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Überraschung

Bundespräsident auf dem Podium

Von Jürgen Oehler, 11.07.10, 13:23h, aktualisiert 11.07.10, 13:29h

Die Analyse übernimmt jetzt das Staatsoberhaupt - als wäre Jung-Bundespräsident Christian Wulff eigentlich auch der DFB-Präsident. Doch mancher fragt sich: Was macht der denn da? Anstoß - der Kommentar auf ksta.de

Wulff
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DFB statt Bundesadler: Bundespräsident Wulff in Südafrika (Bild: dpa)
Wulff
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DFB statt Bundesadler: Bundespräsident Wulff in Südafrika (Bild: dpa)
Upps, wer sitzt denn da auf dem Podium - bei der Morgen-Pressekonferenz nach dem glorreichen 3:2-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Uruguay? Na klar, unser neuer Lieblings-Trainer Löw und der echte Kapitän Lahm und der gefühlt echte Kapitän Schweinsteiger. Und dieser rundliche ältere Herr - na, wie heißt er doch gleich? -, Fuffziger? Ach nein, Zwanziger. Er ist Präsident vom DFB und gehört da wohl auch hin bei so einer Pressekonferenz.

Aber da sitzt noch jemand. Und der jemand legt gleich richtig los. Analysiert wie Waldemar Hartmann über Engagement, Leistung, den tollen Löw, das Durchschnittsalter und überhaupt über diese sagenhafte Truppe, die so fantastisch Fußball spielt. Und das ist: Tusch! Unser neuer Bundespräsident. Ganz eloquent hat Christian Wulff das Rampenlicht entdeckt, das sich da wie ein Glücksfall für jemanden auftut, der ein bisschen Zustimmung des Volkes gut brauchen kann. Schon bei der Siegerehrung nach dem erkämpften dritten Platz schien er mit langen Monologen den einen oder anderen Spieler vom zügigen Empfang der Medaille fernzuhalten, um sich auch noch ein bisschen Sonnenschein im Abendregen von Südafrika zu gönnen.

Doch bei dieser Pressekonferenz setzt er nach dem Motto "Mittendrin statt nur dabei" noch einen langen Vortrag drauf. Das Signal an alle Deutschen: Unser Bundespräsident ist ein Fußballfachmann, der es mit jedem Stammtisch aufnimmt, selbst dann, wenn Ex-Kanzler Schröder daran säße. Was bedeutet also seine Anwesenheit im Zirkel der kickenden Zweibeiner? Eine Anbiederung der ganz peinlichen Sorte. Denn so ganz nebenbei wirft Wulff dann auch noch mit dem herum, was er in der Schatulle als Bundespräsident hat. Das "Silberne Lorbeerblatt" für unsere Kicker und das Bundesverdienstkreuz für unseren Trainer Löw. Aber Fußballinteresse scheint im Trend bei Staatsoberhäuptern zu liegen, mischte sich doch auch der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan verbal massiv ins Fußballgeschehen ein. Allerdings hatte der nichts Positives zu melden wie unser Strahlemann Wulff.

Wie klug zurückhaltend und nett wirkt vor diesem ärgerlichen Medienauftritt des Bundespräsidenten doch die Kanzlerin, die sich ehrlich freut über die Nationalmannschaft und nur ganz wenig sagt, wenn sie zum Fußball gefragt wird - als wäre es einfach eine Privatsache.



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