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Interview mit Adler

„Neuer hat einen Vorteil“

Erstellt 30.07.10, 22:02h, aktualisiert 30.07.10, 22:03h

Mittlerweile ist Renè Adler wieder von seinem Rippenbruch genesen, der ihn um die WM in Südafrika brachte. Im Interview mit Christian Oeynhausen spricht der Bayer-Keeper über die Nationalelf, Michael Ballack und Leverkusens Ambitionen.

Renè Adler
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Renè Adler. (Bild: Rainer Dahmen)
Renè Adler
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Renè Adler. (Bild: Rainer Dahmen)
Herr Adler, sind Sie wieder voll hergestellt, gesundheitlich und mental nach dem Frust der WM-Absage wegen des Rippenbruchs?

RENÉ ADLER: Ich sehe mich als komplett gesund und fit. Die Verletzung ist vollständig ausgestanden. Ich bin jetzt seit fünf Wochen im Training. Ich habe auch die Kopfblockade überwunden, weil ich relativ schnell nach der Operation wieder angefangen habe, in den normalen Bewegungsablauf reinzukommen. Ich habe schon beim ersten Training gar nicht mehr gewusst, auf welcher Körperseite die Verletzung eigentlich war.

Wie haben Sie die WM erlebt?

ADLER: Ich habe eigentlich nur unsere Spiele angeschaut. Es ist ja klar, dass ich mir die Mannschaft, als deren aktiver Teil ich mich sehe, ansehe. Aber es war nicht einfach. Eine Mischung aus Wehmut und Freude, die Jungs da erfolgreich spielen zu sehen. Aber ich habe den Weg gewählt, bewusst wenig von der WM zu sehen. Zum einen, um einen Abschluss für mich zu finden, um Abstand zu bekommen. Zum anderen, weil ich wegen der Reha einfach wenig Zeit hatte.

„Ein Sieg der Vernunft“ hat der „Kölner Stadt-Anzeiger“ über ihre Absage geschrieben, nachdem sie erwogen hatten, sich mit gebrochener Rippe durch die WM zu quälen. War es vernünftig?

ADLER: Ja, auf jeden Fall. Aber es war die schwierigste Entscheidung meiner Karriere. Man trägt so einen Entscheidung hinterher noch länger mit sich rum. Man hat schon schlaflose Nächte. Aber es war richtig. Es war eine Entscheidung für mich und für das Team: Es wäre einfach nicht René Adler in Topform gewesen. Ich bin mir sicher, dass mich auch dieses Negativ-Erlebnis voranbringt. In welcher Form, das wird die Zukunft zeigen.

Bayer Leverkusen hat sich spektakulär verstärkt Wie sehen Sie Michael Ballacks Rolle bei und für Bayer 04?

ADLER: Die Mannschaft wird in einem anderen Licht stehen, es wird ein bisschen mehr Medieninteresse geben. Das wird sich vielleicht auf den Michael konzentrieren, was für den einen oder anderen Spieler ganz gut ist. Man sieht aber auch, dass der Verein eine Entwicklung gemacht hat. Dass man mit Hilfe der Bayer AG so einen Transfer stemmen kann, ist ein Ausrufezeichen für den Verein in ganz Europa.

Die sportlichen Erwartungen an die Mannschaft steigen

ADLER: Wir haben unser Ziel im letzten Jahr erreicht, auch wenn mehr drin gewesen wäre. Jetzt wollen wir den nächsten Schritt gehen. Der muss ganz klar heißen: Zurück in die Champions League zu kommen, wieder unter den besten Mannschaften Europas zu sein. Dieses Potenzial haben der Verein und die Mannschaft. Wir sind breiter und stärker aufgestellt, um die Zusatzbelastung durch die Europa League zu kompensieren.

Als Ballack bei seiner Vorstellung in Leverkusen gefragt wurde, wen er schon gut kennt, hat er zuerst Sie genannt. Was verbindet Sie?

