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GP von Ungarn

Täter trifft Opfer am Tatort

Von Olaf Bachmann, 29.07.10, 22:03h

Felipe Massa kehr nach Budapest zurück. Der durch Rubens Barrichello unabsichtlich verursachte Horror-Unfall der letzten Saison hätte Massa beinahe das Leben gekostet. Bei der Pressekonferenz saßen die beiden trotzdem nebeneinander.

Barrichello und Massa
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Ihre Karrieren sind schicksalhaft miteinander verwoben: Rubens Barrichello und Felipe Massa (r., Bild: dpa)
Barrichello und Massa
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Ihre Karrieren sind schicksalhaft miteinander verwoben: Rubens Barrichello und Felipe Massa (r., Bild: dpa)
BUDAPEST - Aus dramaturgischen Gründen war das wohl unvermeidlich: Am Donnerstag sitzen zwei brasilianische Formel-1-Piloten, deren Karrieren auf schicksalhafte Weise miteinander verwoben sind, nebeneinander auf dem Pressekonferenz-Podium. Vor einem Jahr hätte Rubens Barrichello (38) seinen Kollegen Felipe Massa (29) beinahe umgebracht - unabsichtlich zwar, aber: Täter trifft Opfer am Tatort.

Am Brawn-Mercedes Barrichellos löst sich während des Qualifyings zum Großen Preis von Ungarn 2009 bei Tempo 240 eine Dämpferfeder und schlägt im Cockpit des nachverfolgenden Ferrari F60 ein. Das 800 Gramm schwere Aufhängungsteil trifft Massas Helm, der sofort bewusstlose Passagier erleidet eine schwere Gehirnerschütterung und eine Schädelfraktur. In einer mehrstündigen Operation wird Massa ein Knochensplitter hinter der Augenhöhle entfernt. Tagelang liegt er im Koma, die Saison ist für ihn beendet.

Dass dieser Unfall die Initialzündung des zunächst bei Ferrari gescheiterten, dann bei Mercedes vollzogenen Comebacks des früheren Massa- und Barrichello-Teamkollegen Michael Schumacher auslöst, ist eine (ganz andere) Geschichte, deren Erfindung sich kein Drehbuchautor anmaßen sollte.

Naturgemäß reden Formel-1-Piloten wenig, am liebsten gar nicht über ihre Nahtod-Erfahrungen, Massa bildet da keine Ausnahme. Sehr emotional berichtet er von seinem gestrigen Besuch im Medical Center am Hungaro-Ring und davon, wie er sich bei seinem Rettern bedankt habe. Allerdings wisse er „kein einziges Detail des schlimmsten Crashs meiner Karriere“, sagt Massa, blickt dann hinüber zu Barrichello und juxt: „Ich bin mir aber sicher, dass in Rubens' Auto jetzt stärkere Federn eingebaut sind“.

Barrichello weiß im Gegenzug von einer Pokerrunde zu berichten, bei dem Kumpel Massa seinen lädierten Unfallhelm im blutgetränkten Urzustand auf den Tisch gestellt habe. Barrichello: „Ich habe an diesem Abend nicht nur viel Geld verloren, sondern in der Nacht kein Auge zugetan“. Das unterhaltsam amüsante Finale war einer Frage zu verdanken, für die sich Barrichello bei dem Journalisten in aller Höflichkeit bedankte: „Schön, dass Sie endlich das Thema wechseln“.

Das gestrige Hauptthema war, wie hätte es anders sein können, der Hockenheimer Teamorder-Skandal und dessen Aufarbeitung, für die wohl keine besseren Zeugen und Sachverständige vorstellbar sind als der ehemalige Ferrari-Pilot Barrichello und sein Nachfolger in Maranello, Felipe Massa. Der von der Ferrari-Teamleitung über Funk angeordnete Platzwechsel zwischen Massa und dem späteren Sieger Fernando Alonso hat die von Insidern erwarteten Reaktionen in der Heimat ausgelöst.

In brasilianischen Internet-Foren muss sich Massa - wie einst Barrichello nach dem Teamorder-Skandal in Zeltweg 2002 mit Michael Schumacher - als „Vaterlandsverräter“ und „ewiger Verlierer“ beschimpfen lassen. „Wer so etwas sagt, tut mir weh. Mein Land ist das wichtigste für mich“, sagt Massa. Betroffen sah Barrichello in diesem Moment aus. „Felipe fühlt sich genauso wie ich mich gefühlt habe", sagt er. Niemals, fügt er hinzu, wolle er auf eine solche Art Weltmeister werden: „Dann verzichte ich lieber auf den WM-Titel. So ein Weltmeister will ich nicht sein. So hat mich mein Vater erzogen, und so erziehe ich meine Kinder". Einer Echtheitsgarantie wird diese Moralpredigt des Williams-Piloten nicht mehr unterzogen, aber es sind nicht die einzigen starken Worte dieser emotionalen Pressekonferenz. Massa kündigt an, dass er in Budapest „unter allen Umständen um den Sieg fahren“ werde. Auf die Frage, wie er sich in einer mit Hockenheim vergleichbaren Situation verhalten werde, sagt Massa mit Pathos: „Ich werde gewinnen!“ Nach dieser Kampfansage an Alonso darf man gespannt sein auf den sonntäglichen Funkverkehr.



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