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Keuchel im Gespräch

„Aus Faszination ist Kritik geworden“

Erstellt 26.07.10, 22:02h

Stefan Keuchel, bei Twitter als „Frischkopp“ bekannt, ist seit 2004 Pressesprecher des Internetunternehmens Google. Der 41-Jährige sprach mit Miriam Betancourt über das Image des Unternehms, Street View und Trends im Netz.

Stefan Keuchel
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Stefan Keuchel. (Bild: Privat)
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Stefan Keuchel. (Bild: Privat)
Herr Keuchel, Sie sind Pressesprecher von Google, ein sehr umstrittenes Unternehmen. Von starker Abneigung bis Glorifizierung ist alles dabei. Wie gehen Sie damit um?

STEFAN KEUCHEL: Ich arbeite jetzt seit sechs Jahren für Google. Die Art und Weise, wie Google wahrgenommen wird, hat sich in dieser Zeit stark verändert. Aus ursprünglicher Bewunderung oder Faszination ist heute eine eher kritische Haltung geworden. Ich denke aber, dass dies ein normaler Prozess ist. Google ist stark gewachsen und ist heute keine kleine, alternative Garagenfirma mehr, sondern ein Milliarden-Dollar-Unternehmen.

Ein großer Kritikpunkt in der Vergangenheit war „Street View“.

KEUCHEL: Stimmt. Es ist uns leider nicht gelungen, den Deutschen die Vorteile von Street View klar zu machen und ihnen die Ängste zu nehmen. Hierzulande ist der Begriff „Daten“ an sich schon negativ belegt. Es wird uns oft vorgeworfen, dass wir Daten sammeln würden. Na klar, tun wir das. Wir sind schließlich eine Suchmaschine. Wir müssen Daten sammeln, um Suchergebnisse zu präsentieren. Die Kritik an Street View kommt jedoch häufig von Menschen, die den Service nicht richtig kennen. Wenn jemand beispielsweise nicht möchte, dass sein Haus in Street View gezeigt wird, kann er uns das mitteilen und wir entfernen das Haus aus den Aufnahmen. Gesichter und Autokennzeichen werden von uns unkenntlich gemacht. Doch das ist vielen nicht bekannt. Deutschland ist inzwischen ein weißer Fleck auf der Street View Karte in Europa geworden. In Italien, Frankreich, Spanien, England, Portugal und den Niederlanden gibt es Street View längst. So kann ich mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von den Sehenswürdigkeiten und Bars von Paris, London, Rom oder Barcelona machen. Das Feedback der Nutzer aus diesen Ländern ist durch die Bank positiv.

Womöglich sind die Menschen so empfindlich, weil Google einmal den Leitspruch „Don't be evil“ (Sei nicht böse) ausgegeben hat.

KEUCHEL: Das ist wirklich interessant, denn „Don´t be evil“ war ja nie ein Werbespruch von uns, sondern eine interne Richtlinie, die wir uns selbst gegeben haben. Unser Handeln richtet sich nach dieser Maxime. Wir möchten gute Dinge tun, ohne jemanden dabei zu schaden. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Sie sind mit der New Economy groß geworden. Während es viele Unternehmen aus den Anfangszeiten nicht mehr gibt, haben Sie Karriere gemacht. Vor der Google-Zeit waren Sie unter anderem Pressesprecher bei AOL Deutschland. Waren Sie stets zu richtigen Zeit am richtigen Ort?

KEUCHEL: Ich denke es ist eine Mischung aus dem berühmten Quäntchen Glück und natürlich auch Können. Ich fühle eine große Passion für den PR-Beruf. In der PR muss man extrem gut vernetzt sein und viel mit Leuten re den. Ich beherze zum Beispiel den Leitspruch meines Mentors: Jeden Tag gilt es, einen neuen Kontakt zu machen und einen alten Kontakt zu pflegen

Mit Google war es dann aber schon ein bisschen mit Glück?

KEUCHEL: Ja, ich habe die Stellenausschreibung gesehen und recht spontan eine etwas flapsige E-Mail hingeschickt mit den Worten: Ihr habt bestimmt Tonnen von Bewerbungen auf dem Schreibtisch. Hier kommt noch eine. Etwa einen Monat später hat sich dann ein so genannter Recruiter bei mir gemeldet und es folgte eine Reihe von Vorstellungsgesprächen.

Und es gab viele Gespräche?

KEUCHEL: Ja, ich hatte sage und schreibe 14 Vorstellungsgespräche. Das war in den Anfangstagen von Google immer so, heute sind es deutlich weniger Vorstellungsgespräche geworden, auch wenn wir uns die Bewerber immer noch sehr genau anschauen.

Werfen wir mal einen Blick nach vorne. So mancher Verleger sieht das iPad als Rettungsanker. Sehen Sie das auch so?

KEUCHEL: Bei Google haben wir den Grundsatz, dass wir nicht schlecht über Mitbewerber reden und Apple ist ein Mitbewerber. Nur soviel: Steve Jobs hat das Talent, Produkte zu schaffen, von denen man vorher nicht wusste, dass man sie eines Tages brauchen würde. Das iPad ist so ein Produkt. Allerdings befürchte ich, dass die Hoffnung vieler Verleger nicht aufgehen wird, dass das iPad die Lösung der Verlags- und Vertriebsprobleme ist.

Hätten Sie denn eine Prognose, wie das Internet in zehn Jahren aussieht?

KEUCHEL: Wenn Sie überlegen, dass es Google erst seit elf Jahren gibt und YouTube erst seit fünf Jahren, wäre es vermessen eine Prognose für die nächsten zehn Jahre abzugeben. Allerdings gibt es ein paar Trends, die man schon heute sehen kann. Eine Binsenweisheit ist, dass das Internet immer mobiler wird. In naher Zukunft wird es völlig normal sein, über sein mobiles Endgerät ins Internet zu gehen, darüber TV zu schauen. Ein weiteres spannendes Thema ist das Thema Cloud Computing. Dahinter steckt der Gedanke, dass man von jedem PC oder mobilem Endgerät aus Zugang zu seinen Daten wie Texte, Tabellen, Fotos, Filme oder Termine hat. Dieser Bereich wird sich noch stark entwickeln.

Haben Sie auch ein Leben außerhalb von Google?

KEUCHEL: Aber na klar. Ein Job ist ein Job ist ein Job. Ich liebe zwar meinen Beruf, aber es gibt viele Dinge, die mir genau so wichtig oder gar wichtiger sind. Familie und Freunde beispielsweise. Ich bin stolzer Vater von drei Kindern und großer HSV Fan. Am Wochenende genieße ich es mit meinen Kindern an die Elbe oder in den Hagenbeck Tierpark zu gehen oder mit Freunden ins Fußballstadion. Bei solchen Anlässen bleibt auch der „Terrorist“ in der Tasche. So nennt meine Frau den Blackberry.



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