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Familiendrama

Vater wirft sich mit Sohn vor den Zug

Von Ralf Rohrmoser-von Glasow, 13.07.10, 14:01h, aktualisiert 13.07.10, 18:53h

Ein Mann hat sich am Dienstagmorgen auf der ICE-Strecke bei Königswinter mit seinem zwei Jahre alten Kind auf die Gleise gestellt und wurde von dem Zug in den Tod gerissen. Offenbar hatte er zuvor seine Frau getötet.

ICE Unglück
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Über 600 Fahrgäste warteten nach dem Unglück in Siegburg. (Bild: rvg)
ICE Unglück
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Über 600 Fahrgäste warteten nach dem Unglück in Siegburg. (Bild: rvg)
KÖNIGSWINTER/SIEGBURG - Einer Familientragödie sind am Dienstagvormittag drei Menschen zum Opfer gefallen. Ein 36 Jahre alter Mann aus Sankt Augustin hat nach den derzeitigen Erkenntnissen der Mordkommission und der Bonner Staatsanwaltschaft zunächst seine 39 Jahre alte Frau getötet. Polizeipressesprecher Harry Kolbe sprach von Verletzungen am Oberkörper. Offenbar wurden aber weder ein Messer noch eine Schusswaffe benutzt. Danach fuhr er mit dem Familienauto an die ICE-Strecke Frankfurt / Köln. In Höhe von Königswinter stellte er das Fahrzeug an einem Wirtschaftsweg ab und ging mit seinem zweieinhalb Jahre alten Sohn auf die Gleise. Der ICE 614 erfasste die beiden bei Tempo 300. Sie waren auf der Stelle tot.

Papiere des Toten und der abgestellte Wagen halfen bei der Identifizierung. Als die Polizisten die Angehörigen benachrichtigen und weitere Recherchen unternehmen wollten, machten sie in der Wohnung des Paares eine schrecklichen Entdeckung. Die Ehefrau des 36-Jährigen lag tot in der Dachgeschoss-Wohnung des Vier-Parteienhauses in Hangelar.

Die Hintergründe des Dramas sind noch offen. Die Bonner Mordkommission und die Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen übernommen. Die Kriminalisten haben die Spuren in den Räumen gesichert, bevor der Leichnam der Frau in die Rechtsmedizin gebracht wurde.

Die Nachbarn der Familie sind schockiert. „Es ist unfassbar“, sagt eine Frau, die Familie habe glücklich, harmonisch und zufrieden gewirkt. Mutter und Sohn hätten dem Vater, der als Techniker arbeitete, jeden Morgen zum Abschied gewunken. Die Ehefrau war als Erzieherin tätig, im Mutterschutz betreute sie die Kinder aus der Nachbarschaft.

Das Viertel ist ruhig und beschaulich, die Menschen kennen sich. Ein Nachbar erzählt, dass der Familienvater am Sonntag noch beim Public Viewing der Fußball-WM dabei war. Seit rund vier Jahren wohnte das Paar in Hangelar, die drei seien beliebt gewesen und der Junge habe oft auf der Straße vor dem Haus gespielt.

Der Unglückszug blieb nach dem Unglück mitten auf der Strecke stehen; rund 600 Fahrgäste mussten knapp zwei Stunden ausharren, bis ein Ersatzzug kam.



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