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„Köln tut zu wenig für den Dom“

Erstellt 02.08.10, 08:58h, aktualisiert 29.10.10, 11:47h

Dompropst Norbert Feldhoff warnt davor, die Ausgaben im Sozialbereich weiter zu kürzen. Im Interview mit Andreas Damm und Matthias Pesch spricht er über kritische Orte der Domumgebung - und über die Zukunft der Skater auf dem Roncalliplatz.

Dompropst Norbert Feldhoff
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Dompropst Norbert Feldhoff (Bild: Max Grönert)
Dompropst Norbert Feldhoff
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Dompropst Norbert Feldhoff (Bild: Max Grönert)
Ostseite der Dom-Umgebung
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Schandfleck erster Güte: die Ostseite der Dom-Umgebung (Bild: Worring)
Ostseite der Dom-Umgebung
Köln - Die Finanzkrise zwingt die Stadt zum Sparen. Kaum hat der Oberbürgermeister seinen Haushaltsplan vorgestellt, regt sich Protest in der Bürgerschaft und bei den Verbänden. Die Caritas droht der Stadt sogar mit einer Gerichtsklage.

NORBERT FELDHOFF: Wenn der Caritas-Verband die Interessen der ärmeren Menschen berührt sieht, muss er sich äußern.

Aber gleich mit einer Gerichtsklage?

FELDHOFF: Da muss auch mit harten Bandagen gekämpft werden, anders funktioniert das nicht.

Am Sparen geht nun mal kein Weg vorbei. Was macht die Stadt denn verkehrt?

FELDHOFF: Ich weiß, wie komplex so eine Haushaltssituation ist. Deshalb halte ich mich zurück, aus Respekt vor denjenigen, die dieses gewaltige Projekt umsetzen müssen.

Haben Sie keine Schmerzgrenze?

FELDHOFF: Ich würde mich nur äußern, wenn sie dem Dom nichts mehr geben würden. Da bin ich Partei. Ich sage ohnehin: Was die Stadt für den Dom tut, ist zu wenig.

Also keine finanzpolitischen Vorschläge für den Stadtrat?

FELDHOFF:Ich bin in zwei Punkten sicher: Man kann den Kulturbereich nicht auf Null fahren und eben so wenig die Ausgaben im Sozialbereich ständig reduzieren. Denn das hat Folgen, die negativ sind für den Frieden in der Stadt.

Die neue U-Bahn kostet mehr als eine Milliarde Euro. Sind solche Ausgaben zu vertreten, wenn es um das Überleben sozialer Initiativen geht?

FELDHOFF: Der öffentliche Nahverkehr ist für den Alltagsbetrieb in der Stadt enorm wichtig ist. Man darf aber fragen, ob der Aufwand angemessen ist für eine solche Strecke und den überschaubaren Zeitgewinn. Wenn man jetzt sieht, mit welchen Schäden der Bau verbunden ist, ist das natürlich eine sehr kritische Situation. Ich frage mich, ob das in einem solchen historischen Innenstadtbereich notwendig war.

Das neue Eingangsbauwerk für den Südturm ist fertig, der Petrusbrunnen wieder aufgestellt. Nähern sich der Dom und seine Umgebung dem Zustand, wie sie ihn sich vorstellen?

FELDHOFF: Die kritischste Seite in der Domumgebung ist der Osten mit dem Dionysos-Brunnen und dem Baptisterium. Der Entwurf für die Umgestaltung ist gut und wird ja inzwischen auch von allen in der Stadt befürwortet.

Aber wird der Bund statt der erhofften 16 Millionen Euro lediglich fünf Millionen Euro geben. Was bedeutet das für dieses Projekt?

FELDHOFF: Dass die Stadt mit der meistbesuchten Welterbestätte von insgesamt 170 Millionen nur fünf Millionen erhält, ist beschämend. Ich denke, die Stadt und das Land NRW müssen sich hier jetzt stärker engagieren. Die Ostseite des Domes und die Umgebung des frühchristlichen Baptisteriums müssen städtebaulich verbessert werden. Dieser Schandfleck muss in den nächsten Jahren verschwinden.

So wichtig die Ostseite ist - Ihre Wünsche gehen weiter.

FELDHOFF: Der Dompropst hat da natürlich einen ans Utopische grenzenden Wunsch: Dass man wieder Treppenstufen zum Westportal bekommt. Damals in den 1970er Jahren wurden der Kathedrale, was alle Fachleute bedauerten, quasi die Füße weggenommen worden. Das müsste rückgängig gemacht werden.

