Von Peter Pauls, 26.07.10, 22:26h
Die Spitzen des öffentlichen-rechtlichen Fernsehens möchten diesen Umstand so intensiv nutzen, dass einem Angst wird um die Zukunft der Zeitung im Internet. Aber nicht genug. In einem Gutachten des ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, wird erklärt, im Internet sei alles de facto Rundfunk. Mit diesem Gutachten kehrt Papier den Spieß um. Zeitungen machen in Wahrheit Rundfunk, wenn sie ins Internet gehen. Besonders vernehmlich hat die FAZ diesen Anspruch Papiers und der ARD kritisiert, indem sie legitim ein „Ende der freien Presse“ fürchtet und „Staatsjournalismus“ beschwört. Als gehe es um himmelschreiendes Unrecht, hat der ARD-Chef Peter Boudgoust nun schon zum zweiten Mal die Form des offenen Briefs gewählt, um die FAZ zu kritisieren. Dabei hat das Blatt nur einen kritischen Kommentar geschrieben. Wer sich einmal bei einem öffentlich-rechtlichen Sender beschwert hat, ist beeindruckt, wie sensibel dessen Spitzen in eigener Sache sind und wie gern sie sonst austeilen. Interessante Frage: Ist das Staatsjournalismus, wenn ein Ministerpräsident Koch einen Chefredakteur Brender abschießt, TV-Intendanten stolz auf ihre Partei-Mitgliedschaft verweisen, ein Regierungssprecher Intendant in Bayern wird und eine Zwangsabgabe in Kürze das Medium finanziert?
Aber all das lenkt nur ab: den deutschen Tageszeitungen erwächst auf dem Zukunftsmarkt Internet ein Konkurrent, der mit Gebühren- und Werbemilliarden ungleich mächtiger ist. Die Zeitungen kämpfen mit einem veralteten Medien- und Kartellrecht. Nun möchte man sie noch mit Rundfunk-Lizenz behelligen - sie machen ja Internet. Zumindest zur Kenntnis genommen werden sollte all das von einer Politik, die das Desaster, das sich heute bereits abzeichnet, übermorgen zu spät bejammern wird. Da müssten eigentlich ganz andere offene Briefe schreiben.
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