ADLER: Zum einen der gemeinsame Hintergrund. Wir sind beide in der ehemaligen DDR geboren. Er war für mich hilfreich, als ich als junger Spieler in die Nationalmannschaft kam. Da war Michael Ballack, der Weltstar, zu dem man mit gehörigem Respekt aufschaut. Eine Autoritätsperson, der gegenüber man sogar ein bisschen schüchtern ist. Die Hierarchien gibt es und die wird es auch immer geben. Die Schüchternheit legt man dann mit der Zeit ab. Wir kamen sofort ins Gespräch und haben Erfahrungen ausgetauscht. Er war in der DDR in der Sportschule, ich habe ein ähnliches System in der Schule gehabt. Es hat mir Spaß gemacht, Anekdoten auszutauschen, über alte Zeiten zu reden, die ganz anders waren als der jetzige Profifußball. So kam das und wir verstehen uns gut.

Wie sehen Sie ihre Zukunft in der Nationalmannschaft?

ADLER: Ich sehe mich als festen Bestandteil der Mannschaft und wenn ich meine Leistung bringe, wovon ich ausgehe, werde ich auf Jahre hinaus Teil der Mannschaft sein. Aber ich kann auch sagen, ohne dass es mir schwer fällt, dass Manuel Neuer einen Vorteil hat. Ich bin nicht der Typ, der sich hinstellt und über die Medien sagt: Ich bin die eigentliche Nummer eins, ich hätte ja gespielt. Die Mannschaft hat in Südafrika gut gespielt, Manuel hat gut gespielt. Also gibt es erstmal keinen Grund zu wechseln.

Wie beurteilen Sie die Diskussion um das Kapitänsamt bei der Nationalelf?

ADLER: Es ist schwer für mich, etwas dazu zu sagen. Ich bin Teil der Mannschaft. Wir haben die WM-Qualifikation geschafft. Mit einem Michael Ballack als hervorragendem Kapitän, der uns nach Südafrika geführt hat, der uns in den entscheidenden Spielen gegen Russland sehr gepusht hat. Es war beeindruckend, welche Präsenz er da gezeigt hat. Auf der anderen Seite schätze ich Philipp Lahm als hervorragenden Spieler, auch als Führungsspieler. Natürlich sind das zwei verschiedene Charaktere. Ich bin der Meinung, dies während der WM zu thematisieren war vielleicht nicht so glücklich. Aber ich war weit weg und weiß nicht, wie das gekommen ist. Also halte ich mich da zurück. Es ist eine Sache, die der Micha mit dem Bundestrainer klärt, und er will ja auch mit Philipp die Aussprache suchen. Dann wird das Thema aus dem Weg geräumt.

In den letzten Jahren ist der Eindruck entstanden, als sei der Konflikt unausweichlich, als gebe es bei der DFB-Elf eine Ballack-Welt und eine andere Welt der jungen Spieler, die auf Kollisionskurs sind. Stimmt das?

ADLER: Schwer zu beurteilen für mich, ich bin ja noch nicht so lange dabei. Wenn Sie es so sehen, bin ich ja auch jemand aus der neuen Welt, aus der Generation der jungen Spieler, die vielleicht eine andere Entwicklung durchgemacht haben. Der Balle (Ballack, d. Red.) hat viele große Turniere gespielt mit anderen Charakteren. Mit Olli Kahn, Dietmar Hamann, Jens Jeremies, Bernd Schneider, Oliver Neuville. Wir sind eine andere Generation, andere Typen. Die Altersspanne wird größer, es kommen immer neue junge Spieler, und er wird ja nun auch nicht jünger. Dass da manche Interessen unterschiedlich sind, ist normal. Das wäre in jedem anderen Beruf ja auch so. Ich bin der Meinung, es zählt die Leistung. Die hat er immer abgerufen. Deswegen stellt sich die Frage für mich nicht.

(Das Gespräch führte Christian Oeynhausen)

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