Von Gisela Schwarz, 21.07.10, 17:17h, aktualisiert 23.07.10, 12:32h
Von Samstag, 31. Juli, bis Sonntag, 8. August, spielen Solisten, Dozenten und Kursteilnehmer in insgesamt neun Konzerten Karlheinz Stockhausens Werke von „Mikrophonie I“ bis zu Teilen aus „Klang“ in der Sülztalhalle. „Eine Stunde vor jedem Konzert erklären wir für Laien das jeweilige Abendprogramm - nicht analytisch, wir erzählen von den Besonderheiten der Kompositionen“, berichtet Pasveer. Und diese werden nicht etwa von Musikwissenschaftler erläutert, sondern von den Musikern, die auch von den Proben berichten, von Naturwissenschaftlern und einem Theologen.
Dabei suchen die Macher der Stiftung nach Wegen, die zeitgenössischen Kompositionen für Synthesizer in Verbindung mit Sing- und Sprechstimmen, Percussions-Instrumenten wie Tamtam, Schlagzeug, Blasinstrumenten für jedermann erlebbar zu machen. Angesprochen werden auch Schulen und Vereine. Vor kurzem waren die Jugendlichen einer Kölner Schule tief beeindruckt von einem Besuch in der Wohnstatt in Hachenberg, wo sie ganz nah an Stockhausens Leben und Musik herangeführt wurden.
Das ist ganz im Sinne des vor zweieinhalb Jahren gestorbenen Komponisten, der als einer der bedeutendsten des 20. Jahrhunderts gilt. „Stockhausen hat immer gesagt: Am besten macht man die Augen zu beim Klang. Die Fantasie bringt den einzelnen Menschen auf eine innere Reise - da ist alles gleich wichtig“, berichtet die Dozentin. Stockhausen habe schon zu Lebzeiten den Kontakt und die Vermittlung seines Werkes an die Mitmenschen gesucht. „Es gab immer Berührungsängste, Ehrfurcht vor dem Genie“, weiß Kathinka Pasveer. „Aber er war ein richtig bergischer Mensch, der anderen die bergische Mundart beigebracht hat. Doch er hat auch gesagt: »Ich muss erst sterben, dann werden sie kommen und verstehen.«“
Wie ein Kind sei er gewesen, habe seine Visionen immer mit viel Spaß am Experimentieren verwirklicht, den Klang des Helikopters und Alltagsdinge in Musik umgesetzt. Geträumt habe er von einem kleinen Raum, in dem die ganze elektronische Technik permanent von fünf Uhr früh bis 22 Uhr abends für ungefähr 40 Menschen zu hören sei - im Dunkeln. „Aber das kann niemand finanzieren“, bedauert die Weggefährtin des großen Komponisten.
Im Probenraum in Halstenbach ist zwar die ganze Technik vorhanden, aber öffentliche Veranstaltungen dürfen dort nicht stattfinden. „Hier ist die Stätte der Ausbildung“, sagt Pasveer. Sie und ihre Mitinitiatoren seien sehr glücklich über den Einsatz der Kürtener: „Die Gemeinde ist rührend bemüht, uns zu unterstützen. Das ist nicht selbstverständlich.“ Im Schulzentrum stehe nicht nur die Sülztalhalle mit ihrer ausgezeichneten Akustik für die Konzerte zur Verfügung, sondern auch Räume für die Proben.
Immer noch ist der Gedanke an den Tod des Komponisten schmerzhaft, aber der Blick in die Zukunft stimmt zuversichtlich: „Als er starb, wussten wir nicht, ob das Werk bleibt. Jetzt fühlt sich jeder von uns verantwortlich, gibt sein Bestes. Die Musik lebt auch ohne ihn.“ Wenn sie in aller Welt die Kompositionen aus den verschiedenen Schaffensperioden aufführten, kämen 1000 bis 2000 Besucher, sagt Kathinka Pasveer. In Kürten wäre sie schon mit 500 Gästen zufrieden. „Es gibt Familien in Kürten, die kommen immer wieder, auch mit den Kindern. Und auch die Kursteilnehmer bringen sie immer wieder bei sich unter.“ Stockhausen und die Menschen im Bergischen - da gibt es schon jetzt kein Fremdeln mehr.
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