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Love Parade

Die Veranstalter waren gewarnt

Von Tim Stinauer, 25.07.10, 15:20h, aktualisiert 26.07.10, 21:25h

19 Tote, über 340 Verletzte, nie wieder Loveparade. Weltweit ist das Entsetzen nach der Tragödie groß. Über allem steht die Frage: Wer trägt Schuld? Nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ waren die Veranstalter gewarnt.

Loveparade: Spurensicherung
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20 Tote und 510 Verletzte - das ist die katastrophale Bilanz der Loveparade in Duisburg. (Bild: Krasniqi)
Loveparade: Spurensicherung
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20 Tote und 510 Verletzte - das ist die katastrophale Bilanz der Loveparade in Duisburg. (Bild: Krasniqi)
DUISBURG - Polizei und Feuerwehr haben Monate vor der Loveparade in Duisburg massive Vorbehalte über das Sicherheitskonzept geäußert. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll der Direktor der Duisburger Berufsfeuerwehr den Oberbürgermeister der Stadt im Oktober 2009 schriftlich davor gewarnt haben, die Veranstaltung auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs stattfinden zu lassen. Sinngemäß soll es in dem Schreiben heißen, dass die Platzfläche nicht ausreiche, um die zu erwartende Masse an Besuchern aufzunehmen.

Nach Angaben der Organisatoren hatten über den gesamten Samstag verteilt 1,4 Millionen Menschen an der Loveparade teilgenommen. Die abgeriegelte Partyzone war für etwa 300.000 Feiernde ausgelegt. Bei der Massenpanik in einer Unterführung am Eingang des Geländes kamen 19 Männer und Frauen zwischen 20 und 40 Jahren ums Leben, etwa 340 wurden verletzt. Unter den 19 Toten sind zwölf Männer und Frauen aus Deutschland. Die sieben ausländischen Opfer kamen aus den Niederlanden, Italien, China, Australien, Italien, Bosnien-Herzegowina und Spanien.

ksta.tv

Am Sonntag hat die Staatsanwaltschaft sämtliche Planungsunterlagen für die Technoparty beschlagnahmt. Zwei Strafanzeigen gingen bisher ein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, wer für die Massenpanik verantwortlich ist und ob das Sicherheitskonzept tauglich war.

Unterdessen regt sich auch innerhalb der Polizei heftiger Unmut über die Organisation der weltweit bekannten Technoparade. Zwei Kölner Einsatzhundertschaften waren bei der Veranstaltung im Einsatz, eine sogar unmittelbar an dem Tunnel, in dem die Panik losbrach. Einige der Beamten hatten das Gelände bereits vorige Woche erkundet und im Anschluss intern starke Bedenken geäußert. Eine Kollegin hätte ihm mitgeteilt, „heilfroh zu sein, wenn das hier zu Ende ist“, berichtete ein hochrangiger Polizist dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Als „unglaublich“ hätten erfahrene Hundertschaftsführer es schon im Vorfeld empfunden, dass für den Ein- und Ausgang des Geländes nur diese einzige, etwa 300 Meter lange Unterführung vorgesehen war.

Politiker wurden "in die Enge getrieben"

Die Toten seien Opfer „materieller Interessen eines Veranstalters, der unter dem Deckmäntelchen der Kulturhauptstadt 2010 Druck“ ausgeübt habe, erhob der Vize-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Orscheschek, schwere Vorwürfe. Duisburger Stadtpolitiker seien „in die Enge getrieben“ worden, so dass sie trotz eindringlicher Warnungen aus dem Sicherheitsbereich nur »ja« sagen konnten.“ In letzter Konsequenz sei auch die Polizei weisungsgebunden. „Man nimmt unsere Vorschläge zur Kenntnis, aber ob und wie man sie umsetzt, liegt nicht bei uns.“ Duisburger Stadtpolitiker seien "in die Enge getrieben" worden, so dass sie trotz eindringlicher Warnungen aus dem Sicherheitsbereich nur "ja" sagen konnten.

Nach Informationen von "Spiegel online" belegt auch ein internes Verwaltungsdokument aus Duisburg deutliche Sicherheitslücken bei der Loveparade. Das Bauamt der Stadt habe dem Veranstalter demnach erlaubt, von der vorgeschriebenen Breite der Fluchtwege abzuweichen. Das von "Spiegel online" zitierte Schriftstück datiert vom 21. Juli.

Die Loveparade wird es nach Angaben des Veranstalters Rainer Schaller nicht mehr geben. 1989 in Berlin unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" gegründet, fand das fröhliche Techno-Event seit 2007 im Ruhrgebiet statt. Im letzten Jahr fiel sie aus: Die Stadt Bochum hatte die Ausrichtung unter anderem aus Sicherheitsgründen abgesagt. (mit dpa, ddp)



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