Von Carl Dietmar, 29.07.10, 18:23h
Brücke nicht passierbar
Erst in der Regierungszeit Karls des Großen (776-814), so wird vermutet, waren die Missionsbestrebungen der Kölner Bischöfe in Deutz erfolgreich. Der Frankenkönig hatte ja auch die Sachsen, die Deutz im Jahre 778 ein letztes Mal geplündert hatten, mit Waffengewalt zur Annahme des Christentums genötigt und ihr Stammesgebiet in das Frankenreich eingegliedert. Deutz war nun nicht mehr Außenposten der Franken. Ein zeitgenössischer Chronist berichtet, die Wahl des Kölner Erzbischofs Willibert habe im Jahre 869 / 70 in Deutz stattgefunden - per Schiff sei das Wählerkolleg nach Deutz gebracht worden. Wahrscheinlich war die steinere Brücke, die Kaiser Konstantin um 310 hatte anlegen lassen, schon nicht mehr passierbar, ihre Reste sollen in der Mitte des 10. Jahrhunderts abgerissen worden sein.
Verfälschte UrkundeIm Jahre 1003 wird die Deutzer Pfarrkirche St. Urban erstmals urkundlich erwähnt - in einer äußerst bedeutsamen Urkunde, die der damalige Kölner Erzbischof Heribert ausstellen ließ (die allerdings nur in einer verfälschten Form überliefert ist). Darin heißt es wörtlich: „Ich, Heribert, der heiligen Kölner Kirche unwürdiger Verwalter, habe den vierten Teil des Waldes, der Königsforst heißt, zu einer Pfründe für die Brüder bestimmt, die das Lob Gottes singen im Kloster der allerseligsten Jungfrau, das ich dank der göttlichen Huld in dem Deutzer Kastell errichtet und eingeweiht habe.“ Das Kastell, vorher Königsgut, befand sich zu diesem Zeitpunkt schon im Besitz des Erzbischofs, der ja auch weltliche Herr Kölns war. Warum er das Kloster errichten ließ, wird in mittelalterlichen Lebensbeschreibungen des Erzbischofs geschildert. Mit der Gründung wollte Heribert, ein Freund des verstorbenen Kaisers Otto III., ein Gelöbnis einlösen - er und der junge Kaiser hatten sich im Jahre 1000, vor einem Zug nach Italien, gegenseitig versprochen, dass derjenige, dem ein längeres Leben vergönnt ist, nach dem Tod des anderen ein der Mutter Gottes geweihtes Kloster gründen möge. Otto war aber im Januar 1002 unweit Roms gestorben.
Heribert, geboren um 970 in Worms, entstammte einer vornehmen rheinischen Familie, er hatte die Schule des Klosters Gorze (Lothringen) besucht, wo die entscheidenden religiösen Impulse erhielt. Mit 19 Jahren war er bereits in die königliche Hofkapelle, die Kanzlei des Reiches, berufen worden, als 22-Jähriger hatte man ihn zum Dompropst von Worms befördert. Seit 998 war Heribert selbst Kanzler, damit einer der mächtigsten Männer des Reiches. Und ein Jahr später hatte ihn „Volk und Klerus“ zum Erzbischof von Köln gewählt - im Dezember des Jahres 999 war er barfuß in Köln eingezogen.
Wie die Legende erzählt, soll die Gottesmutter dem Erzbischof im Traum erschienen sein - sie erinnerte ihn an sein Versprechen und zeigte ihm die Stelle, an der die Abtei errichtet werden solle, das Areal des Kastells. Heribert begann sogleich mit dem Bau des Klosters - indessen, so erzählt der Frankfurter Historiker Heribert Müller, der beste Kenner dieser Zeit, „stürzte die offensichtlich überhastet errichtete Kirche schon bald ein“. Den Neubau ließ Heribert dann von erfahrenen Architekten aus Ravenna errichten, eine außergewöhnliche Anlage: „Der oktogonale Innenraum mit einem Durchmesser von 19 Metern sucht seinesgleichen bis zu den Kuppelwundern der Renaissance“, sagt Müller.
Es dauerte aber bis ins Jahr 1020, ehe Benediktinermönche, etwa 40 an der Zahl, in das Kloster einziehen konnten, an ihrer Spitze Abt Folpert, ein herausragender Vertreter der gorzischen Reformbewegung. Wie man der oben erwähnten Urkunde entnehmen kann, hatte Heribert das Kloster großzügig mit Schenkungen bedacht, darunter Waldbesitz und Grundherrschaften und ganze Dörfer wie Kalk, Vingst, Poll und Westhoven. „Auch die Kirche zu Deutz habe ich mit dem ganzen Zehnten dem Kloster übergeben.“
Heribert starb am 16. März 1021, beigesetzt wurde er in seiner klösterlichen Gründung. Schon bald wurde er im Rheinland als Heiliger verehrt - und um 1170 wurden seine sterblichen Überreste vom kostbaren Schrein eingefasst, der noch heute in der Deutzer Kirche Neu St. Heribert zu bewundern ist.
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