blicken von Fahrlehrer Suat Bakhir - die parktischen Prüfungen an.
Da galt es, die Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen. Suat Bakhir: „Das ist durchaus mit dem alltäglichen Slalom durch einen der großen Baumärkte zu vergleichen.“ Ein Hindernis-Parcours musste sowohl vorwärts als auch rückwärts in Schrittgeschwindigkeit durchfahren und die dabei transportierte Palette anschließend zentimetergenau auf einem Gittergestell abgesetzt werden.
Wenn das nicht gleich beim ersten Anlauf klappte, ließ Fahrlehrer Bakhir („Ich muss ja erkennen, das die Jungen Leute das Fahrzeug kennen und beherrschen“) auch einen zweiten Versuch zu. „Die Jungs helfen sich gegenseitig und entwickeln ein Gefühl der Zusammengehörigkeit“, hat Franziskaner Neizert beobachtet. „Außerdem haben sie ein Erfolgserlebnis.“ Pfarrer Franz Meurer, der sich um die Finanzierung des Führerschein-Projektes kümmert und dafür stets Sponsoren sucht, hält den Fahrlehrer, den Rolf Bünschgens, der Geschäftsführer der „Akademie für Beratung und Qualifizierung“, nach Vingst vermittelt hat, für einen Glücksgriff. „Der kann in drei Sprachen erklären. Das ist für die Jungs oft eine sehr große Hilfe. Und neben der deutschen Sprache beherrscht er auch Türkisch und Kurdisch.“ Meurer: „Die meisten Fachausdrücke rund um den Gabestapler-Führerschein verstehen viele der Jungs erst einmal nicht, weil sie bislang gar nicht am Arbeitsgeschehen teilgenommen haben.“ Doch das soll sich mit dem Gabelstapler-Führerschein schon bald ändern, denn so erhöhen sich die Chancen, in einem Lager arbeiten zu können.
„Mit dem Schein kann ich in den nächsten Monaten eine neue Stelle anfangen. Da habe ich eine feste Zusage“, freut sich Okan Yilderim (24), der nach dem Abbruch einer Dachdeckerlehre arbeitslos war, über das Zertifikat.
Mit dieser Gruppe haben nun schon mehr als 200 arbeitslose Jugendliche rund um die Kirche St. Theodor den Gabelstapler-Führerschein gemacht. Den überwiegenden Teil der Kosten hat die Stiftung „Pro Hövi“ übernommen. „Die zahlen aber nur für Jugendliche aus Vingst und Höhenberg“, sagt Meurer. Deshalb sei das als nächstes geplante Führerschein-Projekt mit einer Jugendgruppe aus Ostheim derzeit finanziell noch nicht abgesichert.
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