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Guttenberg und Röttgen

Nachfolger von Merkel und Seehofer?

Von Markus Decker, 29.07.10, 23:44h, aktualisiert 29.07.10, 23:44h

Umweltminister Röttgen und Verteidigungsminister zu Guttenberg gelten als aussichtsreiche Kandidaten für die Nachfolge von Angela Merkel und Horst Seehofer. Paradox, doch wahr: Die CDU-Chefin muss Röttgen fördern, weil er ihr gefährlich werden kann.

Guttenberg
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Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg. (Bild: dpa)
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Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg. (Bild: dpa)
Norbert Röttgen
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Bundesumweltminister Norbert Röttgen. (Bild: dpa)
Norbert Röttgen
BERLIN - Als Karl-Theodor zu Guttenberg 2009 vom CSU-Generalsekretär zum Wirtschaftsminister aufstieg, da setzte es Kritik. Der damals 37-Jährige habe von Wirtschaft ja gar keine Ahnung, hieß es. Neid auf den adeligen Millionär war auch dabei. Schließlich malochen andere in der Politik jahrzehntelang, sind sachkundig, loyal, rhetorisch versiert - und werden trotzdem nichts, weil ihnen das Selbstbewusstsein und die Ausstrahlung fehlen. Wie das so ist mit der Gerechtigkeit im Leben.

Norbert Röttgen, seinerzeit Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, stellte sich vor Guttenberg. „Entscheidend für politische Ämter ist die politische Persönlichkeit“, so der heute 45 Jahre alte Rheinländer. Dies war umso souveräner, als Röttgen die Berufung ins Kabinett zunächst verwehrt blieb und Guttenberg sich auf einem Feld zu profilieren begann, das er selbst gerade fleißig bestellte: dem der Wirtschaftspolitik. Guttenberg stand Röttgen in der Sonne. Nun ist Röttgen Umweltminister. Beide operieren auf Augenhöhe. Und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass von ihrem Schicksal ein bisschen das Schicksal der Union abhängt. Der CDU- und der CSU-Politiker sind, um mit dem scheinbar Unpolitischen zu beginnen, die Jogi Löws am Kabinettstisch, gut aussehende und elegante junge Männer - ein Karriere-fördernder Umstand. Beide sind Familienväter. Guttenberg hat zwei, Röttgen drei Kinder.

Guttenberg ist volksnaher

Beide beherrschen die Kunst der Rede. Und beide wissen schließlich genau, was sie wollen. Ja, sie wissen es so genau, dass dieser Wille ihrer Karriere hinderlich geworden ist.

Es gibt außer der Parteizugehörigkeit jedoch zwei Unterschiede. Der erste: Während Guttenberg im Ranking der beliebtesten Politiker einen Spitzenplatz einnimmt, taucht Röttgen hier kaum auf. Das hat Gründe: Denn obwohl der Verteidigungsminister qua Herkunft in der Oberliga spielt, kommt er mit jedermann sofort ins Gespräch. Mit ihm können sich Menschen identifizieren. Der Umweltminister, dessen Vater Gewerkschafter war und ihm nach eigener Aussage „das Gespür für die kleinen Leute“ gab, hält Mitmenschen gern auf Distanz.

Der zweite Unterschied: Während CSU-Chef Horst Seehofer den mehr als 20 Jahre jüngeren Guttenberg als Konkurrenten klein zu halten trachtet, sucht Kanzlerin Angela Merkel händeringend nach Personal, mit dessen Hilfe sich der Aderlass in der CDU-Spitze kompensieren lässt und das den Eindruck verwischt, sie beiße alle, die ihr gefährlich werden könnten, weg. Paradox, doch wahr: Die CDU-Chefin muss Röttgen fördern, weil er ihr gefährlich werden kann. Die Voraussetzungen, unter denen Guttenberg und Röttgen antreten, sind also sehr ähnlich. Wie sie sich schlagen, darüber werden die nächsten Wochen entscheiden. Röttgen hat im Frühjahr deutlich gemacht, dass er den von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg im Wesentlichen beizubehalten gedenkt.

Röttgen liebäugelt mit Grün

Der Umweltminister rief damit jede Menge Kritiker auf den Plan. Besonders unangenehm sind die aus Baden-Württemberg, wo drei Atomkraftwerke mit fünf Reaktoren stehen. Ministerpräsident Stefan Mappus lässt keine Gelegenheit aus, Röttgen vors Schienbein zu treten. Er dürfte damit erst aufhören, wenn dieser nordrhein-westfälischer CDU-Landesvorsitzender werden sollte. Dann wäre Röttgen mächtig. Die Sprache der Macht wird in Baden-Württemberg verstanden.

Ohnehin ist glasklar: Wenn Röttgen den scheidenden Jürgen Rüttgers beerbt, ist er vorne mit dabei. Reüssiert er an Rhein und Ruhr nicht, wird er es auch in Konstanz und Stralsund nicht tun - wobei Vertraute der Kanzlerin betonen: Wer CDU-Landeschef werden will, muss auch bereit sein, bei Neuwahlen als Spitzenkandidat anzutreten. Zulasten Röttgens geht sein Liebäugeln mit schwarz-grünen Koalitionen. Hamburg zeigt und Demoskopen sagen: Bei zu viel grün sieht die CDU schwarz. Guttenberg hat wie Röttgen im Vorbeigehen eine tradierte Unionsposition räumen wollen: das Ja zur Wehrpflicht. CDU und CSU reagieren allergisch. Mittlerweile gilt das Ja zur Wehrpflicht als identitätsstiftend. Und Guttenberg laviert. Umwelt- und Verteidigungsminister haben das getan, was Merkel vermeidet: mit einer erkennbaren Position in eine Auseinandersetzung zu gehen. Nebenbei reizen sie die Modernisierungsfähigkeit der Union voll aus. Deshalb drohen Niederlagen.

Nichtsdestotrotz: Wenn Merkel und Seehofer das Feld räumen, dann könnten die politischen Freunde ums Kanzleramt ringen.



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