Erstellt 26.07.10, 15:27h, aktualisiert 27.07.10, 08:53h
Wolfgang Heinke: Nein, seit 1996 waren mein Team und ich immer wieder bei der Loveparade, auch in Berlin. In Duisburg waren wir seit morgens rund 500 Meter vom Tunnel entfernt eingesetzt, in dem die Panik ausbrach. Die Besucher stauten sich bis zu uns zurück.
Wie hat sich das Geschehen aus Ihrer Sicht über den Tag entwickelt?
Wolfgang Heinke: Das war zunächst eine ganz normale Love Parade. Es kamen relativ früh Patienten mit Kreislaufproblemen, aber das ist normal. Es herrscht immer Gedränge, viele Besucher konsumieren Alkohol und Drogen. Das gab es immer, es war also keineswegs ungewöhnlich. Auch einige Menschen mit Schnittwunden oder Brüchen waren zu versorgen, aber das lag alles im üblichen Rahmen einer Großveranstaltung mit mehr als einer Million Besuchern.
Wie erlebten Sie die Zeit nach der Panik?
Wolfgang Heinke: Dass es eine Panik gegeben hatte, drang erst nach und nach zu uns durch. Wir hatten viele Patienten und Betroffene, die sich aus dem Tunnel retten konnten zu versorgen. Die Menschen waren teilweise total verzweifelt, suchten ihre Freunde. Unser Zelt war sehr schnell voll, so dass wir daraufhin schnell einen Bus der Stadtwerke angefordert haben. Dieser diente dann als relativ ruhiger Rückzugsort, um mit den Betroffenen sprechen zu können. Zuhören, die Leute reden lassen, das ist erstmal das Wichtigste in einer solchen Ausnahmesituation. Außerdem kamen die angeforderten Notfallseelsorger auch sehr schnell, die haben uns bei der Betreuung dann unterstützt. Außerdem haben wir 12 unserer 38 Helfer an den Behandlungsplatz von Feuerwehr und Rettungsdienst aus Rhein-Berg abgegeben, die haben dann alles nur noch über Funk mitbekommen.
Wann haben Sie realisiert, was in Duisburg tatsächlich geschehen ist, wie viele Tote und Verletzte es gab?
Wolfgang Heinke: Das etwas geschehen war wussten wir sofort, was genau war sehr lange unklar, viele Informationen erreichten uns hauptsächlich über telefonische Kontakte zu Verwandten, aus dem Radio und dem Fernsehen, über Gespräche mit Polizisten und Feuerwehrkollegen. Als die ersten Meldungen kamen die sagten "Da sterben Menschen", haben wir das zunächst nicht glauben wollen.
Wir arbeiten Sie mit ihrem Team das Erlebte auf?
Wolfgang Heinke: Wir haben in ruhigen Momenten an der Einsatzstelle viel miteinander gesprochen, waren das ganze Wochenende in Kontakt, haben viel telefoniert, so etwas hat von uns ja noch keiner erlebt. Viele von uns sind eng miteinander befreundet, man spricht miteinander, das hilft. Außerdem gibt es beim DRK das Angebot einer psychologischen Unterstützung. Wir sitzen am Dienstag mit der ganzen Gruppe zusammen um das erlebte noch einmal zu besprechen.
Was denken Sie über die Organisation der Love Parade in Duisburg?
Wolfgang Heinke: Es ist unheimlich schade, dass diese eigentlich sehr schöne Veranstaltung jetzt mit dieser Katastrophe endet. Man fragt sich schon, wie so etwas bei uns passieren kann, wo doch sehr viel geregelt und reglementiert ist.
Würden Sie sich wieder für einen Einsatz bei einer solchen Großveranstaltung einteilen lassen?
Wolfgang Heinke: Wir sind genau für solche Situationen ausgebildet. Wenn sie mich heute fragen, ich würde es Morgen wieder tun, und ich denke, da spreche ich für die meisten von uns. Wir konnten zwar die Katastrophe nicht verhindern, das ist auch nicht unsere Aufgabe. Aber wir konnten den Betroffenen helfen.
Loveparade: Keiner will es gewesen sein
Love Parade: Feuerwehr aus Rhein-Berg half
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