Erstellt 26.07.10, 10:08h, aktualisiert 26.07.10, 21:02h
Die Ermittlungen übernimmt jetzt die Kölner Polizei, weil die Duisburger Polizisten bei den Ermittlungen gegen Verwaltungsbeamte der eigenen Stadt den Vorwurf der Befangenheit fürchten. Daher werde der Fall abgegeben.
Die Duisburger Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Zunächst müssten Fotos und Videos ausgewertet sowie Zeugen gehört werden, ehe gegen konkrete Personen ermittelt werden könne. Wann diese Auswertung abgeschlossen sei, sei derzeit noch nicht abzusehen. Angeblich sind rund 300 Kriminalisten im Einsatz.
Die Zahl der Verletzten nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade ist nach einer aktuellen Zählung der Staatsanwaltschaft deutlich gestiegen. Nach neuen Erkenntnissen wurden 511 Menschen verletzt, wie der Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft, Rolf Haferkamp, am Montag mitteilte. 43 Menschen wurden demnach auch zu Wochenbeginn weiter in Kliniken behandelt, ein 20. Opfer starb am Montagabend. Wie die Polizei mitteilte, erlag eine 21-jährige Deutsche am Abend ihren schweren Verletzungen.
Die neuen Verletztenzahlen beziehen sich nach Angaben der Duisburger Polizei auf die gesamte Dauer der Loveparade vom Samstag. Bei der Massenpanik während der Techno-Parade waren 19 Menschen getötet worden. Die Zahl der Verletzten hatten die Behörden am Wochenende noch mit mehr als 340 angegeben. Auch hatte es am Montag zunächst geheißen, keiner der Verletzten schwebe mehr in Lebensgefahr.
Gravierende Mängel im Sicherheitskonzept
Unterdessen häufen sich die Berichte über Mängel beim Sicherheitskonzept der Duisburger Loveparade. So war das Party-Gelände am alten Güterbahnhof nach Informationen von "Spiegel Online" nur für eine Viertelmillion Menschen freigegeben. Das geht aus einem Verwaltungsdokument hervor, aus dem die Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins zitierte.
Demnach hat der Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Duisburger Amt für Baurecht und Bauberatung in dem betreffenden Verwaltungsdokument die Organisatoren von der Vorschrift befreit, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Gleichzeitig verzichten die Beamten auf Feuerwehrpläne. Dafür hätten sie den Ausrichtern der Party vorgegeben: "Die maximale Personenzahl, die sich gleichzeitig auf dem Veranstaltungsgelände aufhalten darf, wird auf 250.000 Personen begrenzt."
Sauerland will im Amt bleiben
Der in die Kritik geratene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) schließt seinen Rücktritt inzwischen nicht mehr aus, will aber zunächst im Amt bleiben. In einer schriftlichen Stellungnahme lehnte er einen sofortigen Rücktritt ab. "Heute und in den nächsten Tagen muss es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen (...) Auch unsere eigene Rolle gilt es dabei zu beleuchten: Wenn sich die Stadt etwas vorzuwerfen hat, dann werden wir Verantwortung übernehmen." Die Forderungen nach einem Rücktritt als Oberbürgermeister Duisburgs könne er jedoch verstehen.
Sauerland sagte zuvor in einem Interview, er sei nach wie vor zutiefst betroffen und bestürzt. Gleichzeitig zeigte er Verständnis dafür, dass er bei einem Besuch des Unglücksorts am Sonntag von Trauernden körperlich attackiert wurde. "Da waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben. Das verstehe ich." Dennoch verteidigte Sauerland auch die Verantwortlichen der Stadt Duisburg. "Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort zu sein, dafür haben wir gearbeitet, dafür haben wir gekämpft."
Der Oberbürgermeister kündigte an, dass noch im Laufe des Montags ein Kondolenzbuch ausgelegt werden soll. Außerdem stehe die Stadt in Verbindung zu den Duisburger Kirchen, um eine Trauerfeier vorzubereiten.
Trauer nach der Loveparade
Der Veranstalter Lopavent hat die Duisburger Loveparade bei der deutschen Tochter des französischen Versicherungskonzerns Axa versichert. Die "Financial Times Deutschland" berichtete vorab von der Veranstalterhaftpflichtversicherung. "Lopavent ist mit einer Gesamtdeckungssumme von 7,5 Millionen Euro bei der Axa versichert", sagte ein Sprecher des Versicherers der Zeitung. Sollten Ansprüche über diese Deckungssumme hinaus entstehen, wird laut der Zeitung der Veranstalter dafür privat haften müssen. Gründer und Geschäftsführer von Lopavent ist Rainer Schaller, der auch die Fitnesskette McFit betreibt.
"Die Loveparade wäre in Köln nicht genehmigt worden"
Der Kölner Konzertveranstalter Dirk Becker nannte es im Gespräch mit ksta.de „entweder unglaublich naiv oder unglaublich dreist“, dass mit nur 250.000 Zuschauern kalkuliert worden sei. „Bei den vorangegangen Love Parades kamen regelmäßig weit über eine Million Raver. Aber selbst, wenn ich 'nur' 250.000 Zuschauer erwarte, DARF der Eingang nicht gleichzeitig der Ausgang sein." Beckers Fazit: „Hier hat man als kleine Stadt gesagt, 'wir wollen das haben' und sehen über alles hinweg.“ Die Loveparade wäre so „in Köln zu 99,9% Prozent nicht genehmigt worden".
Nach Einschätzung des Tübinger Strafrechtlers Jörg Kinzig drohen den Verantwortlichen im Fall der tödlichen Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg allenfalls Bewährungsstrafen. "Ich rechne nicht damit, dass jemand deswegen in Haft kommt", sagte Kinzig. (ddp, dpa, afp, ksta)
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Reine Profitgier und Profilierungssucht
27.07.2010 | 09.15 Uhr | paruco
Wozu Ermittlungen und sonstige Analysen? Ein Gelände, dass für ca. 250.000 Personen ausgelegt ist, kann einfach keine 4-fache Menge an Menschen…
@zwiebelfleisch
27.07.2010 | 09.08 Uhr | Möhnchen
Was ist denn das bitte für ein Vergleich???
Hat es beim Rosenmontagszug etwa jemals eine Massenpanik gegeben? Ich glaube nicht! Hier kann jeder…
Heuchler und Quotenjäger
27.07.2010 | 08.20 Uhr | fools hall of fame
Die Medien haben seit Samstag ihr Futter bekommen... Jetzt will Frau Merkel den Urlaub unterbrechen und nach Duisburg fahren, um auch daran zu…
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