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Kommentar zu Israel

Vor dem nächsten Krieg

Von Tobias Kaufmann, 02.08.10, 21:23h, aktualisiert 02.08.10, 21:25h

Im Nahen Osten köchelt es nicht nur auf einem Konfliktherd. Die Hamas sinnt auf Revanche für den Gaza-Krieg. Libanon steht vor einer Zerreißprobe zwischen dem pro-westlichen und dem pro-iranischen Lager. Und die Türkei wechselt die Seiten.

Angriff auf den Gazastreifen
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Am Montag bombardierte Israel das Flüchtlingslager Deir el-Balah in Gaza. Der Angriff galt einem Hamas-Führer. (Bild: dpa)
Angriff auf den Gazastreifen
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Am Montag bombardierte Israel das Flüchtlingslager Deir el-Balah in Gaza. Der Angriff galt einem Hamas-Führer. (Bild: dpa)
Frieden ist die Epoche des Betrügens zwischen zwei Epochen des Kriegführens. So unzulässig fatalistisch dieses Bonmot des amerikanischen Autors Ambrose Bierce auch klingen mag - für den Nahen Osten ist es erschreckend treffend. Der Gaza-Krieg ist keine zwei Jahre her, der Libanon-Krieg vier Jahre. Jetzt mehren sich die Indizien, dass die Region erneut vor einem bewaffneten Konflikt steht.

Vor zwei Jahren wollten viele einen drohenden Krieg zwischen Israel und der Hamas noch nicht wahrhaben, als er längst begonnen hatte. Diesmal gibt es mehrere Konfliktherde. Hamas hofft auf Revanche für den Gaza-Krieg. Der Libanon steht vor einer Zerreißprobe zwischen dem pro-westlichen und dem proiranischen Lager - wobei Letzteres von seinen Verbündeten Syrien und Iran gepäppelt und Ersteres vom Westen und Israel im Stich gelassen wird. Die Lage im Zedernstaat kann jederzeit auch Krieg mit Israel auslösen, die Gründe für diese Entwicklung sind dieselben wie bei den letzten beiden Kriegen. So ist die Macht der Hamas in Gaza und der Hisbollah im Libanon ungebrochen. Beide Islamistenmilizen haben ihre Arsenale wieder so weit aufgefüllt, dass Israel sich ernsthaft bedroht sieht.

Der jüdische Staat kann es nach der Erfahrung des existenzgefährdenden arabischen Überraschungsangriffs im Yom-Kippur-Krieg 1973 nicht zulassen, sich den Zeitpunkt für einen Waffengang aufzwingen zu lassen. Israel wird zuschlagen, wenn es das für nötig erachtet. Zumal der Gazakrieg im Januar 2009 aus Rücksicht auf den Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama abgebrochen wurde, bevor die Kriegsziele erreicht waren. Die massive Zerstörung, die Hunderte Zivilisten das Leben kostete und Tausenden bis heute Leid bringt, war Teil eines Plans, an dessen Ende die Strukturen der Hamas entkernt, das Tunnelnetz zerstört und der israelische Soldat Gilad Schalit befreit ist. Aber bis heute ist die Hamas intakt, der Schmuggel gedeiht, und Schalit sitzt irgendwo in einem Bunker.

Zu den alten Problemen sind darüber hinaus neue gekommen. Der Iran giert regelrecht nach einem Stellvertreterkrieg, den die Hisbollah für ihn führen könnte. Die Türkei - Israels Exverbündeter - sucht unter Erdogan neue Freunde im islamistischen Lager. Syrien hat seine Bedeutung zurückgewonnen und ist weit davon entfernt, sie konstruktiv zu nutzen. Die Europäer haben angesichts des bildstarken Desasters um die Gaza-Flottille zumindest vorübergehend ihren politisch-moralischen Kompass verloren. Und in Jerusalem regiert ein Kabinett, das an Unfähigkeit und Ignoranz in der an Regierungen reichen Geschichte Israels seinesgleichen sucht.

Dennoch: Es sind gerade die furchterregenden Aussichten, die verhindern könnten, dass sie wahr werden. Den Abgrund vor Augen, wächst der Druck sowohl auf Israel als auch, was dringend nötig war, auf Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, direkte Verhandlungen aufzunehmen. Solche Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern könnten so etwas wie eine Notbremse für den in Richtung Konflikt rasenden Nahost-Zug sein. Vorausgesetzt, beide Seiten wollen Frieden, nicht den nächsten Betrug.



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