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Mittelalter-Spektakel

Von Odin-Trunk und Duivelspack

Von Clemens Schminke, 25.07.10, 19:25h

Rund 20.000 Besucher trafen sich am Fühlinger See zum „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“. Sie schlüpften in die Rolle von Kreuzrittern, Elfen, Händler oder Marktfräulein.

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Ein Burgfräulein hält Kontakt mit der Moderne. (Bild: Worring)
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Ein Burgfräulein hält Kontakt mit der Moderne. (Bild: Worring)
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Alt und Jung sind in den Zelten untergebracht, die auf dem Festivalgelände ein großes Lager bilden. (Bild: Worring)
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Das Duo Rapunxl zeigt Akrobatik am Seeufer. (Bild: Worring)
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Fühlingen - Friedlich qualmen die Holzscheite der Feuerstelle, über der ein Kessel hängt. Es ruhen Streitaxt und Schwerter. In einem der vier Zelte, die das Heerlager der Gruppe „Der Kreutzritter“ am Fühlinger See bilden, zeigt Hans Nitschke, was zu seiner Rüstung gehört. Darunter ein Helm mit Nackenschutz und ein 15 Kilogramm schweres Kettenhemd. Vor einem Jahr hat der 46-Jährige, der in Bonn computergesteuerte Maschinen bedient, seinen Trupp gegründet, der vor allem aus Familienmitgliedern besteht. „Wir sind ein bunter Haufen auf dem Weg vom Heiligen Land zurück nach Hause“, beschreibt er die Fiktion des spielerischen Treibens. Die Nähe zur Burg Satzvey habe sein Interesse am Mittelalter geweckt, dazu komme die „Lust am Verkleiden“. Die Angehörigen machen gerne mit - vom Bruder, der ebenfalls einen Ritter darstellt, bis zu den Töchtern, die als „Elfe“ und „Marktfräulein““ daherkommen.

Ob „Kreutzritter“, „Circulus Amicorum“ oder „Peregrinus Nobilis“ - sie alle nahmen teil am „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“, das Samstag und Sonntag zum sechsten Mal am Fühlinger See gastierte. Die Veranstalter nennen es „das größte reisende Mittelalter-Kultur-Festival der Welt“. Das Programm war noch umfangreicher als sonst, und es kamen nach kontinuierlicher Steigerung in den Vorjahren rund 20 000 Besucher.

Auf zwei großen Wiesen am Wasser ist mit Zelten, Buden, Bühnen und einem Turnierplatz eine Szenerie entstanden, die das Leben im 13. Jahrhundert beschwört. Zu den mehr als 100 Händlern und Handwerkern, die zeitgemäß in Talern abrechnen, kommen 1200 Darsteller, die als Fürsten, Heerführer und Herolde, Söldner, Bogenschützen und Knappen ausstaffiert sind. Viele Besucher schlendern gleichfalls verkleidet über die Anlage; dabei lässt sich manch einer eher der „Gothic“-Szene zuordnen. „Gott zum Gruße“ heißt es, und zum Abschied „Gehabt euch wohl“.

Im Gegenzug dafür, dass die „Kreutzritter“ kostenlos lagern dürfen, haben sie wie auch die anderen Gruppen an den Burgerstürmungen auf dem Turnierplatz teilzunehmen. Dort werden auch Greifvogelschau, Ritterturniere und Fechtkämpfe geboten. Alle naselang herrscht Kurzweil. Hier zeigt das Akrobaten-Duo Rapunxl eine Vertikalseil- und Trapezshow, dort Meister Rafftan seine Fakir-Künste, anderswo ist das Stelzentheater „Die Feuervögel“ unterwegs. Eine Frau mit Rasta-Frisur arbeitet an einem Spinnrad, beim „Magiervolk zu Hamburg“ werden Karten gelegt und Runen gedeutet, allenthalben sind Schwerter, Säbel und Dolche zu erwerben, und wer seinen Durst löschen möchte, kann dies etwa in der „Drachenschänke“ mit Raubritterbier, Odin-Trunk oder Met tun.

Was ist interessant daran, ein Burgfräulein-Gewand zu tragen, Gauklern zuzusehen und Musik von Bands wie Duivelspack, Saltatio Mortis und Vermaledeyt zu hören? „Es ist so schön altmodisch“, sagt Manuela Müller (23), in langem Gewand und mit geflochtenem Haar. „Damals haben einen die Herren noch bedient.“ Ihr Begleiter Martin Gomolla (25) steht als Landsknecht neben ihr, mit Barett und schwarzem Wams. Frank Thiele (41), der eine Wikinger-Gruppe mit- gegründet hat, spricht vom „Spaß an der Geschichte“ und dem „Zusammenhalt unter den Leuten“. Deshalb zieht es ihn zu solchen Treffen, zum Mittelaltermarkt in Leverkusen, zum Hexentanzfestival im Saarland - oder zum Spectaculum in Fühlingen.



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