Von Marin Majica, 28.07.10, 19:56h
Wie viele dieser Vorfälle, fragte einer der Journalisten an diesem Montag, seien wohl noch nie in einem Zeitungsartikel oder einem TV-Bericht aufgetaucht? Der Mann auf der Bühne zögerte mit der Antwort. „Fast alle“, sagte Julian Assange schließlich. Bekannt war der 1971 in Australien geborene Assange schon vorher. Neben dem Deutschen Daniel Schmitt ist der Programmierer, der Anfang der neunziger Jahren wegen diverser Computereinbrüche festgenommen und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, der einzige Wikileaks-Aktivist, der öffentlich auftritt. Das 2006 von ihm mitgegründete Projekt hat wiederholt für Aufsehen gesorgt, weil es geheime Dokumente veröffentlichte. Ende 2009 sah es so aus, als sei Wikileaks, an dem weltweit rund 1000 Aktivisten mitarbeiten, das Geld ausgegangen. Im April 2010 meldetet sich die Plattform zurück: mit dem Video „Collateral Damage“, das den todbringenden Angriff von US-Hubschraubern auf Zivilisten und Journalisten in Bagdad dokumentiert. Seitdem fließen die Spenden für das klandestine Netzwerk und Assange ist längst ein Prominenter. Auch das Interesse von Behörden und Geheimdiensten an Wikileaks und Assange ist deutlich gewachsen. Nach der Festnahme eines jungen Militäranalysten, der im Irak stationiert war und Wikileaks das Hubschrauber-Video zugespielt haben soll, war Assange einige Zeit unauffindbar. In seiner Jugend musste er sich mit seiner Mutter und seinem Stiefbruder an ständig wechselnden Orten vor dem Stiefvater verstecken. Auch jetzt scheint Assange wieder überall und nirgends zu Hause zu sein. Freunde haben ihm geraten, nicht in die USA einzureisen. Vor zwei Wochen tauchte er überraschend bei einer Konferenz in Oxford auf. Auf der Bühne erläuterte mit seiner stets sonoren Stimme, wie Wikileaks arbeitet.
Die „Kriegstagebücher“ sind sicher die spektakulärste Enthüllung des Netzwerkes. Sie auszuwerten wird Monate dauern. „Suchen sie breit“, empfahl Assange den Journalisten. Er selbst habe die Berichte zuerst nach allen Vorfällen durchforstet, bei denen Kinder getötet wurden. „So habe ich TF 373 entdeckt“, sagte Assange und meinte jene nun bekannt gewordene Spezialeinheit zur Ergreifung oder Liquidierung von Taliban. Deren Mitglieder haben einem Report zufolge sieben Kinder getötet, berichtete Assange. Dann verschwand er von der Bühne. Wie ein leichtfüßiger Geist.
Zweischneidig
30.08.2010 | 09.41 Uhr | SchmitzeJupp
Ich weiss nicht, ob ich Wikileak gut oder schlecht finden soll. Enthüllungen von Machenschaften (insbesondere der USA im Bestreben, irgendwo Krieg…
Verantwortungslos
02.08.2010 | 15.18 Uhr | Leser-Drucker
Der Mann het es fertig gebracht unbescholtene Menschen ans Messer zu liefern, in dem er die Namen der Quellen für viele Informationen nicht…
Enthüllung in allen Ehren
02.08.2010 | 10.31 Uhr | jaczi
Aber ist es immer gut? Ich denke nein, weil auch zukünftig geplante Aktionen und beteiligte Personen gefährdet werden können.
So wäre zB eine…
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