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Bochums Ex-Polizeipräsident

„Überleben ist wichtiger“

Erstellt 26.07.10, 14:43h

Wegen der Katastrophe bei der Loveparade will Bochums ehemaliger Polizeipräsident Thomas Wenner Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland anzeigen. Wenner hatte sich vor einem Jahr wegen Sicherheitsbedenken gegen die Veranstaltung ausgespochen.

Thomas Wenner
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Bochums Ex-Polizeipräsident Thomas Wenner. (Bild: dpa)
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Bochums Ex-Polizeipräsident Thomas Wenner. (Bild: dpa)
BERLIN/DUISBURG - Im vergangenen Jahr sollte die Loveparade in Bochum stattfinden. Doch der damalige Polizeipräsident der Stadt, Thomas Wenner, sagte die Veranstaltung wegen massiver Sicherheitsbedenken ab. Nach der Tragödie von Duisburg kündigte Wenner jetzt auf "Bild.de" an: "Ich zeige den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, die leitenden Beamten der Stadt und die Veranstalter an."

Der Sicherheitsexperte sieht mit Blick auf Großveranstaltungen offenbar Paralellen zwischen Bochum und Duisburg. "Bild.de" zitiert ihn mit den Worten: "Eine solche Veranstaltung war in einer Stadt wie Duisburg auf einem solchen Gelände nie realisierbar. Städte wie Bochum und Duisburg mit ihren engen Bahnhöfen sind dafür nicht geeignet." Auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, brachte Duisburg und Bochum in einen Zusammenhang als er sagte: Ein ähnliches Szenario wie in Duisburg habe schon 2009 in Bochum gedroht. Damals hatte die Stadt auf die Sicherheitsbedenken der Polizei reagiert.

Die Nachrichtenagentur ddp dokumentiert einen offneen Brief aus dem Jahr 2009, in dem Thomas Wenner als damaliger Polizeipräsident seine Entscheidung gegen die Loveparade in Bochum begründete. Unter der Überschrift "Es reicht" schrieb er:

"Was denken sich eigentlich Politiker und Journalisten, die die Metropole Ruhr als Monstranz ihrer Popularität vor sich hertragen, wenn es um die Verantwortung derer geht, die als Amtsträger für die Folgen ihres Handelns persönlich haften? Die mit ihrem Tun die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten haben? Die die Enge des Veranstaltungsraumes und die Disfunktionalität der Zu- und Abfahrtströme kennen, die wissen, dass es schon in Dortmund diesbezüglich heikle Situationen gegeben hat? Die wissen, dass ein Grossteil der bis zu 1,5 Millionen jungen Teilnehmer erheblich unter Alkohol und Drogen stehen wird und die sich die Auswirkungen einer Panik unter so vielen Menschen unter solchen Umständen auf so engem Raum unverblendet von Wichtigtuerei vorstellen können? Alles nur unerhebliche Opfer für die Metropole Ruhr?

Eine Metropole, die als solche überhaupt keine verantwortlich Handelnden kennt, weil die Politik dafür keine Voraussetzungen geschaffen hat. Wer manifeste Sicherheitsbedenken so wenig ernst nimmt, obwohl sie offenkundig sind, sollte sich von Verantwortung fernhalten, statt auf die einzuprügeln, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und sich ihr stellen. Wir wissen ja alle, dass es dieselben Menschen sind, die beispielsweise bei Kernkraft oder Gentechnologie genau wissen, dass alles, was geschehen kann auch geschehen wird und die, wenn es geschehen ist als erste pharisäerhaft auf die verantwortungslosen Verantwortungsträger zeigen, denen es dann auf der Anklagebank wenig hilft über die Metropole Ruhr zu schwadronieren. Denen werden dann die objektiven Fakten und ihr Wissen und Wollen vorgehalten, sonst nichts, weil Verantwortung so geht. Zu Recht, als ständige Erinnerung, körperliche Unversehrtheit und Leben anvertrauter Menschen so gut wie möglich zu schützen, auch wenn der Spassfaktor auf der Strecke bleibt. Überleben ist wichtiger..." (ddp)



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