Von Matthias Pesch, 21.07.10, 00:54h
In einer Zeit, in der die Kirche vielleicht die schwerste Krise ihrer jüngeren Geschichte durchmacht, will Florian Ganslmeier katholischer Priester werden. Im Mai wurde der Theologe zum Diakon geweiht, macht jetzt in Mettmann seine ersten Gemeindeerfahrungen, und der Termin für die Priesterweihe steht bereits: der 1. Juli 2011. Dass ein Priester längst nicht mehr als „Hochwürden“ allgemeine Wertschätzung erfährt, sondern bisweilen eher als Exot „mit dem Rücken zur Wand“ steht, dass die Katholiken „vermutlich immer mehr zu einer Minderheit“ werden - all das erschüttert den Seelsorger nicht. Im Gegenteil. „Ich will mich dafür engagieren, dass es nicht so kommt.“
Ganslmeiers Lebensweg führte keineswegs schnurgerade ins Priesterseminar. In Alfter bei Bonn geboren und aufgewachsen, „war das in der gesamten Schulzeit kein Thema für mich“. Er ist mit seinen drei Brüdern in einer katholischen Familie groß geworden, die Eltern waren in der Kirche engagiert, „sie haben uns vorgelebt, was ihnen wichtig ist im Leben“. Dass er selbst als Jugendlicher seine Zweifel an Kirche und Glauben bekam, „das wurde akzeptiert“. Vor allem über die Musik hielt die Beziehung zur Kirche: Ganslmeier ließ sich noch zu Schulzeiten zum nebenamtlichen Kirchenmusiker und Chorleiter ausbilden, spielte die Orgel in seiner Pfarrei.
Nach dem Abitur schrieb sich Ganslmeier in Bonn fürs Jurastudium ein. An der Uni bekam er Kontakt zu angehenden Theologen. Für den Studenten drängten existenzielle Fragen immer mehr in den Vordergrund: Was will ich mit meinem Leben machen? Wo finde ich Glück? Was sind meine Talente? Er redete mit Freunden und Verwandten über die Idee, Priester zu werden. Viele spiegelten ihm wider, dass er gut zuhören könne, dass er „tief schaue“ und sensibel sei für das, was Menschen bewege. Keine ganz schlechte Voraussetzung für jemanden, der sich die Sorge um das Wohl der Menschen zur Aufgabe machen will.
Nach dem ersten Jura-Examen ging Ganslmeier noch für zwei Jahre nach Münster und studierte Kirchenrecht. „Ich wollte mir erst noch beide Türen offen halten“, sagt der Seelsorger.
Dass er sich dann doch für den Priesterberuf entschieden hat, „das war kein Blitzeinschlag, kein einschneidendes Berufungserlebnis, sondern das Ende eines Weges“. Kern seiner Motivation sei die persönliche Glaubenserfahrung gewesen, „von Gott geliebt zu sein“, sagt der Diakon. Er verstehe sein Priesteramt „als Antwort auf diese Gottesliebe“ - mit dem Auftrag, diese Botschaft an andere Menschen weiterzugeben.
Der Diakon weiß, was das Leben als Priester an Herausforderungen mit sich bringt: „Priester-Werden ist nichts für Mitläufer“, sagt er. Er hat es hundertmal durchdacht: Ob er mit der Ehelosigkeit klar kommt, mit der Einsamkeit im Pfarrhaus. „Nach den vielen Jahren der Vorbereitung sind wohl die meisten Fallgruben bekannt, auch durch die Diskussionen der letzten Jahre“, sagt Ganslmeier.
Ein Priester, fügt er hinzu, dürfe „kein passionierter Junggeselle“, müsse vielmehr eine „durch und durch beziehungsfähige Person“ sein. Der Zölibat aber sei ein „Stachel im Fleisch“, der beim Anblick jeder schönen Frau immer wieder die Frage provoziert: „Ist Christus mir das noch wert?“ Daher kommt es für Ganslmeier ganz entscheidend darauf an, dass „meine Beziehung zu Gott so intakt ist, dass sie das aufwiegt“. Eine Beziehung, die durch das Gebet gepflegt wird, denn „ein Priester, der nicht betet, ist eine absurde Existenz“.
Florian Ganslmeier sagt von sich, dass er ein geselliger Mensch sei. „Ich koche gerne, lade gerne Freunde ein, dadurch bleibt man auf dem Teppich.“ Aber er hat auch kein Problem damit, mal allein zu sein. Der Diakon besitzt keinen Fernseher, die ruhigen Abendstunden, in denen er lesen oder Musik hören kann, „das ist für mich eine wertvolle Zeit“. Und wenn ihm dann doch mal die Decke auf den Kopf falle, „dann muss ich das eben aushalten und der Sache auf den Grund gehen, was da nicht stimmt“. Wer nicht mit sich allein sein könne, da ist sich Ganslmeier sicher, „der hält sich selbst nicht aus und hätte es in einer Beziehung genau so schwer“.
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