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Workcamp

Häuser aus der Eisenzeit als Vorbild

Von Britta Wonnemann, 05.08.10, 16:13h, aktualisiert 05.08.10, 16:24h

„Bauen wie in der Eisenzeit“ lautet die Devise beim Workcamp des internationalen Jugendgemeinschaftsdiensts in Titz. Hier bauen Jugendliche aus aller Welt ein originalgetreues Haus aus der Zeit nach.

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Wie in der Eisenzeit bearbeiten die Jugendlichen das Material für den Hausbau. (Bild: Wonnemann)
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Wie in der Eisenzeit bearbeiten die Jugendlichen das Material für den Hausbau. (Bild: Wonnemann)
Rhein-Erft-Kreis / Titz - Aus dem weitläufigen Garten dringen hämmernde Geräusche. In einem Rund von mit Stroh gedeckten Häusern und Hütten bearbeiten einige junge Männer Stammholz mit der Axt oder mit einem großen Hammer, der auf einen Holzpflock geschlagen wird und das Holz spaltet. Auch Jae Bum Mun schwingt die Axt und fertigt Bretter.

Gemeinsam mit 15 anderen Jugendlichen aus der ganzen Welt baut der 25-Jährige aus Südkorea ein Haus aus der Eisenzeit nach. Eine ganze Siedlung entsteht seit Jahren im Garten der Außenstelle Titz des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege. „Die Hofanlage wird genau so aufgebaut, wie wir die Grabung im Tagebau Garzweiler vorgefunden haben“, erklärt Dr. Udo Geilenbrügge, Leiter der Außenstelle. Vor elf Jahren entdeckten die Archäologen, die im Tagebauvorfeld geschichtliche Zeugnisse sichern und dokumentieren, Überreste der Siedlung, die aus dem fünften bis ersten Jahrhundert vor Christus stammt. Sie wollen auf dem Außengelände zeigen, wie Wohnhaus, Speicherbauten und Bauernhof einmal ausgesehen haben. Da die Mitarbeiter der Außenstelle viel beschäftigt sind, wächst das Häuserensemble nur langsam. „Wir sind froh über die Unterstützung durch die Jugendlichen“, freut sich Geilenbrügge.

Das Workcamp, das vom internationalen Jugendgemeinschaftsdienst (IJGD) organisiert wird, findet zum fünften Mal statt. Die 16- bis 25-jährigen Teilnehmer kommen etwa aus Russland, Spanien, der Türkei, Armenien, aber auch aus Deutschland. Die Verständigung funktioniert auf Englisch.

Selbstversorger

Drei Wochen lang werkeln die jungen Leute bis zum frühen Nachmittag, schlafen auf Feldbetten und versorgen sich selber. „Es ist uns wichtig, dass sich die Leute selbst organisieren“, sagt Laura von Kersbergen, die gemeinsam mit Konstanze Päßler das Team leitet. „Die Grundrisse der Häuser sind bekannt“, erläutert Geilenbrügge. Damals sei noch nicht mit Steinen gebaut worden, sondern mit Holz und Stroh, die Wände bestanden aus einem Lehmgemisch. Die Jugendlichen bauen ein originalgetreues Haus. Das Material wird aus dem Hambacher Forst geholt, nur das Stroh wird gekauft, denn es muss lang genug sein. „Wir haben im Wald Holz geschlagen“, berichtet Anna Äijö. Die 20-jährige Finnin hörte zu Hause von dem Camp und fand die Idee toll, ebenso wie Anna Raupach aus Berlin. Die 16-Jährige interessiert sich für Geschichte. „Wir machen hier ganz verschiedene Arbeiten“, erzählt sie. Äste müssen geschält, das Dach gedeckt, Lehm mit Sand und Stroh angerührt und die Wände damit verputzt werden.

Jae Bum Mun, der ein Studium zum Landwirtschaftsingenieur absolviert, ist fasziniert, wie Material und Bauweise die Häuser klimatisieren. „Im Winter können die Räume erwärmt werden, im Sommer bleiben sie kühl“, hat er erfahren. Die Zusammenarbeit mit den anderen Teilnehmern gefällt ihm besonders gut. Nachmittags werden auch schon mal Ausflüge in die Region gemacht.

Am Freitag endet das Workcamp, beim nächsten Mal werden dann andere Jugendliche weiterbauen. „Es fällt schwer, wieder nach Hause zu fahren“, spricht Anna aus Finnland die Gedanken der anderen aus. Die eisenzeitliche Siedlung kann übrigens von Schulklassen besichtigt werden, eine Museumspädagogin führt durch die Anlage. Die Außenstelle Titz ist unter 02463 / 99170 zu erreichen.



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