Schriftgröße

Loveparade

Funklöcher und Unstimmigkeiten

Von Sarah Brasack, 30.07.10, 18:51h, aktualisiert 31.07.10, 11:42h

Zwei Kräfte privater Sicherheitsfirmen berichten von einem technischen wie organisatorischen Chaos auf dem Gelände der Loveparade. ksta.de berichtet am Samstag live von der Trauerfeier und den Kundgebungen in Duisburg.

Loveparade-Ordner
Bild vergrößern
Ramponierte Gitter, ramponiertes Image: Ordner der Loveparade in Duisburg. (Bild: ddp)
Loveparade-Ordner
Bild verkleinern
Ramponierte Gitter, ramponiertes Image: Ordner der Loveparade in Duisburg. (Bild: ddp)
DUISBURG/KÖLN - Das tödliche Chaos auf der Loveparade könnte durch Kommunikationsmängel auf vielen Ebenen mit verursacht worden sein. Diesen Verdacht haben Mitarbeiter von zwei privaten Sicherheitsfirmen gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ durch konkrete Aussagen erhärtet. Sie waren auf dem Gelände als Subunternehmer für die vom Veranstalter beauftragten Sicherheitsfirmen im Einsatz. „Es war den einzelnen Mitarbeitern an den brisanten Stellen nach meinem Eindruck nicht möglich, zu überblicken, wer wo das Sagen gehabt hat“, berichtet der Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma, der unerkannt bleiben will.

Fünf private Sicherheitsfirmen hatte der Veranstalter offiziell engagiert, deren Funksprüche von einer zentralen Instanz gebündelt werden mussten. Faktisch seien - seinem Eindruck nach - aber viel mehr Firmen im Einsatz gewesen, so der Geschäftsführer, da diese fünf wiederum viele Mitarbeiter aus anderen Unternehmen rekrutiert hätten. „Vermutlich waren es Mitarbeiter von insgesamt 20 Firmen.“ Ein bunter Haufen. Dass bei Großveranstaltungen mehrere Unternehmen vom Veranstalter beauftragt würden, sei nicht ungewöhnlich. „Eine Firma allein kann das in der Regel nicht stemmen.“ Diese Aufteilung sei nicht problematisch, solange die Kommunikation funktioniere. „Die hat in Duisburg in weiten Teilen versagt.“

Um die verschiedenen privaten Sicherheitsfirmen bei Großveranstaltungen zu koordinieren, wird üblicherweise ein „Head of Security“ eingesetzt, oft ein Mitarbeiter einer beteiligten Sicherheitsfirma. Nach Angaben des „Spiegel“ wurde diese Leitung bei der Loveparade einem Mitarbeiter einer Firma übergeben, die für den Eingangsbereich zuständig gewesen sein soll.

„Nicht Hand in Hand“

„Ich habe erst im Nachhinein durch die Presse erfahren, dass es bei der Loveparade überhaupt einen »Head of Security« gab“, sagt der Geschäftsführer. Seine Mitarbeiter hätten nur in Funkkontakt zu dem Chef der Firma gestanden, die sie als Subunternehmen beauftragt hätte. Der wiederum habe an die zentrale Einsatzleitung gefunkt. Ob in der Einsatzzentrale auch Polizei neben dem Veranstalter saß? Das wisse er nicht. Seine These: „Das war nicht Hand in Hand, sondern jeder für sich.“

„Massive Unstimmigkeiten bei der Kommunikation“ bestätigt auch Damian Glonkowski, der für das Kölner Unternehmen BSS Security im Auftrag der Firma R.A.D. im Führerhaus eines Parade-Wagens saß, der auf dem Veranstaltungsgelände kreiste. So habe er nach der Massenpanik von der Einsatzzentrale über Funk den Auftrag bekommen, weiterzufahren und die Musik weiterlaufen zu lassen. Nach ungefähr drei Stunden sei der Befehl zum Wagenstopp dann von Polizisten gekommen, die sich seinem Wagen in den Weg stellten - und nicht von der Zentrale.

Der Funkkontakt zur Einsatzzentrale sei nicht überall auf dem Gelände möglich gewesen, sagt Glonkowski. „Es gab zwei Stellen auf unserem Weg, wo ich und meine Kollegen schon vorab wussten, dass wir ein Funkloch haben“, sagt Glonkowski. Warum, wisse er nicht genau. „Mein Handy konnte ich sowieso nicht benutzen. Das Netz war ja schon sehr früh tot.“ An den entsprechenden zwei Stellen hätte er mit seinem Wagen zum Teil länger gestanden. „Wenn in diesen Momenten vor mir Panik ausgebrochen wäre, hätte ich die Zentrale nicht erreicht.“ Zur Polizei und den Rettungssanitätern oder anderen Kollegen war Glonkowski kein Funkkontakt möglich.

„Diese Kommunikation kann im Ernstfall zu lange dauern“, kritisiert Bernd Streckhardt, Inhaber von B & M Security in Nürnberg, die die Loveparade in Berlin betreut hat. Bei ihnen sei es deshalb üblich, mit Polizei und Rettungssanitätern direkt in Kontakt zu stehen.

Funklöcher und Unstimmigkeiten sind eine Sache: Unklar ist aber auch, ob alle Ordner an den entscheidenden Stellen mit Funk ausgestattet waren. Ein Augenzeuge berichtete, Ordner hätten sich geweigert, nach der Massenpanik den von ihnen bewachten Notausgang zu öffnen. Seine Bitte um Nachfrage bei der Zentrale wiesen sie ab. Die Begründung: „Wir haben keinen Funk.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Bildergalerien


Anzeige


Neue Videos