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FC-Techniktrainer

Lernen wie Lothar Matthäus

Von Stephan Klemm, 22.07.10, 20:35h, aktualisiert 23.07.10, 09:57h

Im mittlerweile fünften Jahr arbeitet Thomas Häßler, als Spieler eine tragende Säule der Weltmeister-Elf von 1990, als Technik-Coach in Köln. Auch im laufenden Trainingslager ist er für das Feintuning der FC-Kicker zuständig.

Thomas Häßler
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Thomas Häßler. (Bild: Dahmen)
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Thomas Häßler. (Bild: Dahmen)
TRÖPOLACH - Auf einer Kiste mit Getränken sitzt Thomas Häßler am Spielfeldrand, gedankenverloren. Gleich beginnt ein Testspiel des 1. FC Köln gegen Al-Hilal aus Saudi-Arabien, alles entspannt, alles gemütlich, doch plötzlich wird Häßler aufgeschreckt. Der Stadionsprecher fragt: „Wer hat beim Abschiedsspiel von Lothar Matthäus das Trikot von Diego Maradona bekommen?“ Und weiter: „Der Mann ist hier. Bei uns. Im Stadion des SC Hermagor.“ Dort also, wo der 1. FC Köln im Rahmen seines Kärntner Sommer-Übungslagers spielt und trainiert. Das Quiz ist auf dem Höhepunkt: „Der Mann ist Weltmeister. Es ist Thomas Häßler.“ Häßler (44), schwarzes T-Shirt, schwarze Sporthose, ist längst aufgestanden, nun winkt er - und 611 Zuschauer jubeln ihm am Mittwochabend zu. Den Techniktrainer des FC hat das sehr gefreut, er sieht sich ja nur noch in einer Rolle am Rande: „Das war toll. Und ein schönes Gefühl, dass sich die Leute an mich erinnern.“ Weltmeister bleibt Weltmeister, „das vergessen die Leute nicht“.

Auch der 1. FC Köln hat seinen 90er-Champion nicht vergessen. Und auch nicht, wofür das Spiel des Thomas Häßler steht. Seit fast vier Jahren ist er nun - mit einer kurzen Unterbrechung - für die Feinjustierung der Kölner Spieler zuständig. Er sagt: „Jeder kann sich technisch verbessern. Immer.“ In Köln betrifft das auch die gesetzten Verteidiger Pedro Geromel und Miso Brecko. „Pedro muss sein Passspiel verbessern, das muss härter kommen, genauer.“ Mit Brecko übt Häßler Flanken: „Immer wieder. Da muss er durch.“

Häßlers Auftrag ist es, vor oder nach dem Training „zwei- bis dreimal die Woche die technischen Defizite der Spieler zu beseitigen, also Schüsse, Flanken, Pässe, Dribbling, Körpertäuschungen und Freistöße“ zu üben. Es sei ja nicht zu viel verlangt, mal eine Stunde länger zu trainieren. Zumal es ja auch ein klassisches Beispiel gibt, das Häßler seinen Schülern immer wieder zitiert: „Lothar Matthäus hat erst mit 32 Jahren das Spiel mit dem linken Fuß gelernt, das hat ihm Giovanni Trapattoni beigebracht. Zuletzt hat Lothar 50-Meter-Pässe mit links in den Fuß spielen können.“ Die Botschaft: Niemand ist zu alt, um zu lernen.

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Auf diese Form der Technikschulung setzen längst nicht alle Bundesligisten, für Häßler ist das ein Rätsel. Kölns Trainer Zvonimir Soldo jedoch schätzt Häßlers Arbeit sehr: „Thomas ist ein überragender Techniker, ich höre gerne seine Meinung über die Spieler.“ Soldo teilt Häßlers Einschätzung: „Verbessern kann man sich immer. Dafür brauchen wir Thomas Häßler. Er ist Weltmeister, das spricht für ihn.“

Weltmeister. Häßlers stechend blaue Augen werden von diesem Wort angeknipst, sie leuchten. „Das ist natürlich eine Sache, die ist großartig. Wir sind ja die letzten, die es für Deutschland geschafft haben“, sagt Häßler. Manchmal ist das auch mit schönen Überraschungen verbunden. Vor einer Woche zum Beispiel gab es ein Ehemaligen-Treffen im Schwarzwald. „Da erinnert man sich sofort an die alten Zeiten, so als wäre es gestern gewesen. Aber mein Gott: 20 Jahre sind das schon, unglaublich.“ Doch es ist eben weiterhin so, dass sich die Leute an ihn erinnern, nicht nur in Hermagor, sondern auch in Schottland. Dort sollte Häßer in der kommenden Saison als Cheftrainer des FC Kilmarnock anfangen. Doch er hat abgesagt.

In Kärnten ist Häßlers filigrane Technik-Welt am Mittwochabend allerdings mit einer rustikalen Rauferei konfrontiert worden. Kölner Spieler rangelten aus nichtigem Anlass mit ihren Gegnern aus Saudi-Arabien und umgekehrt: „Vielleicht war es zu heiß. Aber so etwas ist unnötig. Das braucht niemand.“ Am Tag nach dem 0:0 in einem wenig aufschlussreichen Test gegen Al-Hilal hat Soldo ein Entspannungsprogramm zum Herunterfahren des Testosterons verordnet: Radfahren an der Gail, einem Fluss in den Kärntner Bergen. „Gute Ablenkung. Das war auch gut für das Teambuilding“, findet Häßler.

Den Dress von Diego Maradona hat er übrigens immer noch, daheim in einer Kiste mit etwa 80 weiteren gesammelten Tauschobjekten aus seiner Karriere. Damals, vor zehn Jahren bei Matthäus' Abschiedsspiel, war es so: „Auf einmal kommt Maradona zu mir und fragt, ob er mein Trikot haben kann. Ich habe ja gesagt.“ Dahinter stand ganz bestimmt ein doppeltes Motiv für Maradona: Die Erinnerung an Häßler. An Häßler, den Weltmeister.



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