Von Nadine Hantke, 26.07.10, 14:31h, aktualisiert 26.07.10, 14:42h
Doch trotz des Stilbruches darf ich heute ausnahmsweise mit weißen Sneakern an der großen, reich geschmückten Tafel sitzen und die anderen Stämme und Vereine begrüßen - unter dem Tisch sieht man immerhin meine Schuhe nicht. Mongolen, Tartaren, Barbaren, Piraten und sogar Schützen kommen auf das Gelände des Ostheimer Schulzentrums und machen den Hunnen ihre Aufwartung. Sie machen die Runde an der Tafel, und man begrüßt sich mit einem Handschlag, bei dem gegenseitig die Daumen umklammert werden.
Zur Begrüßung reicht Fürst Rangani, im wahren Leben Jakob Hausmann, seinen Gästen einen Willkommenstrunk. „Eine spezielle Mischung aus fünf bis sechs verschiedenen Schnäpsen, veredelt mit Tabasco“, verrät er mir. An mir geht der Kelch glücklicherweise vorbei - ich muss später nach Hause reiten& ähm, fahren natürlich.
Den Gästen fällt gar nicht auf, dass ich eine Hunnin auf Zeit bin. Dafür haben Fürstin Honoria und das Weib Rekam gesorgt. Rekam steckt mich in ein Gewand und behängt mich mit Silberschmuck, viel Silberschmuck. „Je mehr Schmuck eine Frau trug, desto reicher war sie“, erklärt Rekam. Die Verkleidung ist einer der Gründe warum Rekam - alias Agnes Schöckel - so gerne Hunnin ist. Außerdem genießt sie das Leben eine Woche lang im Zeltlager mit der Gruppe. „Wir haben Filme gesehen, Geschichten vom zentralasiatischen Reitervolk der Hunnen gelesen und wollen nachfühlen, wie das damals so war“, sagt Fürstin Honoria. Fasziniert sind die modernen Hunnen auch von den Geheimnissen, die das zentralasiatische Volk umgeben. „Sie kamen aus dem Nichts und verschwanden im Nichts - es ist nur wenig bekannt über diese Krieger", erklärt Honoria. Wichtig war, soviel ist sicher, zu Völkerwanderungszeiten auch die Kriegsbemalung. Daher nimmt mich Fürstin Honoria mit ins Versorgungszelt, trägt eine dicke Schicht gelbliche Farbe auf - die Hunnen stammten halt aus Asien. Dann bemalt sie meine Augen bis hin zur Nase kunstvoll und gar nicht sparsam mit Theaterfarbe. „Die Bemalung sollte damals Feinde abschrecken“, sagt sie. Und als ich in den Spiegel schaue, erschrecke ich tatsächlich: So viel Schminke hatte ich noch nie auf dem Gesicht.
Dann beginnt auch Fürstin Honoria selbst, sich zu schminken und wechselt vom „Kölle“-Shirt in eine prachtvolle Robe, denn in wenigen Minuten kommen die ersten Gäste. Derweil schaue ich mich im Versorgungszelt um: Kühlschrank, Wasserkocher, Thermoskanne, Handys - sehr authentisch. So schlimm kann der Fauxpas mit meinen Turnschuhen dann doch nicht sein.
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