Von Timot Szent-Ivanyi, 27.07.10, 13:29h, aktualisiert 20.09.10, 13:05h
Depressionen oder Schizophrenie und nicht mehr Erkrankungen des Kreislaufsystems sind mittlerweile bei Frauen und Männern der Hauptgrund für eine Behandlung im Krankenhaus. Inzwischen entfallen 17 Prozent aller Behandlungstage auf psychische Erkrankungen. 1990 betrug der Anteil erst acht Prozent.
Die Autoren des Reports führen den Anstieg unter anderem auf die instabilen wirtschaftliche Verhältnisse vieler Menschen und zunehmende familiäre Probleme zurück. Als bedenklich wertete Friedrich Wilhelm Schwartz vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung an der Medizinischen Hochschule in Hannover, dass ein Viertel der Leiden durch Alkoholprobleme ausgelöst wird. Der frühere Gesundheits-Sachverständige der Bundesregierung forderte die Politik auf, mehr für die Vorbeugung zu tun.
Nordrhein-Westfalen im Mittelfeld
Dass psychische Leiden so schnell an die Spitze der Statistik geklettert sind, hat nicht nur mit der höheren Zahl der Fälle zu tun. Die Behandlung psychischer Erkrankungen ist auch zeitaufwändiger. Frauen bleiben im Durchschnitt 26 Tage in der Klinik, Männer 20 Tage. Bei anderen körperlichen Erkrankungen dauert eine stationäre Behandlung demgegenüber zwischen fünf und zehn Tagen. Im Durchschnitt aller Behandlungen betrug sie im vorigen Jahr 8,5 Tage, bei den unter 65-Jährigen 7,7 Tage. Aufgeschlüsselt nach Bundesländern liegen die Hamburger, die jünger als 65 sind, besonders lang im Krankenhaus: 8,49 Tage. Die unter 65-Jährigen in Nordrhein-Westfalen sind im Durchschnitt 7,57 Tage im Krankenhaus.
Der Wert ist im Vergleich zu den Vorjahren weiter gesunken, während die Häufigkeit der Klinikaufenthalte gleichzeitig zunahm. Unterm Strich sind damit die Versicherten länger im Krankenhaus gewesen als noch 2008. Für die repräsentative Untersuchung wurden die Daten der 8,5 Millionen Barmer GEK-Versicherten ausgewertet.
Überraschend ist auch der starke Anstieg von Hüft- und Knieoperationen in den letzten Jahren. So wurden 2009 18 Prozent mehr künstliche Hüften eingesetzt als noch 2003. Bei Kniegelenken betrug der Zuwachs sogar 52 Prozent. Allein im letzten Jahr wurden 210 000 Hüft- und 175 000 Knieprothesen eingesetzt. Das kostete rund 3,5 Milliarden Euro.
„Tendenz zur Überversorgung“
Der starke Anstieg hat allerdings anders als erwartet nur zum Teil mit dem Älterwerden der Bevölkerung zu tun. Wird die längere Lebenserwartung herausgerechnet, dann betragen die Zuwachsraten neun beziehungsweise 43 Prozent. „Bei diesen Zahlen kann einem Kassenvertreter Angst und Bange werden“, sagte Barmer-GEK-Vizechef Rolf-Ulrich Schlenker. Es gebe eine „Tendenz zur Überversorgung“ bei diesen Eingriffen. „Über 65-jährige ohne künstliche Knie- und Hüftgelenke könnten in Zukunft die Minderheit ihrer Altersgruppe repräsentieren“, sagte Schlenker. Über die Ursachen dieser Entwicklung gibt es nur Vermutungen. Schwartz sah einen Grund in der zunehmenden Fettleibigkeit der Bevölkerung. Schlenker vertrat die These, das stärkere Angebot der Kliniken für Hüft- und Knieoperationen schaffe mehr Nachfrage.
@ischdem
29.07.2010 | 15.44 Uhr | Terror_Sommer
Soso: "bei uns braucht keiner zu hungern". Wenn DAS der Maßstab ist (der von 1942, gell?!), klar, dann leben wir hier ja im Schlaraffenland. Sie…
Dass psychische Leiden in dieser Form...
28.07.2010 | 21.25 Uhr | michaschreibt
durch Alkolprobleme ausgelöst werden, kann so nicht richtig sein. Oft ist es eine verhängnisvolle Gemengelage. Alkohol wird nach meiner beruflichen…
politik und kirche haben versagt
28.07.2010 | 06.33 Uhr | ischdem
und dennoch leben wir im gegenteil zu anderen staaten nicht so schlecht -
wir jammern auf einem hohen niveau ....
bei uns brauch keiner zu…
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