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Kachelmann

„Der Alptraum ist noch nicht zu Ende“

Erstellt 30.07.10, 18:20h, aktualisiert 30.07.10, 18:36h

Nach mehr als vier Monaten Untersuchungshaft geht Jörg Kachelmann in die Offensive: Erstmals seit seiner Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt äußert er sich in der Öffentlichkeit. Er bezeichnet sich selbst als unschuldig.

Jörg Kachelmann
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Reinhard Birkenstock (links) mit seinem Mandanten Jörg Kachelmann im Amtsgericht Mannheim. (Bild: ddp)
Jörg Kachelmann
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Reinhard Birkenstock (links) mit seinem Mandanten Jörg Kachelmann im Amtsgericht Mannheim. (Bild: ddp)
MANNHEIM - Fernsehmoderator Jörg Kachelmann will vor Gericht um seine Freiheit kämpfen. "Aufgrund meines Wissens, dass ich unschuldig bin, habe ich keinen Grund, mich von irgendetwas fernzuhalten, oder wegzulaufen", sagte der 52-Jährige am Freitag im Fernsehen in einem ersten Interview nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft. Er habe Vertrauen in die deutsche Justiz.

Jetzt gelte es, die Hauptverhandlung vorzubereiten. "Der Alptraum ist für mich noch nicht zu Ende", sagte Kachelmann. Kachelmann äußerte sich gleichzeitig in ZDF und ARD sowie auch bei bild.de.

Jörg Kachelmann hat sich in seiner Haftzeit immer gut behandelt gefühlt. "Alle, die ich erlebt habe in ihrer Arbeit, haben sich ausgezeichnet durch großen Respekt nicht nur mir gegenüber, sondern allen Gefangenen gegenüber", sagte er. Deshalb habe er auch zur Verabschiedung bei seiner Entlassung den für ihn zuständigen Stockwerksbeamten umarmt. "Ich fand diese Herzlichkeit angemessen."

Der Meteorologe sagte, seine Haftzeit sei das Furchtbarste gewesen, was ihm jemals in seinem Leben passiert sei. "Man kann ja selber nichts an seiner Situation ändern. Das ist etwas, was ich niemandem wünschen möchte, niemandem auf der Welt, was dieser Mensch mir auch angetan hat", sagte er. Nur dank seines hervorragenden Anwalts Reinhard Birkenstock habe er sich langsam wehren können. Zu wissen, dass er unschuldig sei sowie die Ungewissheit, wann andere das erkennen würden, sei schlimm gewesen.

Kachelmann zeigte sich erfreut über den Kontakt zu seinen Mithäftlingen. In der ungewöhnlichen Situation seien Freundschaften entstanden. "Das ist auch etwas, was einen diese Situation dann aushalten lässt", sagte er. Vor allem der Häftling, mit dem er das Stockwerk gereinigt habe, sei "schon ein bisschen mehr als ein Kumpel". Den Austausch mit ihm vermisse er. "Das ist ja auch in irgendeiner Form ein Abschied von etwas, aber es ist ein Abschied von etwas, was ich persönlich nicht noch mal erleben möchte und das ich niemandem wünsche", betonte Kachelmann.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte den Haftbefehl gegen den Schweizer am Donnerstag aufgehoben. Am 6. September beginnt unabhängig davon wie geplant der Prozess gegen Kachelmann vor dem Landgericht Mannheim. Das Landgericht hatte eine Verschiebung erwogen. Am Freitag erklärte es dann: "Trotz der Aufhebung des Haftbefehls sieht die Kammer das Verfahren im Hinblick auf den schwerwiegenden Tatvorwurf weiterhin als eilbedürftig an".

Die Staatsanwaltschaft legt Kachelmann Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und Körperverletzung zur Last. Er soll Anfang Februar seine frühere Freundin vergewaltigt und mit einem Messer am Hals verletzt haben. Er war am 20. März nach der Rückkehr von den Olympischen Winterspielen aus Kanada verhaftet worden.

ksta.tv: Kachelmann kommt aus U-Haft frei

Deutliche Kritik am Verhalten der Mannheimer Justiz äußerten Strafverteidiger und Medienrechtler. Der Berliner Presserechtsanwalt Christian Schertz hält Schadenersatzansprüche des Moderators für möglich. "Ich gehe davon aus, dass die sehr frühe Information der Öffentlichkeit über die Inhaftierung die Persönlichkeitsrechte Kachelmanns verletzt hat", sagte Schertz der dpa. "Sollte Kachelmann im Hauptverfahren freigesprochen werden, stehen Amtshaftungsansprüche im Raum. Die Pressearbeit der Staatsanwaltschaft war Auslöser für die mediale Hetzjagd auf Kachelmann, bei der immer neue Details aus seinem Intimleben an die Öffentlichkeit kamen."

Das Privatleben des Wettermoderators sei in einer Weise an die Öffentlichkeit gezerrt worden, wie es bei weniger prominenten Verdächtigen nie der Fall gewesen wäre, kritisierte der Präsident des Verbandes deutscher Strafrechtsanwälte, Jürgen Möthrath. "Es ist wahrscheinlich ein bisschen schön, wenn man einen Prominenten vorführen kann", sagte Möthrath. "Jeder, der in der Öffentlichkeit steht, der Erfolg hat, wird schnell mit Namen genannt und nicht nur mit dem Kürzel", kritisierte der Strafverteidiger. Unter der Hand würden Informationen an die Presse weitergeben. (dpa/ddp)



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