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Waldschule

„Das wäre ein Unglück“

Von Renate Hofmann, 02.08.10, 15:55h

Seit 25 Jahren gibt es die Waldschule in Köln-Eil. Die Nachfrage nach den Plätzen an der naturnahen Schule ist riesig. Trotzdem steht der Einrichtung die Schließung bevor, wenn die Stadt den Rotstift ansetzt.

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Auch Mutproben hält die Waldschule bereit. SDW-Vorsitzender Hermann Remaklus lässt unter den Augen von Naturpädagoge Heribert Kolvenbach eine Stabheuschrecke auf seiner Hand sitzen. (Bild: Hofmann)
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Auch Mutproben hält die Waldschule bereit. SDW-Vorsitzender Hermann Remaklus lässt unter den Augen von Naturpädagoge Heribert Kolvenbach eine Stabheuschrecke auf seiner Hand sitzen. (Bild: Hofmann)
Eil - Hermann Remaklus ist kein Mann der großen Worte. Deshalb formuliert der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), die in Gut Leidenhausen beheimatet ist, erst einmal vorsichtig: „Das wäre ein Unglück für Eltern und Schüler.“ Und dann rutscht es ihm doch heraus: „Man würde sich an den Kindern versündigen.“ Was Remaklus so umtreibt, ist der Umstand, dass der Waldschule, die der Verein betreibt, eine Mittelkürzung droht. Dann könnte der Unterricht nicht fortgeführt werden.

Seit 25 Jahren besteht die Einrichtung. Seither haben rund 250 000 Kinder den Naturkunde-Unterricht von Heribert Kolvenbach genossen, der seit den ersten Tagen mit dabei ist. Ein Ende der Nachfrage ist nicht abzusehen: Die Einrichtung ist noch bis Ende 2012 ausgebucht.

Das bringt allerdings ein besonderes Problem mit sich. Denn Heribert Kolvenbach ist gerade in den Ruhestand getreten. Ein Nachfolger ist mit Frank Küchenhoff zwar gefunden, doch konnte ihm nur ein Vertrag bis Ende des Jahres angeboten werden. Solange ist die Übernahme der Personalkosten in Höhe von jährlich 60 000 Euro durch die Stadt Köln gesichert. Was danach kommt, weiß keiner.

„Unser Problem ist, dass wir einem falschen Etat zugeschlagen sind“, sagt Remaklus. „Wir werden über das Amt für Grünflächen und Umweltschutz finanziert.“ Da dort viele freiwillige Leistungen beheimatet seien, werde der Rotstift unter dem herrschenden Sparzwang sehr deutlich angesetzt. „Die Waldschule ist aber eine direkte schulische Leistung“, ergänzt der Vorsitzende. „Wir müssten eigentlich zum Schulamt gehören.“ Da wären die Zuschüsse sicherer, denn dass an der Bildung nicht gespart werden dürfe, sei parteiübergreifender Konsens.

Dass die Waldschule für die Kinder außerordentlich wichtig sei, auch darüber herrsche Einigkeit. „Sie ist eine hoch angesehene Einrichtung“, sagt Remaklus. Ihr Erhalt sei auch deshalb von Bedeutung, da Stadtkinder heute sehr naturfern aufwachsen würden. „Das hätte ich nicht geglaubt, dass man im Wald so viel erleben kann“, hat Kolvenbach denn auch einmal ein Steppke gestanden. „Wir müssen die Natur für die Kinder aufschließen“, ergänzt der Pädagoge. „Alleine schaffen sie das nicht. Die Vielfalt ist einfach zu groß.“

Aber nach einem Besuch in der Waldschule wissen die Jungen und Mädchen, dass Linden herzförmige Blätter haben (weshalb man sie auch als Liebesboten benutzen kann). Auch werden sie mit den sanften Seiten der Brennnessel bekannt gemacht, deren Haare keinen Schmerz auslösen, wenn die Blätter von unten berührt werden. „So funktioniert ihr Fress-Schutz: Der Feind kommt von oben“, schmunzelt Kolvenbach. Die beiden Seiten der Eichel werden den Grundschülern ebenfalls näher gebracht: Beim ersten Biss sind sie furchtbar bitter. Doch wer sie länger im Mund behält, entdeckt ihren Nussgeschmack. „Die Indianer wässern sie zwei Tage und backen dann ein schmackhaftes Brot aus ihnen.“

Und natürlich spielen auch die großen und kleinen Tiere des Waldes eine Rolle. Hierfür nutzt die Waldschule die benachbarte Greifvogelschutzstation und ihre handzahmen Dauerbewohner. Da dürfen die Kinder auch schon mal das Gefieder eines lebendigen Uhus streicheln. „Dafür braucht man schon ein bisschen Mut“, fährt Kolvenbach fort. „Aber anschließend muss man mal in die leuchtenden Augen der Kinder schauen.“ Dann sei klar: Sie haben nicht nur etwas gelernt, sondern auch etwas erfahren, was ihnen lange in Erinnerung bleiben wird.



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