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Prozess

Köpfe der Bande „879“ vor Gericht

Von Benjamin Jeschor, 04.08.10, 18:09h, aktualisiert 04.08.10, 18:20h

Eine Euskirchener Jugend-Gang soll in zig Fällen geraubt, geprügelt und erpresst haben. Besonders durch das „Abziehen von Mobiltelefonen“ fiel sie auf. Die fünfköpfige Führungsriege muss sich vor dem Landgericht verantworten.

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Bonn/Euskirchen - Für Angst und Schrecken sollen die fünf jungen Angeklagten im Alter zwischen 17 und 21 Jahren, die sich seit Mittwoch vor dem Bonner Landgericht verantworten müssen, in den vergangenen zwei Jahren vor allem unter Gleichaltrigen gesorgt haben. Offenbar trauten sich viele Jugendliche nicht mehr ohne ihre Eltern in die Euskirchener Innenstadt - aus Angst davor, von den Mitgliedern der Jugendgang ausgeraubt zu werden. Der mutmaßlichen Führungsriege der Bande, die unter dem Namen „879“ (die letzten drei Ziffern der Euskirchener Postleitzahl) ihr Unwesen getrieben haben soll, wird von der Staatsanwaltschaft räuberische Erpressung, Raub, Diebstahl, Hehlerei, Körperverletzung und Freiheitsberaubung in insgesamt 14 Fällen vorgeworfen.

Zwischen Sommer 2008 und Februar 2010 sollen die teilweise einschlägig vorbestraften Beschuldigten vor allem durch das so genannte „Abziehen von Mobiltelefonen“ aufgefallen sein. Dies räumten die Jugendlichen und Heranwachsenden am ersten Verhandlungstag ein. „Es war die schnellste Methode, um an Geld zu kommen“, so einer der beiden 17-Jährigen, der einst in einer Jugendmannschaft von Alemannia Aachen Fußball spielte. Die angeklagten Taten scheinen dabei eher die Spitze des Eisbergs zu sein. Dem Vernehmen nach kam es stellenweise täglich zu Polizeieinsätzen im Zusammenhang mit der Jugendgang, die aus bis zu hundert Personen bestanden haben soll. In etwa 60 Fällen sollen Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelt haben. Und beim Handyabzocken blieb es anscheinend nicht: Laut Anklage trafen sich vier der Beschuldigten und ein weiterer Täter am 19. November des vergangenen Jahres in der Wohnung eines geistig behinderten Bekannten, offenbar um dort Marihuana zu konsumieren.

Behinderten malträtiert

Doch dann sei der Behinderte plötzlich mit einem Messer sowie einem Schraubenzieher bedroht und ausgeraubt worden. Eine Spielkonsole samt Controller und sechs Spielen sollen die Täter mitgenommen und verkauft haben. Den Besuch bei einer Bekannten in Zülpich sollen zwei der Angeklagten genutzt haben, um aus dem Wohnzimmer zwei Armbanduhren, ein Laptop und eine Digitalkamera (Gesamtwert 3.500 Euro) zu entwenden. Mehrfach kam es laut Staatsanwaltschaft auch zu Schlägereien. Besonders hoch her ging es anscheinend am 2. Januar dieses Jahres vor einer Spielhalle in der Mittelstraße. „Aus Spaß“ wollen sich dort mehrere Heranwachsende nach eigenen Angaben mit Feuerwerksraketen und Böllern beschossen und beworfen haben. Als die Spielhallenaufsicht nach dem Einschlag einer Rakete im Eingangsbereich gefordert habe, dass die Personen verschwinden sollten, wurde laut Anklage kurzerhand eine Reklametafel von außen unter die Türklinke geklemmt. Erst die Polizei konnte die Aufsicht und die Gäste nach etwa zehn Minuten befreien. Zwar legten die Angeklagten in fast allen Fällen weitgehende Geständnisse ab. Doch kam es immer wieder zu gegenseitigen Anschuldigungen, oder die Beteiligung an einzelnen Taten wurde erst auf mehrfaches Nachfragen eingeräumt. Im März waren die fünf Angeklagten in Untersuchungshaft genommen worden. Inzwischen befinden sich vier wieder auf freiem Fuß, ein 17-Jähriger ist in einer Haftvermeidungseinrichtung untergebracht. Der Prozess wird fortgesetzt.



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