Von Tanja Wessendorf, 28.07.10, 14:01h
Die wichtigste Neuerung im Garten: Er ist offener und übersichtlicher geworden. Gleichzeitig soll er alle Sinne ansprechen. Ein Barfuß-Pfad zieht sich von einer Seite zur anderen, auf dem sich Rasen und Pflastersteine abwechseln. Der Pfad verbindet zwei Springbrunnen miteinander und führt auch zum neuen Kräuter- und Gemüsegarten, den die Bewohner selbst pflegen. So sollen sie aktiv werden und ihre Geruchs- und Geschmacksnerven angeregt werden. Ganz bewusst wurden ältere Sorten wie Stachelbeeren angepflanzt, die die Bewohner an früher erinnern sollen. Die Ernte wird in den Hausgemeinschaften verwendet.
Die andere Ecke des Gartens ist zum Strand geworden, auf dem sogar ein Strandkorb steht. Im Sand liegen Eimer, Schaufel und Sieb, die die Bewohner manchmal selbst nutzen, eigentlich aber für die Kinder gedacht sind, die zu Besuch kommen. „Denen ist hier sonst langweilig und dann wollen sie nicht mehr kommen. Jetzt können sie bei uns im Garten spielen“, erklärt Elisabeth Römisch, Leiterin der Einrichtung. Weil die Bewohner gern häufiger Kinder um sich haben möchten, sucht das Haus Kontakt zu Schulen und Kindergärten.
Der neue Garten soll nicht nur hübsch aussehen, er erfüllt auch einen Zweck: Menschen mit einer demenziellen Veränderung haben häufig einen stark erhöhten Bewegungsdrang. Im umzäunten, flachen und übersichtlichen Garten können sie sich frei bewegen und gehen nicht verloren. Vorher sei das Gelände uneben und schwer einsehbar gewesen und habe deshalb manchen Bewohnern Angst gemacht. In den neuen, offenen Garten, der mit seinen Lampions und bunten Fahnen aussieht, als sei er für ein Sommerfest geschmückt, trauen sich die älteren Menschen wieder hinein. „Ich gehe sehr gern hier spazieren“, sagt auch Wilhelmine Völler.
Mit der Sanierung hat sich das Awo-Haus auch innerlich verändert. In jedem der fünf Wohnbereiche gibt es mittlerweile mindestens eine Hausgemeinschaft, in denen zehn bis 15 Bewohner in Einzel- oder Doppelzimmern leben, sich die Küche teilen und so viel wie möglich selbst machen. „Konkret bedeutet das zum Beispiel, die Bratwurst zum Essen selbst zu braten“, sagt Römisch. Insgesamt 210 Menschen wohnen im Arnold-Overzier-Haus, davon sind 176 pflegebedürftig, rund 70 Prozent an Demenz erkrankt. Das Durchschnittsalter liegt bei 86,8 Jahren. Die restlichen Bewohner leben zur Miete in eigenen Wohnungen im Haus und zahlen eine Pauschale für betreutes Wohnen. Dafür können sie im Haus günstiger essen, an den Aktivitäten teilnehmen und den Hausmeister- oder Pflegedienst in Anspruch nehmen. „Das wird immer mehr, die Einrichtungen müssen sich umstellen und unterschiedliche Betreuungsarten anbieten“, meint Elisabeth Römisch.
Kindergärten und Schulen, die Kontakt zu den Senioren am Severinswall 43 aufnehmen möchten, melden sich unter Telefon 0221 / 330 11 23.
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