Erstellt 21.07.10, 13:12h, aktualisiert 22.07.10, 13:40h
"Besonders beliebt ist der Service Foursquare: eine Mischung aus Social Community, Stadtbesichtigung und Freundefinder", sagt Christine Faßnacht vom IT-Verband BITKOM in Berlin. Bereits mehr als eine Million Nutzer verzeichnet der Dienst seit seiner Gründung im März 2009. "Zum Vergleich: Twitter benötigte zwei Jahre, um auf diese Anzahl zu kommen", sagt Social-Media-Experte Krömer. In Deutschland entstehen mit Qiro und Friendticker ähnlich konzipierte Angebote.
Bei Diensten wie Foursquare können die Nutzer Orte empfehlen oder Treffen verabreden. "So kann man zum Beispiel mit Hilfe eines 'Geosocial Networks' das nächste Konzert, Restaurant oder den angesagtesten Club in der Nähe finden", erklärt der Netzwerkexperte. Oder ganz banal: "Man kann einfach gucken, wo die eigenen Freunde gerade sind."
Bei Foursquare oder Gowalla muss der Nutzer mit einem Smartphone aktiv seinen Standort publik machen - "einchecken" lautet die Devise. Mit Hilfe einer Handy-App oder über eine mobile Website wird der Aufenthaltsort an die Community übermittelt und ist dann auf einer Karte sichtbar. Das Besondere liegt laut Krömer in den Features: "Zusätzlich können Anwender Meinungen oder zusätzliche Informationen hinterlassen, wie zum Beispiel zu einer Kneipe oder einem Museum."
"Location Based Networks sind oft spielerisch gehalten", erklärt Faßnacht vom BITKOM. "Bei Foursquare können Nutzer Punkte sammeln und so virtuelle Wimpel ("Badges") gewinnen. Natürlich dient das auch der Selbstdarstellung." Weitere Gimmicks wie Preise oder Ehrentitel sollen Anwender anspornen, sich immer wieder an denselben Orten einzuloggen.
Wem das ständige Einchecken zu umständlich ist, kann auf weitere Angebote ausweichen. "Andere Netzwerke aktualisieren den Standort der User automatisch, indem sie auf GPS-Daten des mobilen Endgeräts zurückgreifen oder die Position der Nutzer anhand der Signale der jeweils vom Handy genutzten Mobilfunkantennen berechnen", erläutert Experte Krömer.
Google Latitude verwendet zum Beispiel dieses Verfahren. Dabei können Anwender aber auch die Onlinepräsentation des Ortes selbst festlegen, wie Stefan Keuchel von Google in Hamburg erklärt: "Man kann den genauen Standort, nur die Stadt, in der man sich aufhält, oder eine aktuelle Eingabe angeben."
Gespannt wartet die Konkurrenz auf das von Marktführer Facebook angekündigte Lokalisierungsfeature. Bislang hält sich der mit fast einer halbe Milliarde Mitgliedern weltweit größte Commnity-Anbieter hierzu bedeckt. Klar ist: "Wenn nur ein kleiner Teil von ihnen die Geotagging-Funktionen nutzt, könnte dies ein großer Schritt zum endgültigen Durchbruch dieser Technologien bedeuten", prognostiziert Krömer. Die Konkurrenz stünde dann unter Zugzwang.
Nutzer dürfen mit ihren Geodaten jedoch nicht leichtfertig umgehen. "Sicherlich sollte mindestens darauf geachtet werden, dass einem Nutzer immer bewusst ist, wann er seinen Standort bekannt gibt und dies nicht vollautomatisch ohne sein Wissen geschieht", rät Krömer. "Gerade die manuelle Funktion der Check-Ins bietet so eine Kontrolle." (dpa)
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