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Loveparade

Fehlerserie wird zum Verhängnis

Von Tim Stinauer, 28.07.10, 15:55h, aktualisiert 28.07.10, 21:28h

Mit Tränen in den Augen hat Polizeiinspekteur Wehe über die zu Tode gequetschten Opfer der Loveparade berichtet. Der Beamte macht vor allem die Veranstalter für das Versagen verantwortlich. Die allerdings üben sich in Zurückhaltung.

Ralf Jäger
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Ralf Jäger. (Bild: dpa)
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Ralf Jäger. (Bild: dpa)
DÜSSELDORF - Am Ende seiner Ausführungen, als Dieter Wehe auf die Todesopfer zu sprechen kommt, versagt dem Polizeiinspekteur für Nordrhein-Westfalen die Stimme. Wehe kämpft gegen die Tränen, stockend sagt er: „Nach allem, was wir wissen, wurden die Zäune, die auf dem Boden lagen, zur Stolperfalle.“ Am Mittwoch hatte sich die Zahl der Toten auf 21 erhöht, eine 25-jährige Frau erlag vier Tage nach der Loveparade im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei haben die Veranstalter des Technofestivals in Duisburg gleich mehrere, offenbar verhängnisvolle Fehler gemacht, die schließlich in der Katastrophe endeten. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) und Polizeiinspekteur Wehe erhoben schwere Vorwürfe, auch gegen die Stadt Duisburg. „Der Veranstalter hat Vorgaben und Zusagen aus dem Sicherheitskonzept nicht eingehalten. Als die Ordner die Situation nicht mehr im Griff hatten, riefen die Veranstalter die Polizei um Hilfe, die durch ihr Eingreifen noch Schlimmeres verhindert hat“, berichtete Jäger. Zur Kooperation mit der Stadt sagte der Innenminister: „Eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Polizei und einer Stadt als Genehmigungsbehörde stelle ich mir anders vor.“ Die Stadt habe der Polizei die Genehmigung des Bauamts erst am Samstag auf Drängen ausgehändigt. Jäger sagte vor der Presse, er finde es "unerträglich", wenn Verantwortung auf Seiten der Stadt oder des Veranstalters abgeschoben werde.

Polizeiinspekteur Wehe bemängelte, der Veranstalter habe im kritischen Bereich des Tunnels, an dem die Panik entstand, sowie an den Einlassschleusen vor dem Tunnel „wahrnehmbar“ zu wenig Ordnungskräfte im Einsatz gehabt. Laut Sicherheitskonzept waren 150 Ordner dafür vorgesehen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ aber sind auf den Überwachungsvideos an der Unglücksstelle zum Zeitpunkt der Massenpanik „so gut wie keine“ Ordner zu erkennen, sagte ein Ermittler.

Gemäß der Planung sollte der Veranstalter das Partygelände um 11 Uhr öffnen oder schon um 10 Uhr für den Fall, dass der Besucherandrang vor den Schleusen hoch sein sollte. Tatsächlich seien die Zugänge aber erst um 12 Uhr geöffnet worden, sagte Wehe. Der Grund: „Auf dem Veranstaltungsgelände waren noch Planierraupen im Einsatz.“ 20 000 ungeduldige Menschen hätten sich um 12 Uhr vor den Schleusen gedrängt, es habe die Gefahr bestanden, dass die Stelle überrannt wurde. Dennoch hätten die Ordner acht von 20 Schleusen geschlossen gehalten. Erst auf Drängen der Polizei seien diese dann auch geöffnet werden, um den Druck zu verringern.

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Gegen 15.30 Uhr spitzte sich die Situation am unteren Ende der Rampe zu, die zum Partygelände führte. Immer mehr Menschen drängten nach. Der Veranstalter bat die Polizei um Hilfe. Laut Wehe wurde vereinbart, dass die Ordner sämtliche Schleusen schließen sollten, um den Zustrom in den Tunnel zu unterbinden. Gleichzeitig wollte die Polizei helfen, die Menschen über die Rampe auf das Gelände zu leiten, wo zu diesem Zeitpunkt noch ausreichend Platz war. Doch die Ordner schlossen die Schleusen nicht. „Warum, das wissen wir nicht“, sagte Wehe. Schlimmer noch: Die Ordner hätten sogar zwei Absperrgitter geöffnet, durch die weitere Besucher in den Tunnel strömen konnten. „Erst auf Hinweis der Polizei wurden die Gitter wieder geschlossen“, so Wehe.

Innenminister Jäger stellte klar: „Die Polizei war für die Sicherheit im gesamten Stadtgebiet zuständig, mit Ausnahme des Partygeländes. Das lag in der Verantwortung des Veranstalters.“

Die Polizei habe im Vorfeld Sicherheitsbedenken zur Situation am Tunnel und an den Rampen beim Veranstalter vorgetragen, berichtete Wehe. Änderungen am Sicherheitskonzept seien fest zugesagt worden, an entscheidenden Stellen aber nicht erfolgt.

Loveparade-Veranstalter Schaller hat auf die Vorwürfe des Innenministers und der Polizei eher zurückhaltend reagiert. Es sei nun an der Staatsanwaltschaft alles zu prüfen, schrieb er in einem Statement. Um den betroffenen Familien "schnell und unbürokratisch" helfen zu können, organisiere er derzeit gemeinsam mit sozialen Einrichtungen einen Hilfsfonds.



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