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Klischees

Kritik an Islam-Bild in Schulbüchern

Erstellt 28.07.10, 14:35h, aktualisiert 28.07.10, 16:23h

Eine Religionswissenschaftlerin kritisert eine klischeehafte Darstellung des Islam in Schulbüchern. Fragwürdig findet Gerdien Jonker beispielsweise, dass der 11. September 2001 in einen Zusammenhang mit dem Islam gestellt werde.

11. September 2001
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New York, 11. September 2001. (Bild: rtr)
11. September 2001
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New York, 11. September 2001. (Bild: rtr)
BERLIN - Die Darstellung des Islam in europäischen Schulbüchern ist nach Einschätzung der Religionswissenschaftlerin Gerdien Jonker klischeehaft. "Es ist eine Erzählung, die sich im Wesentlichen im Mittelalter abspielt und deren Subtext besagt: Die Muslime eroberten Europa, also mussten 'wir' uns verteidigen", erklärte Jonker am Mittwoch im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Die aus Amsterdam stammende Wissenschaftlerin ist am Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig tätig.

Bei der Darstellung der Gegenwart taucht nach Angaben Jonkers in den Schulbüchern häufig "das Dreigestirn Fundamentalismus, Islamismus und Terrorismus" auf. Die Bücher für die Oberstufe gingen seit 2004 ausführlich auf den sogenannten "Zusammenstoß der Kulturen" ein. Nach dem 11. September 2001 sei "alles schiefgelaufen". Noch nie hätten Schulbücher so schnell reagiert, dabei würden massiv Schreckensbilder vermittelt.

Krieg statt Islam?

"Man hätte die brennenden Türme auch in einen anderen Themenkomplex einordnen können, Kriege in der globalisierten Welt etwa. Aber man hat es dem Islam zugeordnet", kritisierte Jonker. Nach neun Jahren ändere sich das wieder, "aber eine ganze Generation muslimischer Kinder ist damit konfrontiert worden".

Als grundsätzliche Probleme sieht die Wissenschaftlerin den Zwang zur kurzen Darstellung und die Fortschreibung älterer Schulbücher. "Das kanonisierte Wissen voriger Generationen lagert sich darin ab wie geologische Schichten", so Jonker. Stattdessen müsste nach ihrer Ansicht eine Weltgeschichte, eine "globale Erzählung", an die Stelle der durch Abgrenzung geprägten Geschichten der Nationalstaaten treten. Dies werde aber wohl noch einige Generationen dauern. (kna)



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