Erstellt 30.07.10, 19:23h
„Die Abschwächung ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass die vor der Krise vereinbarten hohen und mit einer langen Laufzeit versehenen Stufenabschlüsse allmählich auslaufen“, sagte ein Statistiker. Gleichzeitig seien die neu vereinbarten Lohnerhöhungen deutlich niedriger ausgefallen als im Vorjahr. Trotz des geringen Anstiegs kletterten die Tarifverdienste fast doppelt so kräftig wie die Teuerungsrate, die bei 1,0 Prozent lag. Allerdings profitierten aufgrund von Kurzarbeit, der Kürzung von Sonderzahlungen und der vorübergehenden Aussetzung von Lohnerhöhungen nicht alle Beschäftigten in vollem Umfang. Am geringsten stiegen die tariflichen Monatsverdienste im Gesundheits- und Sozialwesen mit 0,9 Prozent.
In einigen Branchen fielen die Tariferhöhungen jedoch kräftig aus. So gab es im Baugewerbe ein Plus von 3,6 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es einen Zuwachs von 2,6 Prozent. Dagegen mussten sich die Beschäftigten in Handel und Gastgewerbe mit plus 1,6 Prozent zufrieden geben. Im Öffentlichen Dienst und bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern gab es jeweils ein Plus von 1,5 Prozent.
Die Gewerkschaften wollen in den nächsten Tarifrunden einen Nachschlag durchsetzen. Die Arbeitgeber weisen Gewerkschaftsforderungen nach höheren Lohnabschlüssen zurück. „Es wäre fatal, den Aufschwung durch überzogene Lohnforderungen zu gefährden“, sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Ziel müsse es sein, die wirtschaftliche Erholung durch eine „kluge Tarifpolitik“ und wettbewerbsfähige Arbeitsplätze zu fördern. Ein Überblick über anstehende Verhandlungen:
Deutsche Bahn: Der Tarifvertrag endet diesen Samstag. Transnet und GDBA fordern Einkommensverbesserungen von sechs Prozent und ein einheitliches Lohnniveau für die Branche. Die Bahn hat Töchter gegründet, in denen weniger Lohn als an die regulären DB-Beschäftigten gezahlt wird.
Eisen- und Stahlindustrie: Der Tarifvertrag läuft am 31. August aus. Konkrete Tarifforderungen gibt es noch nicht.
Öffentlicher Dienst (ohne Berlin und Hessen): Die Friedenspflicht endet am 31. Dezember. Richtwert könnte der Abschluss für die Beschäftigten von Bund und Ländern sein, deren Gehalt stufenweise um 3,5 Prozent angehoben wird. Die Gewerkschaft Verdi hatte ursprünglich rund fünf Prozent gefordert.
Chemieindustrie: Die Tarifverträge in den wichtigsten Regionen enden im Februar 2011. Die Gewerkschaft IG BCE prüft einen vorzeitigen Ausstieg aus Verträgen, in denen zum Arbeitsplatz-Erhalt starke Einbußen vereinbart wurden.
Bauhauptgewerbe: Stichtag ist hier der 31. März 2011. Die IG Bau verlangt einen „Nachschlag“ für die Lohnzurückhaltung in schlechten Zeiten.
Einzelhandel: In den meisten Regionen läuft der Tarifvertrag am 30. April 2011 aus. Forderungen der Gewerkschaften sind noch nicht bekannt. (rtr)
In der Krise: Tarifabschlüsse waren moderat
Mindestlöhne: Weniger als sechs Euro pro Stunde
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