Von Lara Cömert, 05.08.10, 13:53h, aktualisiert 05.08.10, 13:56h
Im Gegensatz zu meinen Eltern habe ich nur mein Handy dabei, und bin damit mindestens genauso gut ausgerüstet. Hier habe ich ebenfalls eine Karte zur Hand, Google-Maps weist mir den Weg, die Nummern der Freunde sind sowieso gespeichert. Habe ich Fragen bezüglich des Weges, wende ich mich an meine Freunde bei Facebook und wenn ich überhaupt nicht mehr weiß, wo ich mich gerade befinde, kann ich mich zur Not selbst orten. So gelangt man im Jahr 2010 an sein Ziel.
Die Kommunikation zwischen Jugendlichen läuft längst nicht mehr bloß verbal ab, sondern vor allem online. Ob im Café, in der Bahn, in der Bücherei oder auf der Toilette, das Handy musst immer griffbereit sein, schließlich ist es das zentrale Kommunikationsmittel und teilt uns mit, wer gerade was auf Facebook gepostet hat, wo die nächste Party steigt, oder ob sich der Treffpunkt vielleicht doch geändert hat. Dauer-online zu sein ist ein Muss.
Die diesjährige Ausgabe der Studienreihe „Gesprächskultur in Deutschland“ bestätigt, dass sich das Kommunikationsverhalten besonders unter Jugendlichen rasant verändert hat. 82 Prozent der 14- bis 17-Jährigen und 67 Prozent der 18- bis 29-Jährigen tauschen sich täglich online aus, zwei Drittel der Jugendlichen chatten regelmäßig. Etwa die Hälfte der Unter-25-Jährigen nutzen soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ.
Die Folgen dieser Online-Kultur sind uns Jugendlichen so gut wie gar nicht bewusst. Während unsere Eltern deutlich Wert darauf legen, ihrem Gegenüber ins Gesicht zu schauen, findet dies laut Studie mittlerweile weniger als die Hälfte der jungen Menschen wichtig. Der Unterschied zwischen einer persönlichen Unterhaltung und dem Austausch per Mail oder Instant Messaging, bei dem die Kurznachrichten hin und her gehen, scheint sich langsam aber sicher in Luft aufzulösen. Kontakt ist Kontakt, ob per technisches Medium oder nicht.
Eine weitere Folge ist die zunehmende Abhängigkeit von einem kommunikativen Grundrauschen. Man muss unaufhörlich anrufen, anklopfen, anstubsen, gruscheln und seine Netz-Existenz aufrechterhalten, sonst wächst das Gefühl einer inneren Wertlosigkeit.
Viele Ältere beschweren sich dabei über die „Generation online“, die ständig das Handy in der Hand hat und deren sozialer Kontakt sich auf dem Computerbildschirm abspielt. Dabei ist das vermutlich nur die halbe Wahrheit. Denn man kann diese Generation nicht nur als die sehen, die sich hinter den neuesten technologischen Errungenschaften versteckt, sondern vor allem als eine, die das Bedürfnis hat sich mitzuteilen, sich auszutauschen, informiert zu sein und in Verbindung zu stehen - mit allem, allen und zu jeder Zeit. Diese Generation behält ihre Meinungen nicht für sich, sie macht sie öffentlich - auf Blogs, bei Twitter, in Foren und Kommentarspalten. Es ist nicht mehr die Generation, die sich zu Hause allein vor den Fernseher setzt, sondern die, die während des DVD-Schauens Skype einschaltet, um sich mit Freunden auf der ganzen Welt über den Film auszutauschen. Ob es sich dabei um natürlichen Fortschritt und den Ausbau von Kompetenzen oder um kulturellen Sittenverfall handelt, werden wohl erst die Reaktionen zukünftiger Generationen zeigen.
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