Von Walter Willems und Claudia Lehnen, 26.07.10, 08:19h, aktualisiert 26.07.10, 08:22h
Die Chemnitzer Forscher ließen für ihre Untersuchung 21 Personen im Alter von 57 bis 77 Jahren Dutzende verschiedene Produkte auspacken. Erschreckendes Resultat: Lediglich drei der insgesamt 35 Verpackungen konnten von allen Probanden geöffnet werden. Sieben Waren blieben für rund ein Drittel der Teilnehmer unzugänglich.
Als besonders knifflig erwies sich ein Päckchen Hefe. Das Lebensmittel war derart eingeschweißt, dass 78 Prozent der Probanden es nicht öffnen konnten. Bei jedem zweiten Produkt brauchten die Teilnehmer zum Auspacken länger als eine halbe Minute.
Derartige Probleme sind nicht nur ärgerlich, sie können auch gefährlich werden. Häufig greifen die Konsumenten in ihrer Verzweiflung zu Hilfsmitteln wie etwa Messern, mit denen sie sich verletzen können. Nicht selten enden solche Abenteuer im Krankenhaus, wie die Chemnitzer Forscher betonen.
Bei Getränken erwies sich neben dem Öffnen auch das Ausgießen als schwierig. Bei manchen Verschlusssystemen vergossen fast zwei Drittel der Versuchspersonen die Flüssigkeit. „Die Schuld bei Problemen ist nicht bei den Konsumenten zu suchen“, betont der Forscher Frank Dittrich. „Hersteller achten bei der Entwicklung ihrer Produktverpackungen oft unzureichend auf Bedürfnisse und Fähigkeiten der verschiedenen Verbraucher. Auch wenn der Weg zur kundenorientierten Verpackung von den Herstellern schon längst beschritten wurde, sind viele Probleme zu finden, die teilweise schon in Studien vor 30 Jahren bemängelt wurden.“ Als klassisches Beispiel nennt Dittrich Schraubverschlüsse wie etwa von Gurkengläsern, die sich nur mit viel Kraft öffnen lassen. Dass derartige Schwierigkeiten auch den Absatz der Waren schmälern können, zeigt eine Umfrage der Forscher: Demnach achten fast 40 Prozent der Befragten beim Kauf darauf, wie gebrauchstauglich eine Verpackung ist. „Hersteller sollten deshalb nicht reagieren, sondern agieren und die Gebrauchstauglichkeit von Produktverpackungen als Wettbewerbsfaktor für sich nutzbar machen“, so Dittrich
Winfried Batzke, Geschäftsführer des deutschen Verpackungsinstituts sieht den Kunden nicht nur als Opfer. „Die Industrie legt großen Wert auf benutzerfreundliche Verpackungen. Verbraucher sind aber nicht bereit das zu bezahlen“. Für fast alle Verpackungsschwierigkeiten gebe es Lösungen. Durchsetzen könnten sich diese meist teureren Designs aber nur, wenn der Käufer bereit wäre, mehr für das gleiche Lebensmittel zu bezahlen. Beispiel Milchkartons. Aufschneiden, abreißen, eindrücken, kleckern. Es gibt da die verschiedensten mehr oder weniger befriedigenden Lösungen. Ein einfacher Öffnungsmechanismus, der sich beim Drehen in den Karton einschneidet, würde die Sache nach Meinung von Batzke ein für alle mal lösen. „Wurde schon erfunden, hat sich aber nicht durchgesetzt, weil das eben etwas teurer ist. Und der Verbraucher ist nicht bereit für den gleichen Liter Milch ein paar Cent mehr zu bezahlen.“
Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass bei höheren Lebensmittelpreisen auch bessere Verpackungen drin sind. „In Dänemark zum Beispiel geben die Menschen sehr viel mehr Geld für Essen aus. Da gibt es dann auch cleverere und ansprechendere Verpackungen. Einige Milchkartons haben dort ein Fenster, durch das man sehen kann, wie viel noch drin ist. Auch als Dosierhilfe ist das praktisch.“ Aber Karton aufschneiden, transparente Folie einkleben - das kostet Geld, erhöht den Preis des Produkts.
Und manche Dinge, sagt Batzke sind auch deshalb derart fest eingeschweißt, damit man sie schlecht aufkriegt. Verpackung sozusagen als Diebstahlschutz. „Der Computerchip soll nicht so einfach aus der aufwändigen Plastikverpackung rausgeholt werden. Schließlich könnte man den ausgepackten Chip viel besser stehlen als die große Packung.“
Natürlich könnte man Gurkengläser mit Öffnerhilfe anbieten, die den Drehmoment veränderten und dadurch auch mit geringem Kraftaufwand geöffnet werden könnten. Wäre aber teurer, weil die Gläser dann schlechter gestapelt und weniger platzsparend transportiert werden könnten. Und was tun dann die Senioren, die am Gurkenglas scheitern? Messer, Gabel und andere gefährliche Werkzeuge in der Schublade lassen und sich einen Gurkenglasöffner kaufen.
Haben Sie Tipps, wie man schwierige Verpackungen wie eingeschweißte CDs, Gurkengläser oder Ähnliches leicht öffnen kann? Über einen Brief ein Fax mit dem Betreff "Verpackung" oder eine E-Mail freuen wir uns:
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