Von Justine Kocur, 26.07.10, 12:16h
„Ich schätze die gute Betreuung, die netten Leute und das bunte Programm vor Ort“, nennt sie die Vorteile des betreuten Reisens. Die Reisenden sind im Durchschnitt 78 Jahre alt, weiblich und verreisen in den meisten Fällen allein. Hin und wieder fahren auch alleinstehende Männer und Ehepaare mit.
Warum sich mehr Frauen an den Reisen beteiligen, kann Luise Schiffer, die für den Bereich Betreutes Reisen im DRK-Kreisverband Köln zuständig ist, nur vermuten: „Viele Senioren sind im höheren Alter allein. Und Frauen suchen den Kontakt mit Gleichgesinnten eher als Männer. Grundsätzlich richten sich die Reisen aber an Menschen ab 55 Jahren – egal, ob Paar oder Einzelperson.“
Für Rollstuhlfahrer findet einmal jährlich eine spezielle Behindertenreise statt, die von drei ausgebildeten Betreuern und einer Krankenschwester begleitet wird. „Alle anderen Gruppen werden von ein bis zwei Betreuern begleitet – je nach Teilnehmerzahl. Die Gruppen bestehen aber höchstens aus 20 bis 25 Personen“, sagt Schiffer. Die Reisen sind sehr beliebt, manche Teilnehmer erkunden seit Jahren die unterschiedlichen Urlaubsgebiete innerhalb Europas.
Besonders gefragt ist laut Schiffer die Kombination aus Flugreise und Kreuzfahrt. Zunächst geht es per Flieger nach Palma de Mallorca. Von dort starten die Teilnehmer per Schiff gen Kanarische Inseln. Auch Mallorca und die Türkische Riviera werden gerne gebucht. Wegen des angenehmeren Klimas im Frühjahr und Herbst werden die Fernziele nur dann angesteuert.
Den Schwerpunkt aber legt der DRK Köln auf Ziele in ganz Deutschland. „Der Timmendorfer Strand an der Ostsee, Bad Wiessee am Tegernsee und alle Kurbäder wie Bad Kissingen oder Bad Salzuflen sind äußerst beliebt“, zählt Schiffer auf. Der jährlich wechselnde Reisekatalog bietet auch für Dauerbucher immer wieder interessante neue Ziele an. Insgesamt werden allein in Köln 50 bis 60 DRK-Reisen im Jahr organisiert.
Individuell zugeschnitten
Bevor eine Reise startet, verschickt das DRK Fragebögen an die Teilnehmer. „Mit Hilfe der Antworten erfahren wir zum Beispiel, ob Handicaps bestehen und die Reisenden Medikamente einnehmen“, berichtet Schiffer. Außerdem könne so das Programm gezielter auf die Gruppe zugeschnitten werden. „Alle Antworten werden von uns absolut vertraulich behandelt“, verspricht sie.
Vor jeder Flugreise findet zudem ein Vortreffen statt, bei der die Teilnehmer unter anderem detaillierte Informationen zum Check-in erhalten. Elfriede W. schätzt besonders den Tür-zu-Tür-Service des DRK, der auch einen Gepäcktransport beinhaltet und im Reisepreis enthalten ist. Wer im Kölner Stadtgebiet wohnt, wird von zu Hause abgeholt und mit seinem Gepäck zum Bus, Flughafen oder zum Schiff gebracht; gleiches gilt für die Rückkehr.
Auch Reisegäste aus den kooperierenden Kreisverbänden Bonn, Leverkusen, Rhein-Berg, Rhein- Sieg und Linz am Rhein werden zu Hause abgeholt. Zuständig ist für sie das DRK vor Ort. „Für den Transfer nach Köln und zurück kann der zuständige Verband einen Beitrag von maximal 15 Euro pro Person erheben“, heißt es beim DRK Köln. Zwar können sich die Preise – vor allem für ein Einzelzimmer – durchaus sehen lassen (s. Kasten), dafür können die Senioren mit einer Rund-um-Betreuung rechnen. Beim DRK hilft die Reisebegleitung auch beim Ein- und Aussteigen und gibt den Reisegästen bei ihrer Ankunft im Hotel Orientierungshilfe. Langeweile kommt sicherlich nicht auf, denn „das Rahmenprogramm ist sehr abwechslungsreich“, weiß Elfriede W. aus Erfahrung.
Spielabende, Animation, Gymnastik
Ob Spielabende, Animation, Gymnastik oder Ausflüge – die mitreisenden Betreuer lassen sich immer etwas einfallen. Allerdings müssen die Programmpunkte, wenn sie auf Interesse stoßen, extra bezahlt werden. Am Flughafen checkt die Gruppe immer gemeinsam ein. Wer Probleme beim Tragen seines Gepäcks hat, kann sich auch hier auf das DRK verlassen. „Unsere Mitarbeiter dürfen auch in den Zollbereich, um zu helfen“, sagt Schiffer.
Natürlich muss für eine seniorengerechte Reise auch die Unterkunft stimmen. „Wir buchen grundsätzlich nur Häuser mit Aufzug und wenigen Stufen, damit sich auch Reisegäste mit Rollatoren problemlos bewegen können“, berichtet Schiffer. Ein wichtiger Punkt ist auch die zentrale Lage der Unterkunft, damit die Reisenden beispielsweise Ärzte und Geschäfte problemlos erreichen können.
Außerdem trifft das DRK mit jedem Hotel eine Sondervereinbarung. So wird vor Ort wird immer ein Buffet angeboten, für Diabetiker gibt es eine an ihre Bedürfnisse angepasste Kost. Und für den Fall, dass ein Reisender im Urlaub erkrankt, ist im Preis auch eine Reise-Auslandskrankenversicherung inklusive Rettungsrücktransport enthalten. Auch andere Wohlfahrtsverbände wie Arbeiterwohlfahrt und Caritas bieten regelmäßig betreute Reisen für Senioren an.
Interessenten können sich an ihren Ortsverband wenden. Die Awo etwa bucht in jedem Jahr Häuser für Senioren, die an die Bedürfnisse älterer Menschen – auch mit Behinderung – angepasst sind. Angeboten werden Ziele wie die Nordseeinsel Baltrum, der Kurort Bad Kissingen oder Bad Wörishofen im Allgäu.
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