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Loveparade

Keiner will es gewesen sein

Von Thorsten Keller, 27.07.10, 12:51h, aktualisiert 27.07.10, 13:38h

Bei der Nachbereitung des Desasters von Duisburg schieben sich die Beteiligten nun gegenseitig die Schuld zu. Wer sich an den Archiv-Einsturz erinnert, ist geneigt, hier von einem „Kölner Modell“ zu sprechen. Anstoß, der Kommentar auf ksta.de

Duisburg Loveparade
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Die Katastrophe von Duisburg forderte 20 Todesopfer. (Bild: dpa)
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Die Katastrophe von Duisburg forderte 20 Todesopfer. (Bild: dpa)
„Alle können nichts dafür und haben es nicht gewollt.“ Dieser böse Satz von Friedrich Dürrenmatt wurde nicht im Zusammenhang mit den verheerenden Ereignissen der letzten Loveparade aller Zeiten geschrieben, sondern steht in einem 55 Jahre alten Essay mit dem spröden Titel „Theaterprobleme“. Darin erklärt der Schweizer Dramatiker zehn Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, warum er die Theaterform „Tragödie“ unzeitgemäß findet. Begründung: „Die Tragödie setzt Schuld, Not, Maß, Übersicht, Verantwortung voraus.“ Darum sei es aber „in der Wurstelei unseres (des 20.) Jahrhunderts“ schlecht bestellt.

Im Geiste Dürrenmatts hat sich am Montagabend auch der Duisburger Panik-Professor Michael Schreckenberg geäußert. Aus einem viereinhalb Minuten langen Gespräch im „Heute Spezial“ blieb dieser Satz hängen: „Ich habe damit gar nichts zu tun.“ Schreckenberg will sagen: Sein Job beim sogenannten Sicherheitskonzept für die Loveparade habe sich darin erschöpft, wie die Raver geordnet vom Hauptbahnhof zum Gelände und retour gelangen. Der Tunnel und die Rampe, wo es zu der Massenpanik mit 20 Toten kam: nicht seine Baustellen. Der promovierte Physiker streute Fachbegriffe wie „Befüllungsgrad“ und „Enfluchtung“ ein und behauptete, er sei bei seiner Arbeit vom Loveparade-Veranstalter behindert worden.

Der Veranstalter wiederum probiert es mit plumper Vorwärtsverteidigung. Rainer Schaller, der wohl am Montag mal durchgerechnet hat, dass 7,5 Millionen Euro Versicherungssumme schnell verbraucht sind und er womöglich sein Fitnessstudio-Imperium veräußern und Hartz IV beantragen muss (es sei denn, er wohnt demnächst auf Staatskosten in der JVA), will nur noch die eigene Haut retten. Auch dazu hat Friedrich Dürrenmatt in „Romulus der Große“ eine Gebrauchsanweisung hinterlassen: Wer einen großen Skandal verheimlichen will, inszeniert am besten einen kleinen. Und so lenkt Schaller vom eigenen Versagen ab, in dem er etwaige Fehler der Polizei anprangert.

Die Antwort auf die Frage, warum ein einziger Tunnel gleichzeitig Ein- und Ausgang für Hunderttausende sein durfte, bleibt Schaller allerdings ebenso schuldig wie Duisburgs rücktrittsresistenter Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Immer mehr verdichtet sich allerdings das Bild, dass es in Sauerlands Behörde zwar mahnende Stimmen gab, diese Beamten aber als Party-Störer gemobbt und/oder kaltgestellt wurden.

Sauerland, Schaller und auch Schreckenberg haben in den vergangenen Tagen viel Kritik aushalten müssen, unter anderem Marek Lieberbergs unbarmherziges Urteil „Das ist ein Verbrechen“. Lieberberg, Veranstalter von „Rock am Ring“, will damit anschreien gegen den Versuch der Duisburger Verantwortlichen, sich hinter einem diffusen Katastrophenbegriff zu verschanzen, als habe dort am Samstag die Erde gebebt oder ein Tsunami gewütet. Diesen Versuch darf die Öffentlichkeit Adolf Sauerland und Konsorten nicht durchgehen lassen.



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