Von Dirk Risse, 28.07.10, 13:36h
Seit 2009 wird im Bürgerzentrum Deutz im großen Stil gekocht. Früher gab es hier ein kleines Bistro und einen Mittagstisch für Senioren. Zwölf Mahlzeiten wurden pro Tag serviert, heute sind es etwa 150. Kein Essen kostet mehr als fünf Euro, Schnitzel mit viel Pommes gehen für 4,90 Euro über den Tresen, obendrein gibt es noch einen Gratis-Kaffee. Mit einem Catering-Service versorgt das Küchenteam der Integrations-Gastronomie des Fördervereins „Zentrum für Bildung und Kultur“ außerdem mehr als ein Dutzend Deutzer Kindergärten und Schulen mit Mittagessen und manchmal wird das 15-köpfige Team auch von Firmen gebucht.
Eine Leistung, auf die die Mitarbeiter der Integrations-Gastronomie stolz sind. Hier arbeiten Menschen, die lange ohne Arbeit waren, und Menschen mit psychischen Problemen oder körperlicher Behinderung. Menschen, die nicht gerne über ihre Vergangenheit reden und ihre richtigen Namen schon gar nicht in einer Zeitung lesen wollen. Etwa Bruno, der an einem Borderline-Syndrom leidet, und sich schon einmal in die Ecke hockt und weint. Und Lisa, die mit ihrem Imbiss-Stand in Eil scheiterte und in Deutz eine neue Chance sucht. Die meisten Mitarbeiter wurden von Jobbörsen und Integrations-Fachdiensten vermitteln, andere sind ehemalige Ein-Euro-Jobber, die den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen wollen. „Viele Unternehmen scheuen sich noch davor, behinderte Menschen in den Arbeitsalltag einzubinden“, sagt Vereinsgeschäftsführer Uli Kühl. „Da gibt es noch alte Mauern zu schleifen.“
Die Mitarbeiter, die in Deutz arbeiten, danken es dem Verein mit viel Engagement. Küchenchef Graf hat 38 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel, 20 Jahre hat er das Kasino des Unternehmens Klosterfrau geführt. Er hat mit Alfred Biolek zusammen gekocht und Gala-Essen für den damaligen Oberbürgermeister Norbert Burger kredenzt. Auf feine Wachteln habe er nun keine Lust mehr, sagt Graf. Lieber zeigt er Bruno und Lisa die Grundlagen der Küchenkunst und optimiert die Beriebslogistik. „Das ist eine ganz neue Herausforderung.“
Jetzt würde der Förderverein gern sein Konzept ausbauen. Geschäftsführer Kühl sagt, er könnte sofort acht weitere Schulen beliefern und die Anzahl der Mahlzeiten von 400 auf 750 steigern, doch sei die Kapazität der derzeitigen Küche längst ausgeschöpft. Nicht nur die Lüftung, sondern auch die Spülmaschine ist leistungsschwach, sagt auch Koch Graf. Salate werden auf einem abgedeckten Billardtisch geschnipselt, der noch aus den Tagen stammt, als hier im Bürgerzentrum der Jugendbereich angesiedelt war. Mal gibt es vor 9 Uhr keinen Strom, mal fliegt die Sicherung an einem Bräter raus und es fehlt ein Lastenaufzug, der die geschätzten 1,4 Tonnen Lebensmittel täglich aus dem Kühlhaus im Keller in die Küche unter dem Dach heraufwuppen würde.
Die Bezirksvertretung Innenstadt hat nun einstimmig beschlossen, das Projekt mit 235 000 Euro zu unterstützen, mit denen eine moderne Küche gleich neben der alten Küche installiert werden soll. Einen Aufzug soll es geben, und eine leistungsstarke Lüftung. Damit auch die Schnitzeltage nicht zu einer Belastungsprobe für die Küchenmitarbeiter werden.
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