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Meier-Interview

„Wir wollen Bayer angreifen“

Von Stephan Klemm, 19.07.10, 19:54h, aktualisiert 20.07.10, 09:39h

Der Manager des 1. FC Köln gibt im Interview Auskunft über sportlichen Ambitionen und finanziellen Möglichkeiten des Clubs. Minimalziel ist laut Meier ein Tabellenplatz vor Mönchengladbach. Investieren will der FC vor allem in junge Spieler.

Michael Meier
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FC-Manager Michael Meier (Bild: Dahmen)
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FC-Manager Michael Meier (Bild: Dahmen)
Herr Meier, der 1. FC Köln geht laut Bilanz mit einem Minus von 21 Millionen Euro in die Saison, was durchaus Auswirkungen auf die Mannschaft hat. Was bedeutet das für die kommende Spielzeit?

MICHAEL MEIER: Die Verbindlichkeiten sind nicht überraschend, denn die Zahlen haben wir bereits im November auf der Mitgliederversammlung kommuniziert. Unsere Strategie ist langfristig angelegt. Die Planungen für die kommende Saison sind unabhängig getroffen worden. Wir handeln nach einem Fünfjahres-Plan. Dort haben wir unsere Ziele formuliert. Wir mussten erst einmal investieren, um die Bundesliga zu halten. Daraus sind dann die Transfers etwa von Geromel, Petit und auch Podolski hervorgegangen. Und jetzt haben wir uns konsolidiert, die Liga zweimal gehalten. In unserer besten Elf stehen sieben bis acht erfahrene Spieler, die älter sind als 25 Jahre, so dass wir sagen können: Wir müssen jetzt nicht mehr die großen Namen mit der großen Erfahrung dazu holen. Denn wir haben sie ja. Jetzt wollen wir schrittweise junge Spieler ins Team integrieren.

Könnte es nicht auch so sein, dass Sie sich übernommen haben und deshalb das Geld für weitere Verstärkungen fehlt?

MEIER: Nein, wir haben immer gesagt, wir wollen uns langfristig in der Liga etablieren. Die Basis haben wir mit erfahrenen Spielern geschaffen. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt. Wir haben schon in der vergangenen Saison junge Spieler im Team gehabt wie Christopher Schorch, Kevin Pezzoni, Adil Chihi, Taner Yalcin, Adam Matuschyk oder ganz am Schluss auch Reinhold Yabo. Diesen Weg haben wir nun konsequent fortgesetzt: Wenn wir investieren, dann in junge Leute - wie in Alexandru Ionita, 20 Jahre, Konstantin Giannoullis, 22 Jahre, Christopher Buchtmann, 18 Jahre, Mato Jajalo, 22 Jahre und Martin Lanig, 25 Jahre.

Außer Lanig sind das alles Spieler, die keine Bundesliga-Erfahrung haben. Sie riskieren viel.

MEIER: Ich nenne nur die Namen Petit, Maniche, Geromel oder auch Novakovic, alles Treffer, alle hatten vorher auch keine Bundesliga-Erfahrung. Bis heute hatten wir mehr Erfolg mit unseren Transfers als Misserfolg. Mir ist aber klar: Unsere Transfers müssen passen.

Das gilt auch für diese Saison.

MEIER: Richtig. Aber schon jetzt haben wir etwas erreicht innerhalb des Kaders: Die jungen Spieler treiben die älteren zu Höchstleistungen an. Schon im Training. Sie machen Dampf, bringen durch den Konkurrenzkampf einen ganz anderen Geist rein. Das tut allen gut. Jetzt gilt für uns: Über Leidenschaft müssen wir die Identifikation zwischen Mannschaft und Publikum zu stärken versuchen. Wir bauen ein neues Klima auf, einen Teamgeist, eine neue Mentalität.

Neue Mentalität, neues Klima, Teamgeist - das alles klingt angesichts der finanziellen Not sehr bemüht. Und es passt nicht zu den Problemen, die Ihre Stürmer Lukas Podolski und Milivoje Novakovic miteinander haben. Woran liegt es, dass die beiden nicht harmonieren?

MEIER: Das kann ja keiner glauben, dass wir zwei Spieler des Formats von Podolski und Novakovic nicht für unsere Ziele hinbekommen. Ich würde sagen, das lag am allgemeinen Klima, Lukas sagte mir mal: „Herr Meier, mir fehlt das FC-Gefühl.“

Was meinte er damit?

MEIER: Es gab Disziplinlosigkeiten im ersten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit, die konnten wir auch im zweiten Jahr nicht auf einen Normalzustand bringen. Es gab permanente Diskussionspunkte im Team. Aber da haben wir inzwischen eine Veränderung festgestellt, da sind wir besser geworden, das musste auch so werden - und das wird der Lukas auch merken und dann sagen: „Ach ja, da ist ja das Gefühl, das ich brauche.“

War Novakovic neidisch auf Podolski?

MEIER: Gute Fußballer respektieren immer gute Fußballer. Im Mittelpunkt muss der Erfolg des Klubs stehen, nicht der eines Einzelnen. In der letzten Saison fehlte uns dieser Team-Geist, diese Einstellung. Dass sich jeder in den Dienst der Mannschaft stellt. Jeder für jeden läuft. Wir hinterfragen uns da kritisch. Warum ist es nicht gelungen, Lukas zu integrieren? Vielleicht haben wir ihm zu viel zugemutet. Einfach zu sagen: Da musst du mit umgehen können, es wird schon, war sicherlich ein Fehler.

Hätten Sie Podolski die Steigerung in der Nationalmannschaft zugetraut?

MEIER: Ja. Das wird ihm Auftrieb geben. Er hat sich bei der WM das Selbstvertrauen geholt, das er für sein Spiel braucht. Deshalb wird er für den FC wieder wie ein Neuzugang zu werten sein.

Steht ein Verkauf des Spielers für Sie zur Debatte?

MEIER: Nein. Wir haben kein Angebot auf dem Tisch und würden uns damit aber auch nicht befassen, wenn es eines gäbe.

Welche Ziele verbinden Sie mit der kommenden Saison?

MEIER: Minimalziel ist es, am Ende der Saison vor Borussia Mönchengladbach zu stehen. Das nächste Ziel ist, Bayer 04 Leverkusen anzugreifen. Mit dem Abstieg wollen wir nichts mehr zu tun haben.

Bayer 04 Leverkusen angreifen? Die Mannschaft hat die Qualität, Deutscher Meister zu werden.

MEIER: Ja, das ist ein Verein, der uns sportlich und finanziell Lichtjahre voraus ist. Aber ärgern wollen wir sie auf jeden Fall. Man wächst ja mit seinen Zielen.

Gilt dieses Wachsen auch für Ihren Trainer Zvonimir Soldo? Hat er sich verändert, jetzt zu Beginn seiner zweiten Saison?

MEIER: Nein, er hat sich nicht verändert, auch wenn das jetzt behauptet wird. Das muss er auch gar nicht, wir sind sehr zufrieden mit Zvonimir Soldo. Mir imponiert, dass er auch bei größtem Gegenwind ruhig geblieben ist. Er hat uns über diese Ruhe die Kraft gegeben, entscheidende Spiele zu gewinnen. Außerdem hat er nie geklagt, nie Forderungen gestellt und kein Alibi gesucht. Er hat allerdings einen Lernprozess hinter sich, der ihn weiter gebracht hat für sein zweites Jahr in Köln.



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