Die Pläne der Stadt sehen auch eine breitere Treppe zum Roncalliplatz an der Köselschen Buchhandlung vor.

FELDHOFF: Der Entwurf ist interessant, aber ich bin gespannt, ob das technisch machbar ist, denn dafür müsste ja das Entlüftungsbauwerk für die Tiefgarage entfernt werden. Besser wäre es, den Entwurf von Architekt Kaspar Kraemer zu verwirklichen und den Roncalliplatz an dieser Stelle mit einem Gebäude abzuschließen. Das wäre eine deutliche städtebauliche Verbesserung.

Was soll mit den Skatern am Dom passieren?

FELDHOFF: Ich bin sehr erfreut über das Rechtsgutachten von Professor Johlen, das Möglichkeiten eröffnet, wie die Stadt das Skaten am Dom verbieten kann. Man vergisst heute leicht, dass dadurch Schäden am Südportal des Domes entstanden sind. Wir ha ben dort ja nicht aus Jux und Dollerei dieses teure Gitter installiert.

Kritiker stören sich auch an dem Lärm.

FELDHOFF: Die Lärmbelästigung betrifft eher die wenigen Bewohner des Roncalliplatzes und die Gäste des Dom-Hotels. Belästigt und unsicher fühlen sich vor allem ältere Passanten, wenn sie rechts und links die Skater um sich haben. Ich verstehe die jungen Leute, denn der Roncalliplatz ist für sie die schönste Stelle, sie haben nirgendwo sonst so viel Publikum. Aber eine Güterabwägung müsste dazu führen, dass es dort ruhiger wird.

Glauben Sie, dass die geplante Anlage im Rheinauhafen angenommen wird?

FELDHOFF: Auf jeden Fall muss so ein Alternativangebot gemacht werden. Die Frage ist, ob das aus reicht. Letztlich helfen da nur rechtliche Maßnahmen. Die Stadt muss auch die Kraft haben, das Skaten zu untersagen, sonst funktioniert es nicht.

Köln als Stadt ist nicht zuletzt wegen der vielen Kriegswunden nicht durchgängig schön. Müsste man nicht viel mehr darauf achten, dass neue Bauprojekte wirklich erstklassig werden, die Leute zum Staunen bringen. Man hat den Eindruck, es entsteht zu viel Durchschnitt.

FELDHOFF:Eines habe ich schon vor Jahren nicht verstanden: Ein Stadtraum lebt von besonderen Gebäuden. Ich finde unsere Philharmonie unter der Erde schön, aber vom Stadtraum her ist es ein Verlust, dass man nicht über die Erde gegangen ist. Die Stadt hat die Chance verspielt, schöne Architektur in den Raum zu bringen. Köln hat nur wenig bedeutende Architektur über der Erde und leidet vor allem darunter, dass es keine bedeutenden Plätze hat. Deshalb ist es ein Anliegen der Kirche dass man die Umgebung der Romanischen Kirchen angemessen gestaltet. Das ist nicht nur für die Kirche, sondern auch städtebaulich wichtig.

Das Erzbistum hat mit dem Bau des Museums Kolumba gezeigt, wie so etwas gehe kann.

FELDHOFF:Köln hat ohne Zweifel hoch bedeutende Museen. Aber architektonisch sind sie nicht von Weltbedeutung. Als Generalvikar hatte ich den Ehrgeiz, für ein kleines Museum mit einem tollen Konzept eine Architektur zu finden, die internationale Aufmerksamkeit findet. Deshalb haben wir einen Wettbewerb ausgelobt. Am Ende ist mit Peter Zumthor etwas gelungen, was man auch nach Jahren noch beachten wird. Städtebaulich ist das Haus ein absoluter Gewinn. Wenn man heute Dischhaus und Kolumba gegenüber sieht, dann ist das eine wunderschöne Kontrastsituation.

Ist Eintritt im Dom für Sie ein Thema?

FELDHOFF: Für uns im Domkapitel nicht. Wenn wir von den geschätzten sechs Millionen Besucher im Jahr nur einen Euro Eintritt nähmen, könnten wir alle Baukosten mit diesen Einnahmen bestreiten. Aber wir wollen den Eintritt frei lassen, dafür müssen die Führungen sich tragen. Da sind wir hart. Alle kirchenmusikalischen Aufführungen sind ebenfalls frei, auch das möchten wir durchhalten. Wir bitten nach Konzerten am Ausgang um Spenden, aber wer nicht bezahlen will oder kann, der soll auch so an einer Orgelfeierstunde teilnehmen können. Das ist ein wichtiger Standard, den wir hochhalten sollten.



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