Erstellt 20.07.10, 16:57h
NORBERT BLÜM: Mir geht’s gut. Ich kann Ihnen mit Jammern nicht dienen. Man muss sich davor bewahren, ein alter, knotternder Knochen zu werden.
Mit 75 hat man schon mal ein Zipperlein.
BLÜM: Ich bin noch verwendungsfähig.
Keine ernsthaften Beschwerden?
BLÜM: Nein. Da habe ich Glück gehabt. Das ist nicht mein Verdienst.
Ist das nur Glück?
BLÜM: Das ist 90 Prozent Glück und zehn Prozent: Stress hält jung. Ich setz' mir immer noch Ziele. Man darf sich nicht hängen lassen! Man muss neugierig bleiben!
Woran arbeiten Sie?
BLÜM: Ich bin nach wie vor bei der Kindernothilfe im Einsatz, weltweit. Und dann verwalte ich im Sommer einen Lehrstuhl für Philosophie in Aachen. Da habe ich am Mittwoch meine letzte Vorlesung.
An Ihrem Geburtstag?!
BLÜM: Ich bin ja von der Stechuhr erzogen. Pflicht ist Pflicht.
Wann ist die Vorlesung?
BLÜM: 17.45 bis 19.15 Uhr.
Da bleibt ja gar keine Zeit zum Feiern.
BLÜM: Vorher nicht. Nachher werde ich mit meiner Familie noch ein Bier trinken oder Essen gehen. Wir machen keine Festspiele.
Warum nicht? Keine Lust?
BLÜM: Für Weihrauch bin ich nicht so geeignet.
Rechnen Sie mit einem Anruf Ihrer Vorsitzenden?
BLÜM: Ich rechne mit gar nichts. Ich brauch's auch net. So wichtig bin ich ja net. Es gibt für eine Kanzlerin Wichtigeres, als mir zu gratulieren.
Welche politischen Freunde sind Ihnen geblieben?
BLÜM: Ich habe mehr Freunde auf dem Friedhof als vor dem Friedhof. Heiner Geißler ist noch da, der Jagoda ist noch da, der Seehofer ist noch da. Das ist die alte Truppe, die noch am Leben ist.
Den Seehofer halten in Berlin viele für einen Hallodri.
BLÜM: Für mich ist er immer noch ein Mann, der Sinn für Proportionen des Sozialstaates hat. Der Sozialstaat ist nichts für Luftikusse.
Heiner Geißler sagt, er wäre gern Bundespräsident geworden. Sie auch?
BLÜM: Nein, das wär' nichts für mich.
Sie haben sich über die Spendenaffäre mit Helmut Kohl zerstritten. Ist Versöhnung noch möglich?
BLÜM: Das gehört zu den schmerzlichen Erfahrungen. Die kann ich allerdings nicht ausradieren. Ich halte Helmut Kohl nach wie vor für einen großen Staatsmann. Aber ich kann nicht sagen, dass sein Verhalten mit den Spendern richtig wäre. Was falsch ist, ist falsch. Da kann ich nicht die Augen davor zumachen. Da gibt's auch keinen Kompromiss. Das Gesetz sagt klar, was zu machen ist – nämlich die Spender-Namen zu nennen.
Hat es nochmal ein Gespräch gegeben zwischen Ihnen?
BLÜM: Nein.
Wann haben Sie das letzte Mal gesprochen?
BLÜM: Als die Fraktion beschlossen hat, dass er den Ehrenvorsitz niederlegen soll, habe ich ihn angerufen. Da hat sein Büro gesagt, dass er zurückruft. Auf den Anruf warte ich. An mir scheitern Gespräche nicht.
In der NRW-CDU kehren jetzt wieder ähnliche Zustände ein wie zu Ihrer Zeit. Betrübt Sie das?
BLÜM: In meiner Zeit haben wir die alten Grabenkämpfe zwischen Rheinländern und Westfalen stillgelegt. Und den Laden nach einem Sieg zusammenzuhalten, ist natürlich leichter. Aber Opposition und Machtwechsel gehören zur Demokratie. Jetzt wird ein anderes Spiel angepfiffen. Tore werden nach Spielschluss nicht mehr geschossen.
Welchen Rat haben Sie für Jürgen Rüttgers?
BLÜM: Ein Amt zu verlieren heißt ja nicht, von der Welt weg zu sein. Das Leben geht weiter. Es besteht nicht nur aus Türschildern und Ämtern. Ich rate ihm nicht, sich zurückzuziehen und auf der Parkbank Platz zu nehmen, sondern mitzumachen – allerdings in anderer Rolle. Er hat jetzt den Vorteil, sich die Themen frei suchen und sich zu Wort melden zu können.
Der CDU geht im Moment ein Ministerpräsident nach dem anderen abhanden.
BLÜM: Jahrelang habe ich gehört, die Politiker würden an ihrem Sessel kleben und sie wären in die Macht verliebt. Jetzt gehen sie vom Sessel weg – und dann ist es auch nicht richtig. Zur Politik gehört die Freiheit der privaten Entscheidung. Auch ein Politiker hat Kündigungsrechte. Zu meinem Verständnis gehört, dass einer sagen kann: Es langt jetzt.
Wie ist Ihre Bilanz mit 75?
BLÜM: Ich hatte das Glück, in einer großen und spannenden Zeit Politik zu machen – ohne Krieg, ohne Zusammenbrüche. Bei der deutschen Einheit war ich mit auf dem Bau.
Bereuen Sie was?
BLÜM: Ich bin nicht fehlerlos. Ich habe den Kündigungsschutz gelockert in der Erwartung, dass mehr Leute eingestellt werden. Da bin ich einer Illusion zum Opfer gefallen. Selbstzufrieden bin ich nicht. Aber ich muss mein Licht auch nicht unter den Scheffel stellen.
Mit 75 rückt der Tod noch einmal näher. Haben Sie Angst?
BLÜM: Ich weiß, dass er kommt. Aber ich ertrag es ohne Schrecken, weil ich überzeugt bin, dass das nicht das Ende ist von allem. Wenn es das Aus wäre, wäre es ein kaum erträglicher Gedanke. Wie das Ende ist, weiß ich auch nicht. Aber dass es weitergeht, daran glaube ich fest.
Das Gespräch führte Markus Decker
Man hat den Eindruck, Herr Blüm...
22.07.2010 | 07.21 Uhr | michaschreibt
...ist wirklich so naiv, wie er sich gibt. Möge es ihm auf Staatskosten mit einem fetten Ruhegehalt als Ex-Minister auch gut gehen, was ich ihm…
Ich wünsche ihm..
22.07.2010 | 06.44 Uhr | R.Klein
..nachträglich alles Gute zum Geburtstag.
Möge er sich weiter die Kraft haben, seine Stimme gegen den Abriß des noch vorhandenen Sozialstaates…
Der Lügner Norbert Blüm...
21.07.2010 | 17.56 Uhr | Terror.Sommer
... salbaderte 16 Jahre lang unter Kohl: "Die Rendee is sischäär!"
Nichts war und ist sicher! Norbert Blüm, der jetzt einen auf Gutmensch macht, ist…
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