Von Sascha Pries, 04.08.10, 18:00h
Jedes Wochenende gibt es den Fahrradflohmarkt in Köln. Abwechselnd findet er in der Südstadt (Stollwerck), Ehrenfeld (Neptunplatz), Innenstadt (Friesenplatz) und dem Agnesviertel (Neusser Platz) statt. Jedes Wochenende stehen hier 200 bis 300 Fahrräder aufgereiht und warten darauf, von neuen Besitzern wieder in Gebrauch genommen zu werden. Genauso warten die Händler auf Kunden, denn die Konkurrenz ist in den vergangenen Jahren gewachsen.
Gianni Rossi (Name geändert) ist arbeitsloser Zweiradmechaniker mit italienischen Wurzeln, der seit den 60er Jahren in Köln lebt. Er kommt seit anderthalb Jahren auf den Flohmarkt, um Räder zu verkaufen und seine Stütze etwas aufzubessern. Angemeldet hat er diesen Zusatzverdienst nicht. „Mehr als drei Räder kann ich am Tag eh nicht verkaufen, weil mein Auto nicht groß genug ist“, sagt er.
Heute hat er nur ein Mountainbike dabei. Seine Fahrräder bekommt er auf anderen Flohmärkten oder beim Sperrmüll. Dann päppelt er sie auf und verkauft sie. „Früher“, berichtet er, „da haben die Leute die Räder noch oft weggeworfen.“ Heute muss er die meisten Drahtesel kaufen. Das drückt natürlich die Marge. Dennoch: Für das Mountainbike hat er 20 Euro bezahlt und einige Stunden Arbeit hineingesteckt. Bei einem Verkaufspreis von 90 Euro bleibt ein bisschen was hängen. Doch „Mountainbikes gehen nicht so gut derzeit“. Prompt findet er heute keinen Käufer.
Einige Meter weiter steht Michael Paar und führt ein Verkaufsgespräch. Er ist ein gedrungener Mann mit kräftigem Händedruck. Als Organisator ist der Fahrradmarkt sein Vollzeitjob. Paar nimmt von den Verkäufern 5 Euro für jedes angebotene Rad. Zusätzlich bietet er eigene Räder an und verkauft an einem langen Stand Ersatzteile und Zubehör. Immer mit von der Partie ist außerdem Dr. Bike mit seiner mobilen Werkstatt. „Ich habe nur 15 Euro für das Einstellen meiner Gangschaltung und Bremsen bezahlt - und gedauert hat's nur fünf Minuten“, freut sich eine junge Frau. „Normalerweise werden an einem Tag etwa die Hälfte aller angebotenen Räder verkauft“, sagt Paar. Käufern rät er, das neue Gefährt nicht nach der Farbe, sondern nach der passenden Größe auszusuchen. Für viele Käufer sei aber nur der Preis das ausschlaggebende Kriterium.
Ob Räder für 30 bis 40 Euro etwas taugen, beantwortet er rheinisch-lapidar: „Wat nix koss, dat es och nix.“ Die Hälfte des Originalpreises sollte man für ein gutes Gebrauchtes schon investieren. Die Verkäufer sind jedoch nicht verpflichtet, nur fahrtüchtige und verkehrssichere Räder anzubieten. Charlotte Weber hat sich soeben ein Rad gekauft. 90 Euro hat es gekostet und obwohl sie eigentlich ein Damenrad haben wollte, hat sie sich mit ihrem Freund für ein recht sportliches Herrenrad entschieden. „Das ist ein vernünftiges Rad, und wir haben den Verkäufer noch um 25 Euro runterhandeln können“, sagt Weber. Das gesparte Geld investiert sie noch in ein ordentliches Schloss, damit ihr das Rad nicht geklaut wird wie das letzte.
Darüber, dass das eben gekaufte Rad womöglich auch ein gestohlenes sein könnte, hat sie „gar nicht nachgedacht.“ Obwohl die Möglichkeit besteht, sich mit einem von Michael Paars vorbereiteten Kaufverträgen abzusichern, hat Weber keinen abgeschlossen. Dabei warnt die Polizei Köln: „Wer mit einem als gestohlen gemeldeten Fahrrad erwischt wird, sollte nachweisen können, wo er es her hat.“ Auch einen Fahrradpass sollte man anfertigen. Darin werden Rahmennummer und Besitzer eingetragen. Rund 7700 Fahrräder wurden 2009 in Köln als gestohlen gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen, weil viele Betroffene den Diebstahl nicht anzeigen. Der Fahrradpass ist für die Polizei bei der Fahndung nach den gestohlenen Fahrrädern sehr wichtig. Einen Vordruck der Polizei kann man im Internet herunterladen. Auch auf dem Fahrradflohmarkt hat es im vergangenen Jahr einige Kontrollen durch die Polizei gegeben - ohne größere Funde. „Der Ruf ist schlechter als der Markt“, sagt Michael Paar. Auch die Polizei versichert: „Auf dem Fahrradflohmarkt wimmelt es nicht von geklauten Fahrrädern.“
Viele Verkäufer kennen sich schon lange, doch nicht alle von ihnen sind mit den Jahren zu Freunden geworden. „Ich mache das hier inzwischen mehr aus Liebe als wegen des Geldes“, murrt ein Händler aus dem Kölner Nordwesten. Er ist davon überzeugt, dass auch gestohlene Räder verkauft würden. „Sonst könnten die ihre Räder doch gar nicht so billig anbieten“, schimpft er. Gianni Rossi zuckt bei dem Thema mit den Schultern: „Man weiß ja oft selbst nicht genau, wo die Räder herkommen“, sagt er. Viele Verkäufer kennt er seit Jahren und ist deshalb überzeugt: „Das sind Händler, die würden nicht klauen.“
was denn nun?
05.08.2010 | 07.31 Uhr | hui buh
Wimmelts oder wimmelts nicht vor geklauten Fahrrädern? Laut Text sagt die Polizei nein...
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